Lidl

Zu viel Konkurrenz oder Stärkung?

Am Dorfrand: Die ersten Kunden fanden sich bereits vor der Türöffnung um acht Uhr bei der Filiale ein.

Türöffnung

Am Dorfrand: Die ersten Kunden fanden sich bereits vor der Türöffnung um acht Uhr bei der Filiale ein.

Seit gestern gibts in Oensingen eine Möglichkeit mehr für den Einkauf des täglichen Bedarfs. Und es wird bald noch mehr geben. Entsteht nun ein Überangebot, oder stärkt dies den Einkaufsort?

Alois Winiger

Am Osteingang des Dorfes hat Lidl gestern Morgen um acht Uhr eine Filiale eröffnet, die dritte im Kanton Solothurn. Das Bild von gestern unterschied sich insofern von den Eröffnungstagen in Bellach und Hägendorf, dass die ersten Kunden nicht bereits eine Viertelstunde vor acht Uhr beim Eingang eine Kolonne bildeten. In Oensingen wurden sie sofort hereingelassen. Lidl-Regionalleiter Matthias Geis nannte dafür einen plausiblen Grund: «Wir wollten die Leute nicht in der Kälte warten lassen. Schliesslich waren wir ja schon bereit.»

Ein strategischer Entscheid

Drinnen findet die Kundschaft auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern ein Angebot mit 1800 Artikeln des täglichen Bedarfs. Darin sieht Lidl eine sinnvolle Ergänzung des bisherigen Angebots in Oensingen. Sehen das die anderen Anbieter im Ort ebenso? Immerhin sind hier bereits Coop, Migros, Denner und Landi-Markt mit Produkten des täglichen Bedarfs vertreten. Und ab Dezember werden im Zentrum Mühlefeld 2 noch Aldi und der Drogeriefachmarkt Müller (mehr als Drogerieartikel) hinzukommen.

«Man muss hier differenzieren», sagt Susanne Siegrist, Präsidentin des Oensinger Gewerbevereins, «unsere Gemeinde ist zwar gewachsen und wird noch weiter wachsen.» Doch Lidl habe den Standort Oensingen kaum wegen der Ortschaft an sich gewählt, sondern aufgrund eines strategischen Entscheids, insbesondere wegen der verkehrsgünstigen Lage. Von der Einwohnerzahl her reiche das bestehende Angebot im Dorf längst aus. «Man kann es aber auch so sehen: Durch den Zuwachs wird Oensingen als Einkaufsort gestärkt.»

Das Problem heisst Verkehr

Susanne Siegrist macht allerdings einen Vorbehalt: «Mit dem erweiterten Einkaufsangebot ist es nicht gemacht. Damit die Leute auch nach Oensingen zum Einkaufen kommen, müssen sie erstens ins Dorf reinfahren und zweitens parkieren können.» Zwar werde bald einmal das Parkhaus im Mühlefeld 2 aufgehen, aber das sei kaum ausreichend.

«Wenn die Leute nicht parkieren können, fahren sie weiter und kommen unter Umständen nicht so schnell wieder.» Man dürfe nicht vergessen, dass der Weg zum nächsten Einkaufszentrum nicht weit sei - zum Beispiel der Gäupark. «Das Verkehrsproblem ist erkannt, und man spürt von Seiten des Gemeinderats den Willen, das Problem in den Griff zu bekommen», betont Siegrist.

Wie darauf reagieren?

Bei der neu eröffneten Lidl-Filiale dürfte das Parkieren kaum Probleme geben, es stehen 76 Plätze zur Verfügung. Gut die Hälfte davon war gestern Morgen eine halbe Stunde nach der Eröffnung bereits besetzt. Am Eröffnungstag hielt Lidl ein spezielles Aktionsangebot bereit, die Mitbewerber im Ort haben nicht mitgezogen. Warum nicht? Bei Coop halte man wenig von solchen Gegenaktionen, lautet die Antwort.

Thomas Bornhauser von der Migros Aare führt aus: «Würden wir auf jede Geschäftseröffnung reagieren, so würde das unsere Kundschaft nur verunsichern oder sogar verärgern.» Man konzentriere sich weiterhin auf die Stärken. Diese Geschäftsstrategie vertritt auch Roger Gugelmann von der gleichnamigen Bäckerei an der Bahnhofstrasse. «Preis und Qualität müssen stimmen», erklärt er.

Susanne Siegrist ergänzt, man dürfe es nicht versäumen, immer wieder etwas für die Attraktivität des Geschäftes zu tun. Wie sich aufgrund eines Augenscheins in Oensingen zeigte, vertreten mehrere Gewerbetreibende dieselbe Ansicht und haben entweder das Angebot erweitert oder das Geschäftslokal erneuert - oder gleich beides getan.

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