Corona
Uri will Ausbruch stoppen: Mehr Tests, mehr Tracing und ein Appell an alle

Die Regierung schlägt Alarm. Die hohen Fallzahlen verlangen nach strikten Massnahmen. Andermatt muss die Skisaison beenden, an Schulen wird mehr getestet und das Contact-Tracing wird aufgestockt. Zudem sollen sich bald alle Erwachsenen impfen können.

Anian Heierli und David von Moos
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Die epidemiologische Lage ist besorgniserregend. Uri mutierte in den vergangenen Wochen zum Coronahotspot der Schweiz. Nirgends sonst sind die Fallzahlen pro Kopf so hoch wie im kleinen Bergkanton. Während schweizweit darüber diskutiert wird, welche Lockerungen ab Mittwoch gelten sollen, werden die Regeln im Kanton Uri verschärft. An einer Medienkonferenz stellte die Urner Regierung am Montag folgende Massnahmen vor, die der kantonale Sonderstab vorgängig neu beschlossen hatte:

Chefarzt Georg Mang warnte davor, dass im Kantonsspital Uri maximal sechs Personen beatmet werden können.

Chefarzt Georg Mang warnte davor, dass im Kantonsspital Uri maximal sechs Personen beatmet werden können.

Bild: Anian Heierli (Altdorf, 12. April 2021)
  • An der Oberstufe sind wöchentliche Coronaspeicheltests Pflicht. Das gilt für Lehrpersonen und Schüler. Laut Regierungsrat ist das gezielte, repetitive Testen von Personen ohne Symptome an Schulen eine Ergänzung zu den bestehenden Tests von Personen mit Symptomen: «Infektionsketten können so zeitnah unterbrochen und Ausbrüche verhindert werden.» In Primarschulen soll es dagegen nur zu gezielten Massentests kommen, wenn der Verdacht eines Ausbruchs besteht.
  • Um das Kantonsspital Uri zu entlasten, werden die Urner Skigebiete frühzeitig geschlossen. Diese Massnahme betrifft konkret nur die Anlagen am Gemsstock in Andermatt. Diese wären an den kommenden beiden Wochenenden noch geöffnet gewesen. Zudem können nicht-dringende Eingriffe am Spital verschoben werden.
  • Beim Contact-Tracing will der Kanton einen Gang höher schalten. Bislang mussten positiv getestete Personen sämtliche Kontakte der letzten 48 Stunden angeben. Dieser Wert wird ab sofort auf 72 Stunden erhöht. Dazu wird das Personal nochmals aufgestockt.

Georg Mang, Chefarzt Innere Medizin am Kantonsspital Uri, verdeutlichte an der Konferenz den Ernst der Lage. «Wir hatten in den letzten 7 Tagen knapp 200 Neuinfektionen», so der Mediziner. Er befürchtet, dass es mit einer gewissen Verzögerung deshalb zu mehr Hospitalisierungen kommt.

Bei einer Eskalation gibt es 6 Beatmungsplätze

Aktuell liegen 8 Personen auf der Covid-Abteilung. Eine Person wird künstlich beatmet. Insgesamt hat das Kantonsspital zwei Beatmungsplätze für Coronapatienten. Gemäss Eskalationsplan können im Notfall 6 Beatmungsplätze geschaffen werden. «Dazu müssten wir aber intern Personal verschieben», so Mang. «Dieses würde dann im regulären Betrieb fehlen.»

Sollte der Kanton Uri die Spitalkapazitäten nicht aus eigener Kraft bereitstellen können, ist er darauf angewiesen, dass Patienten in anderen Spitälern aufgenommen werden. Diesbezüglich wurde an der Konferenz betont, dass das Kantonsspital Uri seinerseits in den vergangenen Monaten Patienten aus anderen Kantonen auf der Intensivpflegeabteilung behandelt hat – etwa aus der Westschweiz.

Laut Emil Kälin, Leiter Covid-Sonderstab, wurden bereits 9500 Dosen verimpft. Das entspricht etwa 10 Prozent der Bevölkerung.

Laut Emil Kälin, Leiter Covid-Sonderstab, wurden bereits 9500 Dosen verimpft. Das entspricht etwa 10 Prozent der Bevölkerung.

Bild: Anian Heierli

Dabei impft Uri vorwärts. Kein anderer Kanton hat derart viele Dosen pro Kopf verabreicht. «In Anbetracht des verfügbaren Impfstoffs sind wir gut unterwegs», sagte auch Emil Kälin vom Sonderstab Covid-19 an der Medienkonferenz. «Bis heute haben wir 9500 Dosen verimpft. Drei Viertel davon im Kantonsspital und einen Viertel über die Hausärzte.» Er erklärt: «10 Prozent der einheimischen Bevölkerung sind vollständig geimpft.» Insbesondere das Impfen in Alters- und Pflegeheimen sei abgeschlossen.

«Viele Ausbrüche kommen aus dem privaten Bereich»

Vor diesem Hintergrund überraschen die hohen Zahlen umso mehr. Gesundheitsdirektor Christian Arnold dazu: «Über die Gründe herrscht nur beschränkt Klarheit. Wir haben vermehrt Fälle in den Schulen. Das betrifft die Ober- und die Primarstufe. Viele Ansteckungen kommen aus dem privaten, familiären Bereich und dem Arbeitsort.» Doch auch zwei Ausbrüche in Heimen hätten zu den höheren Fallzahlen geführt. Arnold appellierte diesbezüglich vehement Richtung Bevölkerung, sich an die Massnahmen und das Contact-Tracing zu halten. Arnold betont:

«Wir stellen fest, dass Angaben zur Rückverfolgbarkeit nur noch teilweise gemacht werden. Hier sind wir aber darauf angewiesen, dass diese korrekt erfolgen.»
Der Gesundheitsdirektor Christian Arnold an der Pressekonferenz im Rathaus in Altdorf.

Der Gesundheitsdirektor Christian Arnold an der Pressekonferenz im Rathaus in Altdorf.

Bild: Anian Heierli (Altdorf, 12. April 2021)

Landammann Urban Camenzind ergänzte: «Wir haben den Eindruck, dass gewisse Personen selektiv angeben, mit wem sie Kontakt hatten und welche Abstände nicht eingehalten wurden.» Das dürfe nicht passieren. Jede Kontaktperson sei zu nennen. Auch wenn diese vielleicht schon zwei- oder dreimal in Quarantäne gewesen sei.

Beim Impfen ist man auf Kurs

Es gibt aber auch erfreuliche Aussichten: Je nach Fortschritt und Interesse sollte es demnächst zur Impfung für alle kommen. Das heisst: Online können sich Erwachsene dann für eine Impfung anmelden. Aktuell geht man davon aus, dass es bereits in zwei bis drei Wochen soweit sein wird.

Weitere Informationen rund um das Coronavirus im Kanton Uri gibt es hier.