Unfälle

Zu hohe Verletzungsgefahr: Diese Sportarten mögen Versicherungen ganz und gar nicht

Fussballer verletzten sich oft: Hinter Handball und Eishockey ist beim Fussball das Risiko am höchsten.

Fussballer verletzten sich oft: Hinter Handball und Eishockey ist beim Fussball das Risiko am höchsten.

Die Versicherer mögen Fussball nicht: Der Volkssport ist nicht nur gefährlich, sondern auch so populär, dass dort mit grossem Abstand am meisten Unfälle passieren – weshalb die Vereine nur schwer eine Versicherung für ihre Fussballer finden.

Am gefährlichsten leben die Handballer. In keiner anderen Sportart ist das Verletzungsrisiko pro Trainingseinheit höher als im Spiel mit dem klebrigen Lederball. Selbst die Eishockeyspieler leben gesünder als die Handballer (vgl. Grafik unten). Weit schlimmer ist – mindestens für die Versicherungswirtschaft – aber der Fussball. Der Volkssport ist nicht nur gefährlich, sondern auch so populär, dass dort mit grossem Abstand am meisten Unfälle passieren. 45'000 sind es aktuell in der Schweiz, wie der Unfallstatistik der Suva zu entnehmen ist. Daraus erwachsen den Versicherungen jährliche Kosten von 190 Millionen Franken.

Die Baloise hat das Problem genauer unter die Lupe genommen und ihre eigene Fallstatistik der vergangenen drei Jahre analysiert. Fussgelenk und Knieverletzungen treten demnach mit je 25 Prozent am häufigsten auf. Führt ein Unfall zur Arbeitsunfähigkeit, dauert diese im Mittel volle 32 Tage. Weniger überraschend ist das Profil der Verunfallten: Es sind zu 88 Prozent Männer im Alter von durchschnittlich 31 Jahren.

Spieler müssen versichert werden

Die Baloise-Daten zeigen: Der Spass mit dem Fussball kann die Allgemeinheit teuer zu stehen kommen. Das Problem ist nicht neu. 1912 setzten die Gründerväter der Suva den Fussball auf eine Liste von «unmoralischen, verwerflichen oder verbrecherischen Handlungen», für die der Versicherungsschutz gegen Unfallrisiken nicht gelten sollte. Erst 1929 erkämpften sich die Fussballer auf gerichtlichem Weg die Aufnahme in die obligatorische Unfallversicherung.

Die Suva investiert inzwischen einen Haufen Geld in die Prävention. Schliesslich erwachsen dem 100-jährigen Unternehmen schon seit den 1970er-Jahren mehr Kosten aus Unfällen, welche während Freizeitaktivitäten passieren, als aus Berufsunfällen. Und offenbar lohnt sich die Prävention. Das Unfallrisiko an Grümpelturnieren sei durch die Suva-Kampagnen in den vergangenen zehn Jahren nachweislich um 75 Prozent gesenkt worden, sagt Suva-Mediensprecherin Gabriela Hübscher. Trotzdem ist der Fussball nach wie vor eines der grössten Risiken im Suva-Portefeuille. Da kann es sich lohnen, jeden Fall genauer anzusehen.

Genau dies tut die Suva seit August des vergangenen Jahres. «Sportvereine aufgepasst. Versichert eure Sportler richtig», warnte die Versicherung damals in einer Mitteilung an die Medien. Mit gutem Grund: Auch Amateurvereine brauchen eine eigene Unfalldeckung für ihre Mitglieder, wenn sie diesen AHV-pflichtige Entschädigungen auszahlt. Trotzdem sind nur wenige Vereine korrekt versichert. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens zeigte sich die Suva lange Zeit grosszügig und übernahm im Rahmen der obligatorischen Berufsunfallversicherung auch die Schäden kritischer Sportunfälle. Also von Unfällen, für die sie nach der genannten Regel nicht zuständig gewesen wäre. Und zweitens sind Unfallversicherungspolicen für viele Vereine kaum finanzierbar.

Auf der Suche nach Alternativen

Der wichtigste Kostentreiber ist das sogenannte Unfalltaggeld, das den Lohnausfall versichert. Fällt ein Hobbyfussballer, der 3000 Franken Prämien und Spesenentschädigung im Jahr erhält, durch einen Sportunfall während 30 Tagen am Arbeitsplatz aus, wird es teuer. Dann muss die Versicherung des Vereins nicht nur den anteiligen Ausfall der 3000 Franken, sondern auch den Lohnausfall des Spielers im Hauptberuf decken. Eine solche Police kann je nach Höhe des Lohnes schnell einige 100 oder gar 1000 Franken kosten.

Die Versicherungswirtschaft zeigt offensichtlich wenig Mitleid. Die Ombudsstelle der Schweizer Versicherer bestätigt den Eingang diverser Anfragen von Vereinen, die nirgends Unterschlupf gefunden hätten und an die Ersatzkasse verwiesen werden mussten. Doch die Unfallversicherung ist obligatorisch. Deshalb kümmert sich nun auch der Versicherungsverband um das Problem. Er prüft gemäss Sprecherin Sabine Alder zwei Varianten: einerseits die Möglichkeit von Rahmenverträgen mit Sportvereinen zur Streuung der Risiken. Oder andererseits, mit dem gleichen Ziel die Preise zu senken, eine Addition der Schäden, die dann nach Marktanteilen unter allen Versicherern aufgeteilt werden.

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