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Einen «gmögigen» Abend feierten die 2800 Volksschlagerfans auf dem Heitere

Beim Volksschlager steigt die Party, komme was wolle. Am Donnerstag haben sich bei Regen deutlich weniger Fans als sonst auf dem Heitere eingefunden. Den Spass liessen sie sich nicht nehmen, im Gegenteil.

Roger Rüegger Jetzt kommentieren
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Der Männerchor Heimweh sorgte für «gmögige» Stimmung.
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Einige Besucher schwangen das Tanzbein.
Sascha Ruefer führte durch den Abend.
Die Amigos bei ihrem Auftritt am Heitere.
Die Partyhelden am Volksschlager.
Daniela Alfinito musste die Besucher noch etwas aus der Reserve locken.
Hände in die Höhe: Die Partyhelden am Volksschlager.
Auch der Regen konnte die gute Stimmung nicht trüben.
Auftritt der Münchner Freiheit.
Auftritt der Münchner Freiheit.

Der Männerchor Heimweh sorgte für «gmögige» Stimmung.

Bild: Patrick Hürlimann (Zofingen, 09. September 2021)

Nur wenige Volksschlagerfans warten am Donnerstag eine halbe Stunde vor der Eröffnung des Heitere-Geländes beim Eingang. Punkt 17 Uhr, als ob sie sich die vordersten Plätze erkämpfen müssten, marschieren Elsbeth und Silvia aus Holziken schnurstracks ganz nach vorne zur Bühne unter den Linden. Dort platzieren sie sich, gekleidet in Pelerinen und gewappnet mit Schirmen. Die Frauen freuen sich auf einen hübschen Musikabend.

Das wurde er, und wie. Das bisschen Regen schien den 2800 Fans sowas von egal zu sein. Noch etwas hüftsteif bei der Starterin Daniela Alfinito, ging das Publikum bei den Partyhelden schon gehörig ab. Beim Lied «Dini Seel ä chli la bambälä la», das scheinbar der Hinterste und die Letzte auf dem Platz kennen, begleiteten die meisten Anwesenden das Trio singend und hüpfend.

Musste die Besucher noch etwas aus der Reserve locken: Daniela Alfinito.

Musste die Besucher noch etwas aus der Reserve locken: Daniela Alfinito.

Bild: Patrick Hürlimann (Zofingen, 09. September 2021)

Das haben Silvia und Elsbeth ja schon vor Programmbeginn gesagt. «Die Partyhelden sind super, das Lied mit der Seele ist ein Hit, du wirst es sehen», versicherten sie dem Reporter und hatten recht.

Wetterresistente Fans

Dass die zwei Damen Bescheid wissen, was in Zofingen abgeht, kommt nicht von ungefähr. Elsbeth erzählt:

«Wir gehören ans Volksschlager. Von den 21 Partys haben wir nur drei verpasst.»

Inzwischen sind auch ihre Männer Moritz und Dani dazugestossen. Sie sind direkt von der Arbeit angereist, ausgerüstet mit trockenen Kleidern und Hüten. «Amigos» steht auf Moritz' Kopfbedeckung. Ja, auch das Duo aus Villingen ist bei den Schlagerfans im Wiggertal beliebt. Bei Sascha Ruefers Ansage rief ein Besucher, der an einem Stehtisch nahe der Bühne stand: «Chöme d Amigos öberhoupt? Wenn ned, gohni nämmli grad weder hei!»

Angesichts seines zufriedenen Gesichtsausdrucks, war diese Aussage offensichtlich nicht ernst gemeint. Zusammen mit Kollegen war er nämlich von Anfang an in Partylaune. Und die liess er sich nicht nehmen. Auch nicht vom Regen, der zwar nicht sehr stark, aber stetig den Heiternplatz und die Musikfans nässte.

Moderator Sascha Ruefer meinte denn auch: «Der Herrgott schaut sich vermutlich nochmals das Spiel unserer Fussballnati vom Mittwoch an, deshalb lässt er den Himmel weinen.» Lassen wir das Thema Weinen, Tränen kullern auch vor Lachen und das taten an diesem Abend die meisten auf dem Berg.

Etwa Monika Blum aus Dagmersellen. Sie sass zwar zusammengekauert in einem Campingstuhl neben ihrem Mann Dieter und schimpfte gegen den Himmel, tat dies aber spasseshalber:

«Ond ech ziehs dore, das cha tue wes wott!»

Auch sie ist ein Volksschlager-Urgestein. «Nicht ein einziges Mal habe ich ausgesetzt. Ich lasse mich eigentlich von nichts abhalten.»

Vergleichsweise wenig, aber begeistertes Publikum

Die Fans gehen mit den Akteuren auf der Bühne mit. Fast wäre man geneigt zu sagen: die spinnen. Und ja, vielleicht tun sie das, aber dies einfach aus Freude, dass nach der langen Pause wieder Musik hautnah miterlebt werden kann. Das ist durchaus positiv zu werten.

Richtig «gmögig» wurde der Abend um 21 Uhr mit dem Schweizer Männerchor Heimweh. Wer nun vorne bei der Bühne stand, merkte nicht, dass nur ein Drittel der Anzahl Besucher auf dem Heitere war als sonst üblich. Es passte irgendwie grad richtig gut.

Die Männer von «Heimweh» sorgten für «gmögige» Stimmung.

Die Männer von «Heimweh» sorgten für «gmögige» Stimmung.

Bild: Patrick Hürlimann (Zofingen, 09. September 2021)

Volksschlager-Organisator Rosario Galliker aus Beromünster sieht das nur ansatzweise so. Er zieht eine durchzogene Bilanz. «Klar, das Volksschlager zieht in anderen Jahren gegen 8000 Fans an, dieses Jahr hätten 6000 kommen dürfen», sagt er. Und weiter:

«Vom wirtschaftlichen Standpunkt her, können wir über 2800 anstelle von 6000 Besuchern nicht jubeln.»

Er habe zu Heitere-Chef Christoph Bill gesagt: «Wenn du ja sagst, ziehe ich mit.» Man hätte es sich als Veranstalter einfacher machen können und absagen. «Aber wir wollten ein Zeichen setzen. Es muss ja irgendwann wieder vorwärts gehen.»

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