Zu wenig Gewinn
Auf Druck der Aktionäre: Danone feuert seinen Chef

Der französische Lebensmittelhersteller Danone hat sich auf Aktionsärsdruck von seinem Chef Emmanuel Faber getrennt. Zugrunde liegt ein Konflikt zwischen hohen Gewinnerwartungen und nachhaltiger Konzernpolitik.

Stefan Brändle aus Paris
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Emmanuel Faber passte den Aktionären nicht.

Emmanuel Faber passte den Aktionären nicht.

Omar Havana/Getty

Zum Schluss ging alles sehr schnell. Nach einer dringlichen Sitzung seines Verwaltungsrates teilte Danone am Montagmorgen mit, dass der Vorsitzende Emmanuel Faber sein Mandat als Ratsvorsitzender «mit sofortiger Wirkung» niederlege. Auch als interimistischer Generaldirektor wird er kurzerhand auf die Strasse gestellt.

Wie hastig die Ablösung erfolgt, zeigt sich darin, dass die Nachfolge noch nicht geregelt ist. Die Leitung des Verwaltungsrates übernimmt Gilles Schnepp (62), ein in Frankreich wenig bekannter Vorsteher des Elektronikunternehmens Legrand. Die Direktion wird weiterhin interimistisch von einem Duo aus Véronique Penchienati-Bosetta und Shane Grand geleitet, bis ein Direktor «von internationalem Zuschnitt» gefunden sei, wie Danone mitteilte.

Der Höhepunkt einer einjährigen Krise

Die Ablösung Fabers ist der Höhepunkt einer Führungskrise, die Danone (25 Milliarden Euro Umsatz, 104'000 Angestellte) seit bald einem Jahr in Atem gehalten hat. Faber hatte mitten in der Covidkrise eine neue Strategie lanciert oder zumindest akzentuiert, um sozialverträglicher und ökologischer zu produzieren. Der 57-jährige Direktor und Ratspräsident nahm ein neues französisches Gesetz zum Anlass, um Danone in eine «entreprise à mission» zu verwandeln – ein «Unternehmen mit einer Mission». Damit verpflichtete sich Danone, einer

«grösstmöglichen Zahl von Menschen zur Gesundheit durch Ernährung»

zu verhelfen, dazu den Planeten zu schützen und soziale Innovation zu fördern.

Emmauel Faber hatte Visionen. Das passte nicht den Aktionären nicht. (Archivbild)

Emmauel Faber hatte Visionen. Das passte nicht den Aktionären nicht. (Archivbild)

Keystone

Diese hehren Ziele passten nicht allen. Der US-Investor Artisan Partners, der mit 3 Prozent Anteile der grösste Danone-Aktionär ist, war schon seit langem unzufrieden mit der Kursentwicklung. Sie liegt über die letzten fünf Jahr rund 10 Prozent im Minus, während die Aktien von Konkurrenten wie Unilever im gleichen Zeitraum um 25 Prozent oder im Fall von Nestlé um 40 Prozent zugenommen hatten.

Faber versuchte diese Kritik zu entschärfen, indem er – dank einer positiven Betriebsmarge – weiter eine Dividende ausschüttete. Sein eigenes (Millionen-)Salär reduzierte er um 30 Prozent.

Mit dem Doppelmandat eckte Faber an

Das genügte aber nicht. Die nicht französischen Aktionäre störten sich auch daran, dass Faber allzu eigenmächtig auftrat. Wie es in französischen Konzernen üblich ist, vereinte er den Posten des Generaldirektors und des Verwaltungsratsvorsitzenden in einer Person. Einige Shareholders zitierten überdies aus einem Buch, das der praktizierende Katholik Faber 2011 veröffentlicht hatte. Darin vertrat er fast schon revolutionäre Standpunkte: Geld mache «verrückt», schrieb er, und die «Hochfinanz» betreibe ein «gefährliches Spiel», indem sie alle soziale wie gesellschaftliche Kriterien vergesse. Dabei gebe es ohne soziale Gerechtigkeit keine Wirtschaft.

Der Konflikt beruhte zum Teil auf einem Missverständnis. In Frankreich bedeuten solche Parolen nicht immer, dass man sie auch umsetzen will.

Faber agierte im unternehmerischen Alltag eher traditionell.

Auch Umweltverbände übten Kritik an seinem Kurs: Mit der Abstützung auf eine der wichtigsten Konzernmarken, das Mineralwasser Evian, betreibe Danone weiter Raubbau an den Wasservorkommen des Planeten und der betroffenen Lokalbevölkerung in Ostfrankreich, hiess es etwa.

In Paris monierte die «Beobachtungsstelle für multinationale Konzerne», Danone habe die Treibhausgase im ersten Jahr als «Unternehmen mit Mission» noch um 20 Prozent gesteigert. Konzernsprecher verteidigten sich, diese arithmetische Zunahme beruhe einzig auf Konzernzukäufen. Das Unternehmen dementierte auch Vorwürfe der Organisation Foodwatch France, die ihm vorgeworfen hatte, ungesundes Milchpuder für Kinder zu vertreiben.

Abbau von 2000 Arbeitsplätzen verärgerte die Gewerkschaften

Von allen Seiten unter Druck, flüchtete sich Faber schliesslich in eine Reorganisation mit der Bezeichnung «Local First». Das sollte bedeuten, dass Danone für seine Joghurt-Palette vermehrt lokale Produkte berücksichtigen sollte. Zugleich sieht die Neuorganisation aber auch den Abbau von bis zu 2000 Arbeitsplätzen vor, wie die Gewerkschaften vorrechnen.

Der Vorwurf gegen Emmanuel Faber lautete: Zu wenig Marketing für den Konzern. Im Bild: das Logo der Firma.

Der Vorwurf gegen Emmanuel Faber lautete: Zu wenig Marketing für den Konzern. Im Bild: das Logo der Firma.

Keystone

Die Aktionäre warfen Faber ihrerseits vor, er vernachlässige mit dem Plan das – für einen Anbieter wie Danone zentrale – Konzernmarketing. Noch vergangene Woche verlangten sie «mit Nachdruck» einen Strategiewechsel. Mangels dessen erwirkten sie nun die Ablösung Fabers, der als erster Konzernchef nicht der Gründerfamilie Riboud entstammte.

Die Börse begrüsste seine Entlassung am Montag mit einem zeitweiligen Kursgewinn von mehr als 4 Prozent. Geregelt ist allerdings nichts: Sowohl personell wie strategiemässig muss Danone nun über die Bücher. Und sich entscheiden, welcher Mission es den Vorrang gibt - der Shareholder Value oder der Nachhaltigkeit.

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