Eröffnung Luzerner Blue-Balls-Festival: Wenn nur 100 Schritte Welten trennen

Cat Power und RuthAnne eröffneten am Freitagabend das Blue-Balls-Festival in Luzern. Zwei Konzerte voller Gegensätze. Die eine Sängerin leidet mit ihrem Publikum, die andere will mit ihm eine Party feiern.

Michael Graber
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Es sind rund 100 Schritte vom Konzertsaal in den Luzerner Saal im KKL und doch liegen Welten dazwischen. Im Konzertsaal leidet Cat Power mit dem Publikum und im Luzerner Saal will RuthAnne eine Party feiern. Bei Cat Power ist es dunkel, bei RuthAnne blinkts. Bei Cat Power liegt die Kraft in der Reduktion, bei RuthAnne liegt die Kraft in der Kraft. Der Blue Balls Eröffnungsabend bietet starke Gegensätze.

Wer, wie der Autor dieser Zeilen, nach 20 Minuten von Cat Power zu RuthAnne – dem diesjährigen Blue-Balls-Face – wechselt, der fühlt sich im Luzerner Saal etwas ratlos. Wo vorher Musik berührte, weil sie einfach berührt, wird jetzt ständig auf die zu vermittelnden Emotionen aufmerksam gemacht. Sie suche den «honest Man». Eben halt den «ehrlichen Mann» wehklagt RuthAnne und fordert die Männer im Publikum dazu auf sich zu outen, ob sie den eben so ein «ehrlicher Typ» seien. Es gingen übrigens nur wenige Hände hoch, was etwas an der Luzerner Männerwelt zweifeln lässt.

Daneben Cat Power wortkarg, leicht benebelt tänzelnd und doch so wuchtig mit ihrer Stimme. Dort wo RuthAnne glaubte mit Effekten, Mitklatschereien und Lautstärke zu punkten, tut sie nichts, ausser ihre Lieder zu singen. Oder fremde. Der Nick-Cave-Klassiker «Into my Arms» mündet in ihrem «Horizon» und man ist wahnsinnig ergriffen im bequemen Konzertsaalsitz. Die ersten 15 Minuten Cat Power sind wahnsinnig gut. Schade, dass sich die Dame nicht fotografieren lassen wollte, sonst hätte der Berichterstatter mit gutem Gewissen noch länger sitzen bleiben können. So musste der Saal gewechselt werden, schliesslich soll zum Bildmotiv auch etwas geschrieben werden.

Oft und erfolglos gegen die Sucht gekämpft

Vielleicht aber auch gar nicht so schlecht: Nach dem fulminanten Start ergab sich Cat Power etwas der Folk-Gleichförmigkeit. Ob das so blieb, sei jetzt einfach mal dahingestellt. Schade wärs. 100 Schritte nebenan powert RuthAnne dafür langsam ihrem Höhepunkt entgegen. Es ist breiter, R’n’B verliebter Pop. Vielleicht etwas gar auf Massentauglichkeit getrimmt, aber nicht ohne Reiz. Die Irin spricht viel und witzig zwischen den Liedern. Die Band mit zwei Background-Sängerinnen kann powern und gibt der richtig guten Stimme der 34-Jährigen trotzdem viel Platz. Anders als Cat Power, die oft und erfolglos gegen ihre Alkoholsucht kämpfte und entsprechend gezeichnet ist, steht RuthAnne mitten im Leben. Vielleicht fehlt dafür die Leidensnote in ihrer Musik. Für sie ist das ja eine gute Nachricht.

Gar nicht leidend gab sich Festivaldirektor Urs Leierer an der traditionellen Eröffnung vor den Konzerten. Trotz bekannten finanziellen Sorgen. Er freue sich, dass das Wetter «dieses Mal wirklich mitspiele», sagte er. Natürlich hofft Leierer auch dadurch, dass möglichst viele Leute den Festivalpin für zwanzig Franken kaufen, oder ein Konzert im KKL besuchen. Wie viele Welten dieses Festival präsentiert, konnte man bereits am Eröffnungsabend sehr gut erleben. Dazu sollte man Sorge tragen.

Hinweis: Das Blue Balls Festival dauert noch bis am 27. Juli. Tickets und Infos: www.blueballs.ch

Wir verlosen 2 x2 Tickets für das Konzert von Glen Hansard am Mittwoch, 24. Juli, 20.00 im KKL. Wählen Sie heute 0901 83 30 24 (Fr. 1.50 pro Anruf), oder nehmen Sie teil unter www.luzernerzeitung.ch/wettbewerbe.

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