Boswil
Ob Coronagelder kommen, ist ungewiss: Freiämter Traditions-Taverne «Sternen» steht zum Verkauf

Wegen der Coronapandemie brach der Umsatz stark ein. Gastronom Danny Bakker muss deshalb schweren Herzens im Boswiler «Sternen» die Notbremse ziehen.

Toni Widmer
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Der Boswiler «Sternen», eine der ältesten Freiämter Tavernen, ging wegen Corona zu und muss nun verkauft werden.

Der Boswiler «Sternen», eine der ältesten Freiämter Tavernen, ging wegen Corona zu und muss nun verkauft werden.

Toni Widmer

«Im Moment weiss ich nicht, wie es weitergeht», sagt der Boswiler Gastronom Danny Bakker. Corona, erklärt der gebürtige Holländer, habe ihm und dem Boswiler «Sternen» das Genick gebrochen. Er sagt:

«Die Umsätze im Restaurationsbetrieb und im Catering sind um rund 60 Prozent eingebrochen. Deshalb mussten wir im November 2020 schweren Herzens die Türen schliessen.»

Bis dahin galt der Betrieb, in dem Bakker in den besten Zeiten bis zu 16 Mitarbeitende beschäftigt hat, als eine der ersten Adressen in der Region. Vor allem an den Wochenenden war dort ohne vorherige Reservierung kaum ein Platz zu finden. Jetzt will Danny Bakker die Liegenschaft verkaufen.

Eine andere Möglichkeit sehe er nicht: «Im Moment lebe ich von den Reserven, so sparsam, wie es nur geht. Doch auf die Dauer ist das keine Lösung.» Ob er Unterstützung vom Staat bekommt, weiss der Gastronom noch nicht. «Ich habe die entsprechenden Gesuche eingereicht, aber es läuft halt alles etwas langsam und kompliziert.»

Eine der ältesten Tavernen im Freiamt von 1324

Mit dem «Sternen» hat Danny Bakker 2008 einen der wohl traditionellsten Freiämter Gastronomiebetriebe übernommen. Der imposante Riegelbau an der Hauptstrasse stammt in seinen Grundzügen aus dem Jahr 1639. Zu jener Zeit gehörte der 1324 urkundlich erstmals als Taverne erwähnte «Sternen» dem Kloster Muri. Unter der langjährigen Besitzerfamilie Brun wurde das Haus 1972 total saniert, eine weitere umfassende Renovation erfolgte im Jahr 2002.

Mit dem Verkauf der Liegenschaft, deren traditioneller Teil unter Denkmalschutz steht, hat der Besitzer die Murianer Firma Räber Immo beauftragt. Sie schreibt in der Verkaufsdokumentation: «Trotz seiner langen Tradition verfügt der ‹Sternen› über ein modernes Innenleben und das Potenzial, kreativen Ideen gerecht zu werden.»

Restaurant, leistungsfähige Küche, lauschige Gartenwirtschaft und Saal

Im Erdgeschoss hat das Restaurant 60 Plätze und eine leistungsfähige, funktionell eingerichtete Küche. Im ersten Stock befindet sich ein grosser Saal mit 80 Sitzplätzen, der nach Bedarf in drei Räume unterteilt werden kann. Weiter verfügt der «Sternen» über eine lauschige Gartenwirtschaft, genügend Parkplätze, eine Wirtewohnung sowie mehrere Gäste- und Personalzimmer.

Laut Räber Immo ist das oberste Ziel, den etablierten Traditionsgasthof weiter als solchen zu erhalten:

«Der Betrieb ist in der Region gut verankert, hat einen hervorragenden Ruf und eine langjährige Stammkundschaft – für engagierte Gastronomen ist das sicher eine tolle Chance, sich etwas Eigenes aufzubauen.»

Weitere Möglichkeiten sind laut Thomas Räber offen: «Eine Umnutzung der Liegenschaft, inklusive der Schaffung von zusätzlichem Wohnraum, ist nicht ausgeschlossen. Das entsprechende Potenzial ist sicher vorhanden.» Der Verkaufspreis, erklärt Räber auf Anfrage weiter, werde lediglich ernsthaften Interessenten mitgeteilt.

«Sternen»-Wirt wurde in Boswil gut aufgenommen

Zurück zu Danny Bakker: Obwohl ihn die aktuelle Situation stark belastet, blickt er auch mit Genugtuung auf die vergangenen Jahre in Boswil zurück. «Wir sind in Boswil unglaublich gut aufgenommen worden. Unser Lokal war ebenso ein beliebter Znüni-Treffpunkt für Handwerker wie ein gut frequentierter Ort für gehobenes Essen», liess er sich bei der Schliessung im November im «Wohler Anzeiger» zitieren.

Mit der Coronakrise habe für ihn jedoch eine schwierige Zeit begonnen. Die Gäste seien zu Hause geblieben, die hohen Fixkosten für den Betrieb jedoch weitergelaufen. «Ich habe letztlich keine andere Möglichkeit mehr gesehen, als einen Schlussstrich zu ziehen», erklärte er damals.