Im Stück des Zuger Seniorentheaters haben auch Moralisten Schwächen

Der Schwank «Die drei Dorfheilige» des Seniorentheaters St.Johannes Zug steht kurz vor der Premiere.

Monika Wegmann
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Die Mitglieder des Seniorentheaters proben ihr neustes Stück.

Die Mitglieder des Seniorentheaters proben ihr neustes Stück.

Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 5. Februar 2020)

Noch wird unter der Regie des Thalwilers Kurt Studer (80) im Pfarreisaal St.Johannes für den Mundartschwank «Die drei Dorfheilige» intensiv geprobt. Richtig los geht es am 27. Februar. An einem Tisch vor der Bühne beobachtet Studer an diesem Mittwochnachmittag recht zufrieden den Durchlauf des Stücks:

«Die Spieler sind schon ziemlich weit, doch die Übergänge zu den einzelnen Szenen müssen noch variabler werden.»

Die Spielerinnen und Spieler warten ebenfalls vor der Bühne, ungeschminkt und in ihren Alltagskleidern, auf ihre Einsätze.

Das Bühnenbild zeigt die Stube des Gemeindepräsidenten Simon Meier (Ruedi Vogt). Dort geht es an diesem Tag rein und raus, dass ihm der Kopf brummt, denn hier spielt sich die heitere Geschichte vorwiegend ab. Und alle lachen, als er mittendrin dreimal seinen Satz wiederholt, weil einer zu spät auf der Bühne erscheint. Auch die Souffleuse hat einiges zu tun und leistet die nötige Schützenhilfe.

Erinnerungen an die schwarze Resi

«Seit Herbst sind wir an der Arbeit, geplant sind 35 Proben», erklärt Studer, der das aus dem süddeutschen Raum stammende Stück speziell für die Seniorenbühne überarbeitet hat. Diesmal sei das gesamte Spielerteam im Einsatz. «Es ist erstaunlich, dass alle trotz Alter spielen wollen, auch wenn sie etwas länger zum Textlernen brauchen. Der älteste Spieler ist übrigens 86 Jahre alt. Aber alle sind mit Freude und Leidenschaft dabei. Für mich ist das die sechste Produktion mit dem Seniorentheater St.Johannes.»

Die turbulente Geschichte beginnt damit, dass der neue Dorfpfarrer in Finstersee ominöse Post aus Deutschland erhält. Darin werden alte Briefe angekündigt, in denen eine Frau namens Resi eine Rolle spielt. Schon allein dieser Name löst beim Gemeindepräsidenten die grössten Ängste aus. Und er ahnt, dass diese Briefe mit seinem Techtelmechtel vor rund 30 Jahren mit einem deutschen Hausmädchen zusammenhängen, welches im Dorf gearbeitet hatte.

Völlig unerwartet geraten in diesem Moment aber auch zwei weitere Herren ins Schwitzen, die sich damals ebenfalls von der «schönen, schwarzen Resi» um den Finger wickeln liessen, ohne jedoch voneinander zu wissen. Durch die Verwicklungen hängt bei der Präsidentenfamilie Meier bald der Haussegen schief. Seine Frau ahnt etwas, trägt aber eher zur Verwirrung bei, da sie unbedingt die Tochter mit einem reichen jungen Mann verheiraten will. Die Tochter liebt aber einen anderen.

Lustig, spannend und unterhaltsam

Die Situation bietet genug Stoff für ein Chaos bei den drei Mannsbildern, die selber so gerne über Moral sprechen und sich plötzlich mit ihrer unrühmlichen Vergangenheit konfrontiert sehen. So zeigt sich einmal mehr, dass sogar die «Dorfheiligen» ihre schwarzen Flecken haben und nun die Konsequenzen fürchten: Denn da ist von einem Knaben die Rede, und jetzt fragen sich die drei angstvoll, wer denn der Vater ist. Sodann taucht ein junger Mann aus Deutschland auf, und die Verwirrung ist komplett. Doch wie immer bei einem guten Schwank lösen sich die Verwicklungen zuletzt auf – doch nicht ohne eine ganz grosse Überraschung.

Obwohl es bis zur Premiere des Mundartstücks noch einige Tage geht, ist eines schon jetzt garantiert: Für das Publikum wird es wieder lustig, spannend und unterhaltsam. Das entspricht auch dem Ziel des Regisseurs, der ergänzt: «Dieser Schwank hat durchaus einen tieferen Sinn.»

Termine: Do. 27. Februar, 14 Uhr (für Senioren der Pfarrei und Rollstuhlfahrer), im Pfarreisaal St.Johannes. Premiere: Fr. 28. Februar, 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen finden bis 14. März statt. Tickets unter 0795385607 und 0798741502 (Mo., Di., Mi., 9-11 Uhr). Weitere Aufführungsdaten unter www.seniorentheater.ch