Fasnacht im Freiamt
Villmerger vertreiben nicht den Winter – sondern das «Virus-Dubeli»

Die Villmerger Fasnachtsgesellschaft Heid-Heid weigert sich, wegen Corona ganz auf ihre liebste Jahreszeit zu verzichten. Darum haben sie erstmals ihre Fasnachtszeitung «Konfetti-Schurnal» herausgegeben.

Toni Widmer
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An allen Ecken in Villmergen wird Fasnacht zelebriert – zum Beispiel beim neuen Skilift «Top of Villmergen» in der Weingasse.

An allen Ecken in Villmergen wird Fasnacht zelebriert – zum Beispiel beim neuen Skilift «Top of Villmergen» in der Weingasse.

Toni Widmer

«Wir vertreiben nicht den Winter mit der Fasnacht, wir vertreiben dich, du Virus-Dubeli. Wir vertreiben dich aus unseren Köpfen, denn Lachen ist ansteckend. Mehr als du!», schreibt die Villmerger Fasnachtsclique Heid-Heid in ihrer ersten grossen Fasnachtszeitung, dem «Konfetti-Schurnal».

Sie haben sich einmal mehr mächtig ins Zeug gelegt, die närrischen Heiden. Im Dorf gibt’s zwar dieses Jahr kein «Güggen», keine Beizentouren mit Guggenmusik und Schnitzelbänken, keine Umzüge und keine Dorfplatzfasnacht. Zumindest nicht in der gewohnten Form.

Doch die Heiden wären nicht die Heiden, wenn sie einfach aufgegeben, ihre geschminkten Nasen ins Bier- oder Weinglas gesteckt und Trübsal geblasen hätten.

Villmerger Fasnacht blüht auf – einfach anders

Die Villmerger Fasnacht blüht auch in Coronazeiten. Einfach anders. Zum Beispiel heute, am traditionellen Schmutzigen Donnerstag, 11. Februar. Am Abend läuft die grosse Show der Heid-Heid dem Virus zum Trotz. Die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler verlagern ihre Aktivitäten aus den Beizen in die Wohnstuben.

Von der Ski-Arena bis zum River-Rafting – die Villmerger Fasnächtler geben Vollgas.

Von der Ski-Arena bis zum River-Rafting – die Villmerger Fasnächtler geben Vollgas.

Toni Widmer

Virtuell – man setzt sich mit Bratwurst, Cola, Bier, Weisswein oder Aperol vor den Bildschirm, verteilt etwas Konfetti um die Couch und klickt auf der Website www.heid-heid.ch den entsprechenden Link an. Und schon geht’s los. Man darf gespannt sein.

Texte treiben Tränen in die Augen

Bereits seit einer Woche liegt das erwähnte «Konfetti-Schurnal» in den Villmerger Stuben. Seite für Seite – und es sind viele Seiten – ein fasnächtlicher Genuss. Unter dem Motto «Ferien im Dorf» führen verschiedene Tour-Guides die Leserinnen und Leser durch die Freiämter Fasnachtsmetropole. Sie erklären, was es mit der legendären Zahl 7 auf sich hat, erläutern architektonische Besonderheiten wie Seilbahnstation, Brünzliblock, Erdbeer- und Bananenblöcke.

Ganz Villmergen ist fasnächtlich geschmückt.

Ganz Villmergen ist fasnächtlich geschmückt.

Toni Widmer

Sie schreiben das Geschichtsbuch der Gemeinde um, befragen die Prominenz, erläutern geplante Infrastrukturprojekte wie den direkten Seeanstoss mit Hallwilersee-Tunnel durch den Rietenberg oder die Seilbahn zum Eichberg. Sie stellen die neue SAC-Sektion Villmerger und die geplante Skipiste am Kirchenhügel vor und treiben den Leserinnen und Lesern mit ihren witzigen Texten die Tränen in die Augen.

Das «Konfetti-Schurnal» ist in gedruckter Form im Dorf verteilt worden. Für Auswärtige ist es jedoch nicht weniger spannend. Sie können sich das Fasnachts-Extrablatt via Heid-Heid-Website online zu Gemüte führen. Es lohnt sich.