«Hi, I am Stelios!» Da sitzt er also vor uns, der Easyjet-Gründer, im bescheidenen Büro der TEA Switzerland auf dem Flughafen Basel-Mülhausen. Stelios Haji-Ioannou: schelmisch grinsend, offenes Hemd, Ärmel hochgekrempelt.

Alle nennen ihn mit Vornamen – «easy» scheint auch sein persönliches Prinzip zu sein. Nichts lässt darauf schliessen, dass er Sohn eines schwerreichen griechischen Reeders ist und mit der 1995 gestarteten Easyjet eine der Revolutionen im Flugverkehr auslösen wird.

Das war 1998. Soeben hatte Stelios in einer Blitzaktion die TEA gekauft. Die Chartergesellschaft steckte in Finanznöten, und Stelios, dessen Easyjet rasch expandierte, brauchte dringend Flugzeuge und, wenn möglich, eine Gesellschaft mit einer Schweizer Flugbetriebsbewilligung. Er plante die Expansion mit Flugbasen ausserhalb von Grossbritannien. Die Übernahme von TEA war seine grosse Chance.

In Genf sehr willkommen

Jean-Marc Thévenaz, ehemaliger Leiter des TEA-Flugbetriebes und seit Anbeginn Generaldirektor von Easyjet Switzerland, erinnert sich: «Swissair hatte sich mit ihrem Langstreckenverkehr aus Genf zurückgezogen. Dort wurden wir mit offenen Armen empfangen.»

Zürich war als Flughafen zu teuer, Basel war — wahrscheinlich wegen der damals noch existierenden Crossair — vorsichtig. Nach kurzer Zeit hatte Stelios die Flugbewilligung. Die Basis für eine Expansion in Kontinentaleuropa wurde in Genf gelegt.

Der Trick mit den Zelten

Der Flugverkehr in Europa war damals noch nicht liberalisiert, es konnten nicht einfach neue Strecken aufgemacht werden. Bedingung für den Flug von Genf nach Barcelona war zum Beispiel, dass eine Übernachtung mitgebucht wurde. Für einen symbolischen Franken wurde eine Übernachtung auf einem Campingplatz 60 Kilometer von Barcelona, die erste Destination Easyjets aus der Schweiz, gebucht.

«Wir hatten nur drei Zelte dort. Orangefarben. Anfänglich befürchteten wir, von der starken Nachfrage überrannt zu werden.» Stelios inszenierte medienwirksam seinen Kampf gegen den Monopolisten Swissair: David gegen Goliath, das funktioniert immer.

Die sogenannten Low-Cost-Carriers, Fluggesellschaften mit tiefen Kosten, unterscheiden sich von den traditionellen Gross-Fluggesellschaften durch ein radikal vereinfachtes Geschäftsmodell, was grosse Kosteneinsparungen erlaubte: keine Umsteigeverbindungen, standardisiertes Produkt, kostenpflichtige Bordverpflegung und Gepäckabgabe, schlanke Verwaltung.

Die Höhe der Flugtarife war von Anfang an nachfrageabhängig. Die Spanne der Preise ist noch heute erheblich (vgl. Kasten). Wer weit im Voraus bucht, fliegt billiger. Damit kann das Flugzeug möglichst optimal ausgelastet werden.

Die Idee selber kam aus den USA und hatte die Welt des Luftverkehrs auf den Kopf gestellt. Die Flugtarife sanken massiv. Zum Erfolg hatte aber wesentlich beigetragen, dass der Luftverkehrsmarkt liberalisiert wurde. Vorreiter waren die USA, später folgte die Liberalisierung auch in der EU und in der Schweiz.

Wie die Zeit verfliegt. Damals wettete noch kaum jemand ein müdes Pfund auf die Fluggesellschaft mit den grossen Telefonnummern auf ihren Fliegern. Billige Flüge, das war verdächtig, das konnte nichts Gutes sein. Oder zumindest gefährlich. Doch Easyjet, Ryanair und Wizz Air setzten sich durch. Bislang ohne nennenswerte Unfälle.

Riesenerfolg auch in Basel

Nach dem Grounding der Swissair im Oktober 2001 fassten die orangen Jets auch in Basel Fuss und wiederholten den Erfolg, den sie in Genf hatten. 2005 wurde der erste Easyjet-Airbus stationiert, heute umfasst die Basis neun Flugzeuge.

Auch die Basler Crossair war Geschichte. Ja, die verbleibenden Flüge der Swissair-Nachfolgerin Swiss ab Euro-Airport wurden inzwischen aufgegeben. Heute hat Easyjet auf dem binationalen Flughafen einen Marktanteil von über 50 Prozent und fliegt 53 Destinationen an. Die Nordwestschweiz hatte noch nie eine so gute Anbindung ans europäische Flugnetz, der Euro-Airport noch nie so viele Passagiere.

Und Easyjet selber ist mit 240 Jets eine der grössten Airlines in Europa, befördert 60 Millionen Passagiere im Jahr und ist hoch profitabel. Der Gewinn lag im vergangenen Jahr bei umgerechnet 900 Millionen Franken, der Umsatz bei 6,9 Milliarden. Damit hat sie Swiss, die 2014 rund fünf Milliarden Franken umsetzte, überflügelt. Das Geschäftsmodell ist heute nicht mehr so strikt «Low Cost»: Es können Sitzplätze reserviert werden, Sitze mit mehr Beinfreiheit gegen Aufpreis und es gibt eine teurere Preiskategorie, bei der Umbuchen vereinfacht ist. Sogar eine Kundenkarte für Vielflieger wurde eingeführt, mit der Geschäftskunden angesprochen werden sollen.

Dass Stelios, heute nur noch Minderheitsaktionär, mit Easyjet nicht immer ganz glücklich war, ist heute vergessen. Morgen Dienstag wird man in Luton, Hauptsitz von Easyjet, am 20-Jahr-Jubiläum des Erstflugs, wohl einen aufgeräumten Stelios Haji-Ioannou antreffen. Wahrscheinlich ist sein Auftritt wie damals: schelmisch grinsend, offenes Hemd, Kumpeltyp. Nur halt ein paar Jahre älter.