Shaqiri, Xhaka, Lichtsteiner, Schär, Bürki, Behrami, Embolo, Seferovic – Schweizer kicken in vielen europäischen Ligen: Bundesliga, Premier League oder Serie A. Der Spielbetrieb dort bildet die Geschäftsgrundlage von mehreren Online-Anbietern, die hierzulande Reisen in ausländische Stadien verkaufen.

Dazu gehört jetzt auch Fussballreisenonline. Die deutsche Firma ist seit Dezember in der Schweiz mit einer .ch-Website präsent. Michael Boggio von Ivanmeyertours sieht die neue Konkurrenz gelassen. «Seit Fussballreisen über das Internet gebucht werden können, ist der Markt immer härter umkämpft. Das kennt keine Grenzen. Daher spielt es für uns keine grosse Rolle, ob und wie Fussballreisenonline in der Schweiz Fuss fasst.»

Fussballreisen boomen: Die Buchungszahlen bei Ivanmeyertours steigen jährlich. Die Kunden kommen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Spanien mit Barcelona und zweimal Madrid (Real, Atletico) sowie die Bundesliga sind beliebt. Es gibt Wochenendfahrten zu jedem Heimspiel der Bayern, oft führen die Reisen auch nach Dortmund zum Tabellenführer BVB. Den trainiert bekanntlich ein Schweizer, Lucien Favre.

Aktueller «Top-Seller»: Der FC Liverpool mit Trainer Jürgen Klopp. Der Traditionsklub von der Anfield Road könnte in dieser Saison erstmals seit 1990 wieder Meister werden. Ivanmeyertours ist einziger offizieller Partner des Club Wembley im deutschsprachigen Raum, betont Boggio. Dadurch hat man ein fixes Ticketkontingent für alle Fussballspiele im «berühmtesten Stadion der Welt». Die Eintrittskarten zu allen Begegnungen sind ausschliesslich im Paket zu haben. «Wir verkaufen Sporterlebnisse und nicht nur Tickets», so Boggio. Zum Paket gehört neben dem Ticket die Hotelbuchung. Weitere mögliche Leistungen: Anreise , Stadionbesichtigung, Ausflüge wie die Harry-Potter-Tour in London, öV-Karten.

Insider-Tipps von den Profis

Grundsätzlich sitzen mindestens zwei Kunden im Stadion nebeneinander. Oft sind auch grössere Gruppen nebeneinander garantiert. Man legt viel Wert auf persönliche Beratung und Betreuung vor, während und nach der Reise. «Wir kennen viele Destinationen und Stadien selber und punkten mit Insider-Tipps», sagt Boggio. Nicht nur die Topklubs hat man im Angebot, sondern auch Newcastle, Southampton oder Freiburg, das wegen der Nähe zur Schweiz attraktiv ist. Für unvorhergesehene Spielabsagen (Schneefall) oder Verschiebungen wegen einer Fernsehübertragung gibt es die Matchversicherung, die im Paketpreis mit drin ist. Verschiebungen der Anstosszeit am selben Spieltag sind aber nicht versichert.

Laut Deloitte betrug der Umsatz des europäischen Fussballs 2016/17 gut 28 Milliarden Franken, ohne Transfererlöse. Rund 18 Milliarden gingen auf die «grossen fünf» zurück: England, Spanien, Deutschland, Italien, Frankreich. Mit Abstand am meisten erwirtschaftet die Premier League. Die Spiele dort sind bei Knecht Sportreisen aus Kloten momentan der Renner. Das liegt laut Senior Product Manager Marco Bolli nicht zuletzt an einigen «sehr erfolgreichen» Schweizer Spielern, die bei englischen Clubs spielen: Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka bringen Schweizer Fussballfans auf die Insel.

Angebotspalette wird vergrössert

Der Umsatz im gesamten Segment Fussball hat sich bei Knecht Sportreisen «markant und über dem Marktdurchschnitt» gesteigert. Gleichzeitig vergrösserte man die Angebotspalette deutlich. Der Geschäftsführer Cyrill Zimmermann ist Präsident eines Fussballvereins. Bolli selbst besitzt die Uefa-A-Trainerlizenz und trainiert in der Schweizer 1. Liga. «Wir haben also nicht nur fundierte Destinationskenntnisse, sondern können auch beim Sportlichen mitreden.» Momentan stehen Liverpool, Bayern, Dortmund, Real Madrid und Barcelona hoch in der Publikumsgunst.

Das Programm in der Sparte «begleitete Fanreisen» wurde ausgebaut. In Liverpool können Fans zum Beispiel an einer Beatles-Tour teilnehmen. Und in München essen Gruppen vor Spielen der Bayern im Olympiaturm zu Mittag. Reisen zu Bayern-Spielen dauern in der Regel zwei Tage mit einer Übernachtung. Die Plätze, die man in den Stadien einkauft, sind immer paarweise nebeneinander. Dafür erhalten Kunden eine Garantie. Für grössere Gruppen kauft man Plätze wann immer möglich in gleichen Blocks oder Reihen.

Es ist allgemein üblich, die genauen Anstosszeiten der Begegnungen erst rund einen Monat vorher festzulegen. Daher rät Bolli, mindestens von Freitag bis Montag zu reisen. Denn in Ausnahmefällen gibt es Spiele am Montag- oder Freitagabend.