Luzerner Seeclub legt mit neuem Bootshaus Fundament für die Zukunft

Der grösste Ruderverein der Schweiz, der Seeclub Luzern, bezieht in den kommenden Wochen sein neues Bootshaus. Knapp 2,5 Millionen Franken kostet das Projekt, und davon werden vor allem auch die Frauen profitieren.

Thomas Heer
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Die Arbeiten am neuen Bootshaus laufen zwar noch auf Hochtouren, die Ruderer nutzen es dennoch bereits rege. (Bild: Dominik Wunderli, 6. April 2019)

Die Arbeiten am neuen Bootshaus laufen zwar noch auf Hochtouren, die Ruderer nutzen es dennoch bereits rege. (Bild: Dominik Wunderli, 6. April 2019)

Das Rudern zählt zu den traditionsreichsten Sportarten. Allein die Tatsache, dass das alljährlich auf der Themse durchgeführte Rennen zwischen den Universitätsteams von Cambridge und Oxford bereits 1829 das erste Mal ausgetragen wurde, stützt diese Aussage. Während des Kalten Krieges gehörte das Rudern im Wettbewerb der Machtblöcke zu den prestigeträchtigsten und am härtesten umkämpften Wettbewerben. In diese Zeit fällt auch der Zuschauerrekord am Rotsee, als am Finaltag der Weltmeisterschaften 1962 rund 45 000 Personen die Rennen verfolgten.

Das sind längst vergangene Zeiten. Und das Rudern steht heute wie andere Traditionssportarten in Konkurrenz zu Trenddisziplinen. Diese Entwicklung ist auch den Verantwortlichen des Seeclubs nicht entgangen. Das ist mit ein Grund, weshalb das Projekt «Neues Bootshaus» vorangetrieben wurde. Vor allem für die Frauen gibt es in der neuen Immobilie mehr Platz, zum Beispiel im Umkleidebereich. Denn der Rudersport – bis 1976 an Olympischen Spielen eine reine Männerangelegenheit – gewinnt bei den Frauen seit Jahren zunehmend an Beliebtheit. Das zeigen auch die Zahlen des Seeclubs. Der Kommunikationsverantwortliche Timon Wernas nennt dazu Fakten: «Letztes Jahr legten unsere Ruderer insgesamt 167000 Kilometer zurück.» Das entspricht mehr als vier Erdumrundungen. Wernas weiter: «Davon absolvierten unsere Frauen 68 000 Kilometer.»

Das Bootshaus des Seeclubs aus dem Jahr 1930. (Bild: PD)

Das Bootshaus des Seeclubs aus dem Jahr 1930. (Bild: PD)

Ein Olympiasieger in den eigenen Reihen

Das neue Haus kostet knapp 2,5 Millionen Franken und gehört der Bootshaus SCL AG. Als Mehrheitsaktionärin fungiert der Seeclub Luzern. Daneben finden sich im Aktionariat vor allem Mitglieder des Vereins. Das Land gehört der Stadt Luzern und wird dem Club im Baurecht zur Verfügung gestellt. Allfällige Gewinne der AG werden zum Erhalt der Infrastruktur genutzt.

Der Seeclub Luzern, gegründet 1881, zählt seit Jahrzehnten zu den tragenden Säulen des regionalen Sportbetriebs. Wie der BTV Luzern oder der Skiclub Horw gehört der Seeclub zu den wenigen Organisationen im Grossraum Luzern, die den Olympiasieg eines ihrer Mitglieder feiern durften. Denn zum Gewinn des Leichtgewichts-Vierers von Rio de Janeiro 2016 trug mit dem Luzerner Mario Gyr ein Seeclub-Ruderer entscheidend bei. Ohne an dieser Stelle sämtliche international erfolgreichen Seeclub-Athleten zu erwähnen – die Liste wäre zu lang – wird nachfolgend ein Sportler in den Fokus gerückt. Und dieser Mann heisst Fredy Bachmann. Denn der heute 74-Jährige schrieb an den Olympischen Spielen von München (1972) ein kleines aber nachhaltiges Kapitel Schweizer Sportgeschichte. Bachmann gewann vor bald 47 Jahren zusammen mit seinem Partner Heinrich Fischer hinter zwei Ostdeutschen Staatsprofis die Silbermedaille im Zweier ohne Steuermann. Das Erstaunliche an dieser Leistung liegt darin begründet, dass der 1,80 Meter grosse Bachmann damals nur 70 Kilogramm wog. Heute würde Bachmann bei den Leichtgewichtsruderern an den Start gehen, was es 1972 nicht gab. Bachmanns Leistung ist vergleichbar mit derjenigen des US-Hochspringers Franklin Jacobs, der 1978 bei einer Körpergrösse von nur 1,73 Metern den Hallenweltrekord auf 2,32 Meter schraubte.

Ein undatiertes Bild des 1896 erbauten Bootshaus beim Inseli. (Bild: PD)

Ein undatiertes Bild des 1896 erbauten Bootshaus beim Inseli. (Bild: PD)

Fredy Bachmann verfolgt den Rudersport nach wie vor mit viel Interesse. Und auch er stellt wie Timon Wernas fest: «Das Rudern wird zunehmend zu einer Frauensportart.» Bachmann freut sich natürlich über das neue Bootshaus und die damit verbundene bessere Infrastruktur mit mehr Platz für den Trainingsbereich wie das Ergometerrudern, oder auch über die Rollstuhlgängigkeit. Und Bachmann ist nach wie vor ein guter Botschafter seiner Sportart: «Rudern ist gesund, fordert den gesamten Körper und das Verletzungsrisiko ist dabei sehr gering.» Der Sport hat ihn auch fürs Leben geprägt. Bezug nehmend auf seine damals alles andere als optimale körperliche Voraussetzung für eine Karriere bis an die Weltspitze, sagt Bachmann rückblickend: «Das hat mich geprägt und mich darin bestärkt, Sachen durchzuziehen, auch wenn alle anderen sagten, das gehe nicht.»

An diesem Weekend startet der reguläre Ruderbetrieb beim Seeclub. Die offizielle Eröffnungsfeier des Bootshauses findet am 18. Mai statt. Am 19. Mai ist am Alpenquai 33 Tag der offenen Tür.

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