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Zurich zieht in den Mattenhof in Kriens – so sieht das «Büro der Zukunft» aus

Der Versicherer hat im Mattenhof in Kriens eines der modernsten Büros der Schweiz bezogen. Das dortige Konzept soll bald auch anderswo Schule machen.

Wer die neue Niederlassung von Zurich Schweiz im Mattenhof in Kriens betritt, dem sticht zunächst einmal das viele Grün ins Auge. Das sichtliche Bemühen, der kargen Betonhülle des 2019 eröffneten Bürokomplexes ein bisschen Leben einzuhauchen, erstreckt sich hier konsequenterweise bis in die Vertikale.

Vertikale Begrünung: Der neue Zurich-Standort in Kriens soll Nachhaltigkeit ausstrahlen.

Vertikale Begrünung: Der neue Zurich-Standort in Kriens soll Nachhaltigkeit ausstrahlen.

«Bei uns helfen selbst die Wände mit, CO2 zu reduzieren», scherzt Raumbewirtschafter Herbert Willi, während er auf eine der zahlreichen Moosflächen deutet, die wie Gemälde an den Bürowänden hängen.

© CH Media

Das Grün soll den neuen Zurich-Standort nicht nur gemütlicher machen, es steht auch sinnbildlich für die ehrgeizige Nachhaltigkeitsstrategie, die der Versicherer verfolgt. «Wir wollen bis 2050 zu den nachhaltigsten Unternehmen der Welt gehören», sagt Marco Hebeisen, Head Corporate Responsibility, also zuständig für Unternehmensverantwortung.

Alle Standorte sollen klimaneutral sein

Es handelt sich dabei um ein Versprechen, das von Firmen zuletzt häufiger zu hören war. Als Grundlage dafür gilt das Pariser Klimaabkommen, demzufolge der globale CO2-Ausstoss bis 2050 auf netto null fallen muss. Kritiker monieren diesbezüglich, viele Firmen würden aufgrund der langen Zeitspanne momentan lediglich auf Grün machen, die nötigen Massnahmen aber auf die lange Bank schieben.

Marco Hebeisen, Head Corporate Responsibility bei Zurich Schweiz.

Marco Hebeisen, Head Corporate Responsibility bei Zurich Schweiz.

Bei Zurich sei dies anders, sagt Hebeisen. Die internen Klimaziele seien nicht blosse Lippenbekenntnisse, sondern tief in der Firmenphilosophie verankert. So sei Zurich Schweiz bereits seit 2014 CO2-neutral. Bis 2050 soll es darüber hinaus auch das Anlageportfolio sein; dieses umfasst gegenwärtig rund 200 Milliarden Franken. Hebeisen:

Die Nachhaltigkeitsstrategie soll dabei nicht zuletzt auch an den einzelnen Standorten vorgelebt werden. Bei den eigenen Gebäuden sei man in dieser Hinsicht schon heute relativ weit, betont Hebeisen. Zum Beispiel trage der Hauptsitz in Zürich-Oerlikon nach dem internationalen Standard für Leadership in Energy und Environmental Design (LEED) die «Platinum»-Auszeichnung, die höchste im Bereich nachhaltiges Bauen. Mit dem neuen Hauptsitz der Zurich-Gruppe am Zürcher Mythenquai werde man gar «Doppel-Platinum»-Status erreichen.

Der Krienser Standort soll möglichst ohne Papier auskommen. Dafür sind überall Bildschirme verteilt.

Der Krienser Standort soll möglichst ohne Papier auskommen. Dafür sind überall Bildschirme verteilt.

Künftig sollen die Standorte aber nicht nur klimaneutral betrieben werden, sondern auch so wenig Abfall wie möglich produzieren. An der neuen Niederlassung in Kriens, die Zurich Anfang Juni bezogen hat, zeigten sich die Bestrebungen exemplarisch, sagt Hebeisen. «Es ist zurzeit der grösste und modernste Zurich-Regionalsitz und wohl eines der modernsten Büros in der Schweiz.» Hier habe man denn auch die Möglichkeit ergriffen, von Beginn an ein gesamtheitliches Nachhaltigkeitskonzept einzuführen. Dieses umfasst unter anderem folgende Punkte:

  • drastische Reduktion von Kopiergeräten, um das digitale, papierlose Arbeiten zu fördern
  • Heiz- und Lüftungsbetrieb mit Hilfe von Grundwasser über ein sogenanntes Anergienetz
  • genereller Verzicht auf Pappbecher und PET-Flaschen, stattdessen Bereitstellung von Tassen und Wasserspendern
  • Einführung von zentralen Recycling-Stationen anstelle von vereinzelten Papierkörben
  • flächendeckende Installation von Bewegungssensoren zur Energieeinsparung, von den Büroräumen bis zur Tiefgarage
  • aktive Förderung des Umstiegs auf das Velo oder den ÖV durch Firmenrabatte und -gutscheine

Dank derartiger Massnahmen habe man beispielsweise den Kopieraufwand und den damit verbundenen Papierverschleiss intern um 80 Prozent reduzieren können, erklärt Hebeisen. «Im Büro der Zukunft werden wir hoffentlich ganz ohne Papier auskommen, da wollen wir hin.» Das Konzept in Kriens soll bald auch an all jenen Standorten Schule machen, die noch nicht auf demselben Standard sind.

In den Büroküchen findet man weder Pappbecher noch PET-Flaschen, dafür eine Recycling-Station (rechts im Bild).

In den Büroküchen findet man weder Pappbecher noch PET-Flaschen, dafür eine Recycling-Station (rechts im Bild).

Umzug ist Folge einer Übernahme

Hintergrund des Umzugs vom alten an den neuen Standort in Kriens ist die Übernahme des Firmenkundengeschäfts von der CSS Versicherung. Im Zuge derer hatten diesen Sommer 45 Mitarbeiter vom CSS-Hauptsitz in Luzern an die Zurich-Niederlassung in Kriens gewechselt.

«Der alte Standort wäre schlicht zu klein gewesen, um alle ehemaligen CSS-Angestellten beherbergen zu können», sagt Karin Rechsteiner, die mit dem Übernahmeprojekt bei Zurich betraut war. Das neue Büro, das sich über zwei Stockwerke erstrecke, biete dagegen nun Platz für alle 140 Angestellten des Standorts Kriens. Trotz Coronakrise habe der Umzug wie geplant Ende Mai abgeschlossen werden können.

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