Wohlen
Der Autor des neuesten Freiämter Krimis kommt eigentlich aus der Autobranche

Der Wohler Roland Näf, gelernter Automechaniker und Mitarbeiter eines Wohler Autohauses, hat sich seinen Traum erfüllt und einen Krimi geschrieben. Den Autofan merkt man dem Buch auf verschiedene Arten an. Die Geschichte, Gedanken und Wendungen sind sehr unterhaltsam.

Andrea Weibel
Drucken
Teilen
Roland Näf aus Wohlen hat seinen ersten Krimi «Die zwölfte Jungfrau» geschrieben.

Roland Näf aus Wohlen hat seinen ersten Krimi «Die zwölfte Jungfrau» geschrieben.

Bild: zvg

«Die zwölfte Jungfrau» – schon beim Titel des neuen Freiamt-Krimis dürften viele gebürtige Freiämter und auch interessierte Zuzüger sofort wissen, worum es geht: Natürlich um den «roten Wyssenbacher», eine finstere Sagengestalt vom Lindenberg. Dieser üble Zeitgenosse wollte seine durch unzählige Laster eingefangene Hautkrankheit heilen, indem er im Blut von zwölf Jungfrauen badete. Dabei wurde ihm die Zwölfte zum Verhängnis.

Genau diese Geschichte hat der Wohler Neuautor Roland Näf zum Hintergrund seines ersten Krimis erkoren. Dabei hat ihn im Grunde sein vierbeiniger Freund auf die Idee gebracht.

«Ich bin schon oft mit meinem Hund am Sagenweg in Waltenschwil vorbeispaziert, habe die Sagen gelesen und mir die Skulpturen angeschaut», erinnert sich der Chef des Ersatzteillagers der BMW-Vertretung Hedin Automotive Wohlen AG. Und fügt hinzu:

«Irgendeinmal, als ich vor dem ‹roten Wyssenbacher› stand, hat es Klick gemacht.»

Sofort seien ihm die ersten Ideen für seinen Krimi gekommen. Der Rest kam dann während des Schreibens. Dabei wusste er anfangs noch gar nicht, ob er wirklich einmal ein fertiges Buch in Händen halten würde. «Ich hatte einfach Spass am Schreiben und ging ganz unbeschwert an die Sache heran», berichtet er. Auch diese Leichtigkeit und die Freude, die er dabei verspürte, merkt man dem Buch an.

Ein Citroën DS ist ein Highlight im Buch.

Ein Citroën DS ist ein Highlight im Buch.

Bild: Roger Gruetter

Fehlende literarische Erfahrung macht er mit viel Fantasie wett

Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass man merkt, dass es sein erster Roman ist. Doch was ihm teilweise an literarischer Erfahrung fehlt, macht er mit seinen Ideen wieder wett. Beispielsweise wird in seinem Krimi in der Zeitung berichtet, dass elf junge Mädchen, allesamt Jungfrauen, getötet worden seien. Das wirkt allzu aufgesetzt und unrealistisch.

Dafür ist eines der Highlights die Szene, in der eine französische Kellnerin den angetrunkenen Protagonisten Mac nach Hause bringt. In der nächsten Szene berührt er zärtlich das Hinterteil der französischen Göttin – und schlägt sich den Kopf an deren Stossstange an. Die französische Göttin – so zeigt sich bald – ist natürlich nicht die Kellnerin, sondern ein Citroën DS, an dem Mac schraubt.

Roland Näf «Die zwölfte Jungfrau – ein Freiämter Krimi».

Roland Näf «Die zwölfte Jungfrau – ein Freiämter Krimi».

Bild: zvg

Neben den humorvollen Autoanekdoten hat Näf aber auch Spass am Einbauen von eigenen Erinnerungen. Man merkt, dass er beispielsweise Whisky-Destillerien in Schottland besucht hat, selber gerne kocht und sich ein wenig mit Weinen auskennt. Weshalb er bei diesen zwar nebensächlichen, aber doch schön eingebetteten Themen aus dem Vollen schöpfen kann. Angereichert durch all diese Details lesen sich die 224 Seiten leicht und süffig.

Hat sich der Autor selbst zur Hauptfigur Mac gemacht?

Da stellt sich die Frage: Hat er sich selbst in die Hauptfigur seines ansonsten erfundenen Romans geschrieben? Ist er Mac, der ehemalige Fussballer, Koch und Oldtimerliebhaber, der versucht, zusammen mit der Polizei elf Morde aufzudecken und einen weiteren zu verhindern? «Nein, ich sehe mich nicht als Mac und wünsche es mir auch nicht, wie Mac zu sein», sagt Näf ganz deutlich.

Grinsend ergänzt er: «Obwohl ich seinen Dodge cool finde und vom Erbe der Eltern zu leben gewisse Vorzüge und sicher seinen Reiz hätte.» Noch breiter wird sein Grinsen, wenn er hinzufügt:

«Beim Zigarrenrauchen und seiner Liebe zu schottischem Single Malt Whisky gibt es dann aber doch Gemeinsamkeiten.»

Mit Anspielung auf die Romanfigur fährt er fort: «Ich verarbeite damit auch keine Scheidung oder die Probleme mit einer rebellischen Tochter. Mein Privatleben ist ganz entspannt. Ich bin seit bald 25 Jahren in einer glücklichen Beziehung.»

Hatte der Autor am Ende keine Lust mehr? – «Im Gegenteil!»

Roland Näf freut sich bereits, seinem ersten Freiamt-Krimi noch drei weitere Teile hinzuzufügen.

Roland Näf freut sich bereits, seinem ersten Freiamt-Krimi noch drei weitere Teile hinzuzufügen.

Bild: zvg

Am Schluss des Buches bleibt ein Geschichtenstrang ungeklärt. Ein enttäuschendes Detail in einer ansonsten zum grössten Teil stimmigen Handlung. Hatte der Autor auf einmal keine Lust mehr, sich einen guten Schluss auszudenken? Oder war seine Fantasie aufgebraucht?

Roland Näf entgegnet lachend: «Im Gegenteil! Meine Fantasie und die Lust zum Schreiben reichen so weit, dass ich bereits drei weitere Teile der Geschichte im Kopf habe, die ich schreiben möchte. Natürlich wird da auch der ungeklärte Geschichtenstrang wieder aufgenommen», verspricht er und freut sich sichtlich darauf, dieses Versprechen in die Tat umzusetzen.

«Die zwölfte Jungfrau – ein Freiämter Krimi», Roland Näf, 224 Seiten, erhältlich unter www.rolandnaef-krimi.ch.