Flüeli-Ranft
Herzensgebete, Gegenwartsliteratur und das Leid im Fokus der Ranfter Gespräche

Vom 24. bis am 26. September organisierte das Zentrum Ranft die vierten Ranfter Gespräche – Thema war die westöstliche Spiritualität.

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Im Zentrum der Ranfter Gespräche stand die westöstliche Spiritualität.

Im Zentrum der Ranfter Gespräche stand die westöstliche Spiritualität.

Bild: PD

Unter dem Motto «Weg des Herzens – westöstliche Spiritualität» hat das Zentrum Ranft die vierten Ranfter Gespräche lanciert. Neben Referaten und einer Podiumsdiskussion sorgten vom 24. bis am 26. September zwei Konzerte, eine Buchlesung, Meditationen und ein Gottesdienst für ein reichhaltiges Programm der gut besuchten Veranstaltung.

Die Vortragsreihe begann Ursula Bründler, Präsidentin des Zentrum Ranft mit Ausführungen über moderne Zugänge zu mystischen Erfahrungen und zu Bruder Klaus. Atem und Klang in Verbindung mit der Wiederholung heiliger Worte können den Zugang zu mystischen Erfahrungen ebnen. Heute spräche man von «pure conscious event», um das Gefühl der Weite, das sich bei einer mystischen Erfahrung einstellt, zu umschreiben.

Theologie und Literatur hängen eng zusammen

Gisela Bryson sprach über die Praxis des Herzensgebets. Beten ist für sie ein Gespräch mit Gott, zu dem nicht nur das Reden, sondern auch das Hören gehört. Nach Anleitung von Starez Serafim vom Berg Athos brachte Bryson den Teilnehmenden das Herzensgebet näher: Beten, wie ein Berg, eine Mohnblume, der Ozean, ein Vogel, Abraham und Jesus bringt Qualitäten wie Gelassenheit, Lebendigkeit, Intimität und Vertrauen mit sich, welche sich gegenseitig verstärken.

Christoph Gellner führte mit seinem Vortrag über «Faszination westöstlicher Spiritualität in der Gegenwartsliteratur» in den Grenzbereich von Theologie und Literaturwissenschaft. Er zeigte auf, wie östliche Weisheit, christlicher Glaube und die Tiefenpsychologie Carl Gustav Jungs Herrmann Hesse inspiriert hat, und dass Adolf Muschg stark von Goethe, dem Zen-Buddhismus und vom deutschen Mystiker Meister Eckhart beeinflusst wurde. Nur im Spiel empfinden wir uns der Schöpfung verwandt, folgert Gellner.

Sehnsucht sei Antrieb für die menschliche Entwicklung

Abt Marianus Bieber vom Benediktinerkloster Niederaltaich in Deutschland sprach über die Gott-Mensch-Beziehung und das Gebet. Die Sehnsucht, so Bieber, sei die Antriebskraft für die Entwicklung des Menschen. Auf sie antwortet Gott mit der Verheissung. Beim Gebet ist nicht das Was, sondern in erster Linie das Wie zentral, die Intensität. Auch die kontinuierliche Übung sei entscheidend, so Bieber.

Auf eine Frage aus dem Publikum nach dem Warum des Leidens verweist Christoph Gellner auf das Buch Hiob. Die Freunde hätten zuerst drei Tage schweigend bei Hiob verbracht, ehe sie mit ihren Reden begannen. Abt Marianus fügt hinzu: «Zu unserem Kloster gehört ein Hospiz für ältere Mönche. Es ist ein Ort des Sterbens. Aber auf der seelisch-geistigen Ebene geschieht dort unglaublich viel.» (mah)