Corona
«Die epidemiologische Lage im Kanton Luzern ist alarmierend»: Der Luzerner Regierungsrat verhängt noch striktere Massnahmen als der Bundesrat

Weil die Fallzahlen im Kanton Luzern auf hohem Niveau wieder ansteigen, werden unter anderem Museen, Kinos, Sporthallen und Fitnesszentren geschlossen. Die Massnahmen gelten ab morgen Samstag um 19 Uhr. Guido Graf richtet sich in einem eindringlichen Appell an die Bevölkerung.

Flurina Valsecchi
Drucken
Teilen
Der Luzerner Regierungsrat verkündet nach dem Bundesrat weiterführende Massnahmen.

Der Luzerner Regierungsrat verkündet nach dem Bundesrat weiterführende Massnahmen.

Archivbild: Pius Amrein

Steigende Fallzahlen, viele junge Infizierte und Quarantäne-Verweigerer

«Die epidemiologische Lage im Kanton Luzern ist alarmierend.» Mit diesem Satz eröffnet der Luzerner Regierungsrat seine Mitteilung über die neuen Corona-Massnahmen. Derzeit würden sich im Kanton Luzern jeden Tag durchschnittlich mehr als 200 Personen mit dem Coronavirus an anstecken; die Tendenz sei seit einigen Tagen steigend. Auffällig viele Infektionen würden bei den 20- bis 40-jährigen sowie den über 80-jährigen Personen verzeichnet. Gleichzeitig gebe es Hinweise, dass sich Personen trotz Symptomen nicht testen lassen würden, um nicht in Isolation gehen zu müssen oder um nicht für die Quarantäne von anderen verantwortlich zu sein. Und der Regierungsrat betont in seiner Mitteilung:

«Das ist problematisch, weil in diesen Fällen die Infektionsketten nicht unterbrochen werden können.»

Der Bundesrat hat die Kantone diese Woche über geplante Massnahmenverschärfungen informiert und diese am Freitag verabschiedet. Im Rahmen des Konsultationsverfahrens hat der Luzerner Regierungsrat diese Verschärfungen eingehend analysiert, heisst es in der Mitteilung weiter. Man sei zum Schluss gekommen, dass es mit Blick auf die epidemiologische Situation im Kanton Luzern weitere und ergänzende Massnahmen brauche.

Die Regierung hat deshalb für den Kanton Luzern folgende Einschränkungen beschlossen. Sie treten am Samstag, 12. Dezember, um 19 Uhr in Kraft und sind vorerst bis am 22. Januar 2021 befristet.

Die Massnahmen in Luzern im Überblick: Für das Publikum geschlossen sind....

- Unterhaltungs- und Freizeiteinrichtungen, namentlich Museen, Galerien, Kinos, Casinos, Spielsalons, Bowling- und Billardzentren, Indoor-Sportanlagen wie Turnhallen, Tennishallen, Reithallen, Eissporthallen und Kletterhallen sowie Hallenbäder, Wellnesszentren, Fitnesszentren und Tanzstudios.

Ausnahme: Nutzung der Sportanlagen durch die obligatorischen Schulen, Leistungssportlerinnen und -sportler, die einem Nationalkader angehören, und Profi-Sportteams; vorbehalten bleiben allfällige Vorgaben des Bundes zu den Öffnungszeiten und zum Betrieb. Offen bleiben dürfen zudem auch Hallenbäder, Fitness- und Wellnesseinrichtungen in Hotels für Hotelgäste.

- Bibliotheken, Mediatheken und Archive, ausgenommen für die Ausleihe

- Jugendtreffs

- Weiterhin geschlossen bleiben Erotik- und Sexbetriebe, zusätzlich sind neu alle Angebote von Sexarbeit, einschliesslich solcher in privaten Räumlichkeiten und auf der Strasse, verboten.

Museen und Theater bleiben bis am 22. Januar zu

Weiter als die Bundesvorgaben gehen die kantonalen Vorgaben für folgende Institutionen im Kulturbereich: Museen und Theater bleiben ab morgen Samstag, 19.00 Uhr, bis am 22. Januar 2021 ganz geschlossen. In Bibliotheken schliessen die Lese- und Arbeitsplätze, die Ausleihe von Büchern bleibt offen.

Weitere Massnahmen im ÖV und Home-Office-Aufruf

- Im Öffentlichen Verkehr ist das eigenfinanzierte Nachtnetz-Angebot der Transportunternehmen auf den Linien des öffentlichen Personenverkehrs einzustellen.

- Home-Office: Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sorgen dafür, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Arbeitsverpflichtungen so weit als möglich von zu Hause aus erfüllen.

Schulen: Regeln im Sport- und Musikunterricht werden verschärft

Nicht nur bei im Freizeitbereich setzt der Luzerner Regierungsrat seinen Hebel an. Auch an den Schulen gibt es zusätzlich zu den bereits geltenden Massnahmen weitere Verschärfungen, sie betreffen primär Schulanlässe, den Sport- und Musikunterricht sowie die Hauswirtschaft. Ziel sei es zwar, den Präsenzunterricht fortzuführen und so weit wie möglich auf Fernunterricht zu verzichten. Bildungsdirektor Marcel Schwerzmann sagt: «Hier sind wir gut aufgestellt und können mit den bewährten Schutzkonzepten einen weitgehend normalen Schulbetrieb aufrechterhalten.» Aber: Dennoch seien einzelne Verschärfungen nötig. Die Einschränkungen im Bildungsbereich gelten ab kommendem Montag, 14. Dezember, bis voraussichtlich zu den Fasnachtsferien beziehungsweise teilweise bis zu den Osterferien.

Weitere Informationen zur Härtefall-Regelung folgen nächste Woche

Der Regierungsrat wird am nächsten Montag, 14. Dezember, über die Härtefallregelung informieren, welche der Unterstützung von Unternehmen infolge der Covid-19-Pandemie dient.

Gesundheitsdirektor Graf begründet die verschärften Regeln in Luzern

Ein Applaus für den Einsatz des Gesundheitspersonals: Die Regierungsräte Fabian Peter Paul Winiker und Guido Graf im März 2020.

Ein Applaus für den Einsatz des Gesundheitspersonals: Die Regierungsräte Fabian Peter Paul Winiker und Guido Graf im März 2020.

Bild: Patrick Hürlimann

Seit Anfang Dezember gilt gemäss kantonalem Alarmkonzept wieder die Phase rot – dies, nachdem für den Monat November weitestgehend die Phase orange galt. Der Reproduktionswert liegt im Kanton Luzern aktuell über 1 (1.06) und seit dem 1. November bis am Donnerstag sind 103 Personen im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. Die Spitäler in der Zentralschweiz sind trotz der Verteilung der Intensivpflege-Patienten auf andere Kliniken innerhalb und ausserhalb der Zentralschweiz sehr stark ausgelastet, und es sind gegenwärtig nur noch sehr wenige Kapazitäten verfügbar, teilt der Regierungsrat weiter mit. Deshalb seien die weiterführenden Regeln in Luzern nötig. So erklärt der Gesundheits- und Sozialdirektor Guido Graf:

«Die Massnahmen haben zum Ziel, die Voraussetzungen des Bundes zu erfüllen, um das wirtschaftliche, kulturelle und gesellschaftliche Leben so bald wie möglich wieder zu normalisieren.»

Diese Voraussetzungen seien, dass der Reproduktionswert während mindestens 7 Tagen unter 1 und die 7-Tagesinzidenz während mindestens 7 Tagen unter dem Schweizer Schnitt liege, und dass im Kanton ausreichende Kapazitäten im Contact-Tracing sowie in der Gesundheitsversorgung vorhanden seien. Graf betont weiter: «Es braucht jetzt einen erneuten Kraftakt von uns allen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und die Fallzahlen deutlich zu senken.» Graf dankt allen, die ihren Anteil an der Pandemiebekämpfung leisten, unter anderem in den Gesundheitsinstitutionen, in Alters- und Pflegeheimen und in den Zivilschutzorganisationen.»

Weihnachten: Grafs eindringlicher Appell an Angehörige von Heimbewohnern

Gesundheitsdirektor Guido Graf.

Gesundheitsdirektor Guido Graf.

Bild: Urs Flüeler / KEYSTONE

Regierungsrat Graf ruft die Bevölkerung weiter auf, sich besonders während den Feiertagen an die Regeln zu halten. Und sagt:

«Bitte feiern Sie Weihnachten und Silvester nur im engsten Familienkreis.»

Einen speziellen Appell richtet er an die Angehörigen von Personen, die in einem Alters- und Pflegeheim leben. Normalerweise würden über die Festtage viele Bewohnerinnen und Bewohner zu ihren Familien nach Hause gehen oder die Institutionen würden Weihnachtsfeiern mit Beteiligung der Angehörigen organisieren. Und so betont Graf weiter:

«Ich bitte Sie, dieses Jahr darauf zu verzichten, Ihre Liebsten zu sich nach Hause zu nehmen.»

Es bestehe das Risiko, dass sich die Bewohnenden auswärts mit dem Coronavirus anstecken und dieses bei ihrer Rückkehr in die Institution einschleppen würden.

Reaktionen von Betroffenen

Aktuelle Nachrichten