Jubiläumsfeier
150 Jahre Rigibahnen – ein dampfendes Unikum und Prominenz aus Bern

Anlässlich des Jubiläums der Rigibahnen hat Bundesrätin Simonetta Sommaruga ihren Weg nach Vitznau gefunden. Im Zentrum des Geschehens stand die neu in Stand gesetzte «Lok 7», die bereits vor 148 Jahren Gäste auf die Rigi beförderte.

Salome Erni
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Ein «Pfuuse» und Zischen war am Freitagmorgen bei der Talstation der Rigi-Zahnradbahn in Vitznau zu hören. Frédéric Füssenich, dem CEO der Rigi Bahnen AG, gelang es trotz dem Getöse, den 148-jährigen Ehrengast der 150-Jahr-Feier der Rigibahnen anzukündigen: die Lok 7, die weltweit einzige Zahnrad-Dampflokomotive mit stehendem Dampfkessel, die noch fahrtüchtig ist.

Die Lok 7 kündigt sich mit viel Dampf und lautem Geräusch an.

Die Lok 7 kündigt sich mit viel Dampf und lautem Geräusch an.

Bild: Manuela Jans-Koch (Vitznau, 21. Mai 2021)

Die letzten Jahre verbrachte «s'Sibni» im Verkehrshaus. Damit sie zum Jubiläum überhaupt wieder auf den Schienen stehen konnte, sammelte die Stiftung Rigi Historic Geld für die Sanierung. Der Check von über 150'000 Franken wurde im Rahmen der Feierlichkeiten vom abtretenden Stiftungsratspräsidenten Paul Richli übergeben. Martin Horath und Paul Gwerder waren an der Restauration beteiligt und schwärmten von der handwerklich sorgfältigen Fertigung der Lokomotive: Das Fahrzeug sei «alt, echt und mache Spass».

Ansprachen unter dem Regenschirm

Bevor die Fahrt losging, konnte die festlich geschmückte Lokomotive unter Alphornklängen bewundert werden. Man wartete noch auf zwei prominente Gäste, die mit dem Schiff anreisten und im Nieselregen ankamen: Bundesrätin Simonetta Sommaruga und SBB-CEO Vincent Ducrot.

Die Lok 7 wurde zur Feier des Tages festlich geschmückt.

Die Lok 7 wurde zur Feier des Tages festlich geschmückt.

Bild: Manuela Jans-Koch (Vitznau, 21. Mai 2021)

Die Reden wurden dann auch unter einem Regenschirm abgehalten, mit der dekorativen Lokomotive im Hintergrund. Zuerst kam Verwaltungsratspräsident Karl Bucher zu Wort und brachte die Vergangenheit der Rigi als «Pionierberg des Tourismus» zur Sprache. Er sagt:

«Heute gibt es zwar steilere Bahnen und solche ohne Dach. Aber eine Ältere als unsere, die kann niemand bauen.»

Er führt aus: «Wir sind stolz darauf, Menschen in der Firma zu haben, die über das Wissen und die Leidenschaft verfügen, dieses technische Monument der damaligen Zeit zu verstehen, zu pflegen und zu fahren.» Bucher spannt einen Bogen zur heutigen Zeit und betont, dass das Team auch den neusten Stand der Technik beherrsche. So werde ab September neues Rollmaterial für die Rigi Bahnen auf den Schienen unterwegs sein.

Auch Herbert Imbach, der Gemeindepräsident von Vitznau, ging zunächst auf die Geschichte der «Königin der Berge» ein. Er erzählte vom frühen Mittelalter, wo man Nistplätze von Drachen am Südhang der Rigi vermutete, ungefähr dort, wo heute die Schweizer Flagge hängt. Er sagte, dass die Berge heute dasselbe Bedürfnis erfüllen würden wie vor 150 Jahren, nämlich sich berühren und überwältigen zu lassen und «uns Teil der Natur zu fühlen». Ausserdem betonte er, dass die Zahnradbahn als Teil des öffentlichen Verkehrs auch eine Erschliessungsfunktion habe und Schüler, Heizöl, Baumaterial, Post, Heu und sogar Rinder transportiere.

SBB-CEO Vincent Ducrot nannte die Rigibahnen gar einen «Mythos» und «eines der wichtigsten Symbole für das Tourismus- und Bahnland Schweiz». Und erzählte die Geschichte, wie er als Junge enttäuscht war, als er das erste Mal die Rigi – «den Europapark der damaligen Zeit» – besuchte: Wider seiner Erwartungen und trotz des eindrücklichen Panoramas konnte er das Meer nicht erspähen.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga sprach ebenfalls von Kindheitserinnerungen. Da sie im Freiamt aufwuchs, sei die Rigi quasi ihr «Hausberg» gewesen. Dass die Rigi bereits 1871 als erster Berg Europas mit einer Zahnradbahn erschlossen wurde, darauf dürfe man richtig stolz sein, sagt sie: «Stolz auf den Pioniergeist und die Weitsicht – Qualitäten, die unser Land weiterbrachten und prägten.»

Eine nostalgische Fahrt mit der ältesten Zahnrad-Dampflokomotive mit stehendem Dampfkessel in Betrieb.

Eine nostalgische Fahrt mit der ältesten Zahnrad-Dampflokomotive mit stehendem Dampfkessel in Betrieb.

Bild: Manuela Jans-Koch (Vitznau, 21. Mai 2021)

Fahrt im «Chörbli»

Kurz vor 11 Uhr setzte sich «s'Sibni» nach einem ausgiebigen Fototermin mit der Bundesrätin wieder in Bewegung. Weisser Dampf quoll aus dem Kessel, auf dem Fussboden des Führerstands lag die nötige Kohle, um das 15 Tonnen schwere Gefährt den Berg hinaufzubefördern. Bald stellte sich auch der charakteristische Geruch ein. Im sogenannten «Chörbli» der Lokomotive sassen zunächst die vier Schwingerkönige David Roschi, Arnold Ehrensberger, Ernst Schläpfer und Harry Knüsel. Unterwegs nach Rigi Kaltbad wurde dann getauscht und Bundesrätin Sommaruga bestieg das Gefährt.

Die Kohle musste von Hand geschaufelt werden.

Die Kohle musste von Hand geschaufelt werden.

Bild: Manuela Jans-Koch (Vitznau, 21. Mai 2021)

Je höher, desto weniger war von der Rigi zu sehen. Trotz des Nebels brachten sich entlang der Gleise einige Personen in Position, um dem Spektakel beizuwohnen und die Lok 7 mit ihren prominenten Mitfahrenden abzulichten. Um die Lokomotive überhaupt in Bewegung zu halten, musste der Heizer kontinuierlich Kohle nachlegen. Beim Öffnen des Deckels konnte man einen Blick in das glühende Innere erhaschen.

«Wir machen unsere Hausaufgaben»

Seit 150 Jahren ist die Rigi über die Zahnradbahn erschlossen.

Seit 150 Jahren ist die Rigi über die Zahnradbahn erschlossen.

Bild: Manuela Jans-Koch (Vitznau, 21. Mai 2021)

Es sei eine eindrückliche Fahrt gewesen, erzählt Sommaruga bei ihrer Ankunft auf Rigi Kaltbad. Aufgrund des Wetters wurden die anschliessenden Mediengespräche ins Innere eines Waggons verlegt. Angesprochen auf die aktuell schwierige Situation der Tourismusbranche sagte Sommaruga, dass dies auch ein Moment zum Nachdenken sei: Wie sieht nachhaltiger Tourismus aus? Wie wollen wir die Zukunft gestalten? Möglicherweise könne so etwas Positives aus der Coronakrise mitgenommen werden, sagt die Bundesrätin. Sie ergänzt:

«Ich sehe, dass man in dieser Region bereits begonnen hat, den Tourismus zu überdenken.»

Auch CEO Füssenich sprach darüber, dass man versuche, «diese Fragen im Kollektiv zu beantworten». Die neue Ausrichtung laute «Qualität schafft Mehrwert». Man arbeite am Erlebnis für die Gäste und wolle im Einklang mit der Natur und den Leistungsträgern am Berg gesund wachsen. Der Schweizer Markt solle dabei an erster Stelle stehen, so Füssenich. Trotzdem sieht er Potenzial bei Gästen aus den USA, Europa und Asien, auch wenn der CEO der Rigibahnen vor Mitte 2022 nicht mit einer Erholung des internationalen Tourismus rechnet. «Die letzten gut eineinhalb Jahre waren wir im Überlebensmodus», schildert Füssenich. In Zukunft sollen Individualreisen und kleinere Gruppen im Fokus stehen: «Wir machen unsere Hausaufgaben», sagt er.

Für die eingeladenen Gäste ging es weiter auf Rigi Staffel zu einem Mittagessen – Roastbeef vom Rigi-Rind, wie Füssenich verkündete. Doch dies ist nicht der letzte Höhepunkt des Jubiläums. Über das Wochenende vom 22. bis 24. Mai finden auf der ganzen Rigi Veranstaltungen unter freiem Himmel statt. Sollte der Nebel nicht verschwinden, kann man sich dabei an Bundesrätin Sommaruga ein Vorbild nehmen, die zu Beginn ihrer Ansprache sagte: «Ich lasse mir vom Wetter nicht die Laune verderben.»

Bundesrätin Simonetta Sommaruga bei ihrer Ansprache vor der Lok 7.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga bei ihrer Ansprache vor der Lok 7.

Bild: Manuela Jans-Koch (Vitznau, 21. Mai 2021)
Alphornklänge und Fahnenschwinger begrüssten die Gäste in Vitznau.
18 Bilder
Frédéric Füssenich, der CEO der Rigi Bahnen AG.
Die Lok 7 nimmt fährt auf den Platz.
Die dampfbetriebene Lokomotive ist 148 Jahre alt.
Die vier Schwingerkönige David Roschi, Arnold Ehrensberger, Ernst Schläpfer und Harry Knüsel im ‹Chörbli› der Lok 7.
Bundesrätin Simonetta Sommaruga und SBB-CEO Vincent Ducrot kommen mit dem Schiff in Vitznau an.
Gäste, Redner und Rednerinnen suchen Zuflucht vor dem Regen.
Ansprache vom Verwaltungsratspräsidenten der Rigi Bahnen AG, Karl Bucher.
 Ansprache vom Gemeindepräsidenten von Vitznau, Herbert Imbach.
Ansprache von SBB-CEO Vincent Ducrot
Ansprache von Bundesrätin Simonetta Sommaruga
Die Lok 7 macht sich auf den Weg auf die Rigi.
Die Dampflokomotive befindet sich eigentlich in der Sammlung des Verkehrshauses.
Bundesrätin Simonetta Sommaruga ist mit der Lok 7 unterwegs auf die Rigi.
Die Lok 7 wird auch «s'Sibni» genannt.
Die Bundesrätin Simonetta Somaruga im Gespräch.
Damit die Lok 7 läuft, braucht sie ständig Nachschub an Kohle.
Bundesrätin Simonetta Sommaruga im Gespräch mit CEO Frédéric Füssenich.

Alphornklänge und Fahnenschwinger begrüssten die Gäste in Vitznau.

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