Etihad vs. Swiss

Zwei Airlines buhlen mit Schoggi um Schweizer Kunden

Das Markenzeichen der Swiss: Kein Flug ohne extra für die Schweizer Fluggesellschaft produzierte Schöggeli. Doch Etihad Regional hat reagiert: Etihad-Passagiere erhalten Mini-Toblerone. Gaetan Bally/Keystone

Das Markenzeichen der Swiss: Kein Flug ohne extra für die Schweizer Fluggesellschaft produzierte Schöggeli. Doch Etihad Regional hat reagiert: Etihad-Passagiere erhalten Mini-Toblerone. Gaetan Bally/Keystone

Swiss und Etihad Regional liefern sich gegenwärtig einen Kampf um die Lufthoheit am Schweizer Himmel. Doch wie gut ist der Service, den die beiden Fluggesellschaften ihren Kunden zwischen Zürich und Genf bieten? Wir probierten es aus.

Es ist 14 Uhr, als ich die Sicherheitszone des Flughafens Zürich hinter mir lasse und in Richtung Gate haste.

Ökologisch ist dieser Selbstversuch ein Wahnsinn, doch das Interesse überwiegt: Ich fliege von Zürich nach Genf und gleichentags wieder retour.

Hin mit der noch eher unbekannten Etihad Regional für läppische 65 Franken, zurück mit der stolzen Swiss für knapp 120 Franken.

Die beiden Airlines kämpfen um die Gunst der Schweizer Kunden: Mit einem massiven Ausbau an Kurzstrecken fliegt die Schweizer Fluggesellschaft ab Sommer 2015 viele neue Ziele in Europa an und will so Etihad Regional den Wind aus den Propellern nehmen. Etihad Regional hat gestern reagiert und selber neue Destinationen angekündigt.

Einsam im Dröhnen der Propeller

Innerhalb der Schweiz tobt der Kampf um die Lufthoheit, den sich die beiden Airlines liefern, vor allem zwischen Zürich und Genf. Flüge bieten beide Fluggesellschaften an. Mehrmals am Tag. Wir wagen den Direktvergleich und begeben uns auf einen kurzen Abstecher in die Calvinstadt. Welche Airline bietet das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis? Die Schweiz ist eine Nation von Bahnfahrern – worin liegen die Vorteile eines Flugs zwischen der Deutschschweizer und der Westschweizer Finanzmetropole gegenüber einer Reise im Zug?

50 Minuten Flugzeit verspricht mir der Flugplan. Der Intercity zwischen Zürich und Genf kann da nicht mithalten. Knapp drei Stunden dauert die Zugfahrt.

Ich eingerechnet sind es neun Personen, die darauf warten, in die Etihad-Maschine einzusteigen. Darunter Geschäftsleute, zwei mit Badmintonschläger. Ob sie wohl zum Badminton in Genf abgemacht haben? Imke Pente aus Düsseldorf hat das günstigste Angebot gewählt, um nach Genf an eine UNO-Konferenz zu kommen. «Das war ein Etihad-Flug über Zürich», sagt sie. Wegen der schlechten Ökobilanz macht sich Imke Pente ein Gewissen: «Eigentlich hätte ich in Zürich auf den Zug umsteigen können. Das ginge zwar länger, dafür bekäme ich immerhin noch was von der Landschaft mit.»

Die Uhr tickt, der Snack muss weg

14.10 Uhr: zwanzig Minuten zum Start. Längst wäre ich in Bern, hätte ich in Zürich den Intercity nach Genf gewählt, anstatt mich in den Zug an den Flughafen zu setzen, denke ich mir. Vor uns steht eine Saab 2000, eine Zweipropellermaschine mit gerade einmal 50 Sitzplätzen. Das Herz pocht etwas schneller. Ungute Erinnerungen werden wach an den ersten und bisher einzigen Flug in einer Propellermaschine, in der es kräftig rüttelte und schüttelte und der Lärm ohrenbetäubend war. Die Passagiere steigen ein, eine einzige Stewardess empfängt sie, weist sie zu ihren Sitzplätzen, die im ganzen Flugzeug zerstreut sind. Noch nie kam ich mir einsamer vor in einem Flugzeug.

Pünktlich der Start. Die Lüftung übertönt den Lärm der Propeller. Meine Befürchtungen lösen sich in Luft auf, wie der Nebel sich lichtet, als wir rasch an Höhe gewinnen. Wenig später sehe ich unter mir den Bielersee. Bald schlängelt sich die A1 durchs Welschland. Ich sehe die Autos förmlich über die Autobahn kriechen, welche Zürich mit Genf verbindet. An unserer Rechten erstreckt sich der Neuenburgersee und bereits begibt sich die Etihad-Maschine in den Sinkflug. Wir sind erst 15 Minuten in der Luft. Den Intercity zwischen Zürich und Genf haben wir fliegend überholt. Das von der Stewardess gereichte kleine Schinkensandwich muss rasch verzehrt werden. Vegetarier spricht die Fluggesellschaft mit ihrem Snack nicht an.

Zehn Minuten später steht die Maschine still an ihrem Gate in Genf. Es ist kurz vor 15 Uhr. Die Stewardess verteilt Toblerone-Schöggeli. Ob Etihad Regional sich mit ihrer Schoggi-Strategie direkt an ihrer Konkurrenz, der Swiss, orientiert?

Das Defilee der stolzen Swiss

Nur knapp drei Stunden später stehe ich wieder am Gate. Diesmal – und das ist bereits jetzt klar – wird es geselliger. Für meinen Rückflug mit der Swiss herrscht mehr Andrang. Wir stehen vor einem modernen Airbus mit Düsentriebwerken an seinen Tragflächen. Die Swiss-Maschine ist etwa doppelt so gross wie diejenige von Etihad Regional, gleich zwei Stewardessen und ein Steward begrüssen die gegen 60 Business- und Economypassagiere. Darunter Geschäftsreisende und Touristen. So wie Ruben Cassiano. Der junge Zürcher hat mit Freunden seine Ferien in Portugal verbracht. «Das günstige Package umfasste einen Hinflug via München und einen Rückflug via Genf», sagt er. Cassianos Wahl des Reisemittels hängt gänzlich vom Preis ab. «Für 65 Franken mit Etihad nach Genf fliegen – das ist ein interessantes Angebot», so Cassiano. «Ist ja schliesslich günstiger als eine SBB-Tageskarte. Ich habe weder GA noch Halbtax», sagt er, der sich normalerweise ins Auto setzt.

Pünktlich, wie es sich für die Schweizer Airline gehört, rollt die Maschine zum Start. Dabei passiert sie die kleine Propellermaschine der Etihad und fährt um sie herum. Nein, die grössere Swiss-Maschine defiliert geradezu vor der kleinen Konkurrenz. Als ob sie unterstreichen müsste: «Schaut, noch sind wir die Grossen. Wagt es ja nicht!»

Und dann hebt die Swiss in den Himmel und durchquert in 25 Minuten die Schweiz. Sanft setzt der Pilot die Maschine in Zürich Kloten auf, wo die Passagiere zum Abschied auf den Bus umsteigen müssen, der sie zum Gate bringt.

Ein Swiss-Schöggeli gibt es zum Abschied nicht. Es ist bereits als Snack mit einem Fläschchen Wasser serviert worden. Die Schweizer Fluggesellschaft ist im Tiefpreis-Zeitalter angekommen. Fazit: Beide – Etihad und Swiss – lassen sich zeigen, beide bieten ihren Passagieren einen vergleichbaren Service an. Noch scheint die Schweizer Swiss den Luftkampf gegen den Eindringling zu dominieren. In einer doppelt so grossen Maschine. Dafür zum doppelt so hohen Preis.

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