Interview
Zentralschweizerisches Jodlerfest: So werden die Vorträge bewertet

Beim bevorstehenden Jodlerfest in Horw geht es nicht nur um gute Unterhaltung, sondern auch um Noten für die aktiven Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Aufgabe der Jury ist nicht immer einfach – bei einem Thema scheiden sich gar die Geister.

Hugo Bischof
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Die drei auswärtigen Juroren Emil Wallimann, Ueli Kämpfer und Hansruedi Zihlmann (von links) bewerten am Expertisensingen des Jodlerklubs Edelweiss die Vorträge der Teilnehmer. (Bild: Jodlerklub Edelweiss Ettiswil, 24. Mai 2019)

Die drei auswärtigen Juroren Emil Wallimann, Ueli Kämpfer und Hansruedi Zihlmann (von links) bewerten am Expertisensingen des Jodlerklubs Edelweiss die Vorträge der Teilnehmer. (Bild: Jodlerklub Edelweiss Ettiswil, 24. Mai 2019)

Vom 28. bis 30. Juni findet in Horw das 63. Zentralschweizerische Jodlerfest statt. 30 Jury-Mitglieder werden die Vorträge der Jodlerinnen und Jodler bewerten. Wir sprachen mit Franziska Bircher, einer von zwölf Juryleiterinnen und -leitern

Franziska Bircher. (Bild: PD)

Franziska Bircher. (Bild: PD)

Wie lange sind Sie schon als Jurymitglied tätig?

Franziska Bircher: Mein erster Einsatz als Jurymitglied war am Jodlerfest in Buochs im Jahr 2000. Seit 2007 bin ich als Juryleiterin tätig.

Was waren die schlimmsten Fauxpas, die Sie in dieser Zeit erlebt haben?

Ich erinnere mich an einen Einzeljodler, der die stimmlichen Mittel zum Jodeln eigentlich nicht hatte und sich trotzdem angemeldet hat, um sich dem Publikum und der Jury zu stellen. Oder an einen Chor, der harmonisch ziemlich falsch gesungen hat, sodass auch im Publikum eine grosse Unruhe entstand.

Der Gesamteindruck, also Musikalität und Ausstrahlung, ist das am stärksten bewertete Kriterium. Kann dies überhaupt objektiv beurteilt werden?

Natürlich kann man bezüglich Musikalität geteilter Meinung sein. Aber auch in dieser Sparte gibt es Kriterien, welche es zu beachten gilt. Als Absicherung gilt die Regel, dass die Punktedifferenz der drei Juroren, respektive Jurorinnen einen halben Punkt nicht übersteigen darf. Dies kann schon einmal zu Diskussionen zwischen den Jurymitgliedern führen. Man muss sich einigen. Der Bewertungsentscheid ist schliesslich ein Teamentscheid und wird von der ganzen Jury getragen.

Gibt es Jodler, die gegen eine Note Protest einlegen? Gibt es diese Möglichkeit überhaupt?

Mit der Anmeldung unterschreibt jedes Aktivmitglied, den Juryentscheid zu akzeptieren. Es ist auch schon vorgekommen, dass dieser Entscheid angefochten wurde. Das ist dann für alle Beteiligten eher unangenehm. Solche Fälle kommen aber Gott sei dank immer seltener vor.

Kann eine Note nachträglich korrigiert werden?

Ich kenne keine Fälle, in denen die Note nachträglich korrigiert wurde. Es kann aber vorkommen, dass eine Punktzahl falsch übertragen wird, oder im Rechnungsbüro ein Fehler passiert und die falsche Note veröffentlicht wurde. Das wird dann natürlich korrigiert. Wo Menschen arbeiten, passieren auch Fehler. Das ist einfach so.

Darf ein Jodler, eine Jodlerin oder ein Jodlerchor nach einem missglückten Vortrag ein zweites Mal antreten?

Es ist nicht möglich, ein zweites Mal anzutreten. Am Jodlerfest gibt es keine zweite Chance.

Kritiker bemängeln, dass in der Rangliste nur die Klassierung (Note 1, 2, 3 oder 4), nicht aber die Punktzahl veröffentlicht wird. Warum ist das so?

Oje, da scheiden sich die Geister! Einige wollen die Punktzahl veröffentlichen, andere nicht. Darüber wurde schon öfter diskutiert. Es ist ein Entscheid, der demokratisch gefällt wurde.

Aber es ist doch ein Unterschied, ob ein Jodler, eine Jodlerin oder ein Chor nur ganz knapp oder deutlich die Höchstnote verpasst hat.

Dieser Unterschied besteht in der Tat, da haben Sie recht. In einer Klasse 1 kann sich die Punktzahl bis zu sechs Punkten unterscheiden. Und das ist ein grosser Unterschied. Die Angabe der Punktzahl würde diesen Unterschied der Öffentlichkeit transparent machen.

Was ist Ihre persönliche Meinung dazu?

Ich persönlich bin für Transparenz und würde eine Veröffentlichung der Punktzahl begrüssen. Eine andere Möglichkeit wäre, die Punktierung der vier Klassen zu überdenken und nach oben zu korrigieren, indem wir eine Klasse «Vorzüglich» anhängen.

Was erwarten Sie vom diesjährigen Jodlerfest?

Ich bin überzeugt, dass das OK und die Trägervereine alles in ihrer Macht Stehende tun, damit es ein gelungenes Fest wird. Die Jodler und Alphornbläser werden mit ihrem Gesang und ihrer Musik wie immer zur Gemütlichkeit beitragen. Natürlich hoffe ich, und da werde ich nicht die Einzige sein, auf schönes Wetter. Schliesslich wünsche ich jedem Jodler, jeder Jodlerin, jedem Chor, dass der Vortrag ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechend gelingt und ihr Gesang viele Menschen im Herzen berührt.

Franziska Bircher ist 55-jährig, verheiratet und hat vier erwachsene Söhne, eine Schwiegertochter und ein Grosskind. Sie wohnt in Oberdorf NW und ist Primarlehrerin. Bircher leitet momentan das Nidwaldner Hobbychörli, in welchem ihr Mann und ihre vier Söhne mitsingen und tritt als Solojodlerin und mit dem Beggrieder Jodlerterzett auf.

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