Wirtschaft

Zentralschweizer bevorzugen Kantonalbanken: Warum UBS und CS bei Hypotheken einen schweren Stand haben

Ein Vergleich der letzten Jahre zeigt, dass die Kantonalbanken der Zentralschweiz im Hypothekargeschäft auf Kosten der Grossbanken zulegen konnten. Künftig werden digitale Plattformen eine stärkere Rolle spielen.

Tiefe Zinsen, wenig Steuern, grosse Sicherheit: Schweizerinnen und Schweizer verschulden sich gern, um sich im Gegenzug ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen. Etwa 1100 Milliarden Franken schwer ist der Schweizer Hypothekarmarkt – er ist damit einer der grössten der Welt. Die Hypothekenvergabe ist insbesondere für die sogenannten Retailbanken ein zentraler Pfeiler ihres Geschäftsmodells. Retailbanken sind Finanzinstitute, die vorwiegend Standardprodukte wie eben Hypotheken oder Kontoführung für Privatkunden anbieten.

Nun zeigt sich, dass die Retailbanken ihr Hypothekargeschäft in den letzten Jahren massiv ausweiten konnten, und zwar auf Kosten der Grossbanken UBS und Credit Suisse. Andreas Dietrich sagt:

Andreas Dietrich an einer Konferenz.

Andreas Dietrich an einer Konferenz.

Der Bankenprofessor an der Hochschule Luzern ist verantwortlich für die Retail-Banking-Studie, deren neuste Ausgabe soeben erschienen ist. Dieses Jahr haben die Studienautoren unter anderem analysiert, wie sich die Hypotheken-Marktanteile der verschiedenen Banken entwickelt haben. Dabei zeigt sich, dass schweizweit insbesondere die Raiffeisenbanken ihren Marktanteil deutlich und die Kantonalbanken leicht steigern konnten. Im Jahr 2019 verfügten die Kantonalbanken über den grössten Hypo-Marktanteil in der Schweiz, gefolgt von den Grossbanken sowie der Raiffeisen-Gruppe.

Nur im Kanton Zug konnten die Grossbanken zulegen

Blickt man auf die Region Zentralschweiz, zeigt sich eine noch klarere Dominanz der Kantonalbanken. Die sechs Zentralschweizer Kantonalbanken befinden sich unter den acht Kantonalbanken mit dem höchsten Marktanteil im Hypothekargeschäft. Mindestens jede zweite Hypothek wird in der Zentralschweiz von einer Kantonalbank vergeben, in Obwalden sind es sogar 65 Prozent (siehe Grafik). Vergleicht man die Jahre 2003 und 2019, haben UBS und Credit Suisse in der ganzen Zentralschweiz Marktanteile verloren – ausser im Kanton Zug, wo der Marktanteil von 23 auf 25 Prozent angestiegen ist. Im Luzerner Hypothekargeschäft haben Grossbanken laut der IFZ-Studie derzeit einen Marktanteil von nur noch 16 Prozent, nach 25 Prozent im Jahr 2003.

© CH Media

Warum gibt es in der Zentralschweiz eine solche Dominanz der Kantonalbanken im Hypogeschäft? Andreas Dietrich, der selber im Verwaltungsrat der Luzerner Kantonalbank sitzt, verweist darauf, dass Kantonalbanken tendenziell in ländlichen Gebieten gut aufgestellt, Grossbanken hingegen eher in urbanen Gebieten überproportional stark vertreten seien. «Ausserdem gibt es in der Zentralschweiz tendenziell weniger Regionalbanken und Sparkassen, vor allem im Vergleich mit Kantonen wie Aargau, Bern, Solothurn und Schaffhausen.»

Eine Rolle habe sicher auch die Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 gespielt. Dietrich:

Grossbanken hätten zudem oft noch ein Hochpreis-Image.

Der Wettbewerb verlagert sich auf die digitalen Plattformen

Doch UBS und Credit Suisse sind in letzter Zeit wieder aktiver geworden. Insbesondere digitale Produkte rund um die Hypotheken sind hoch im Kurs. So hat die UBS Ende Juni mit Key4 eine offene Onlineplattform für die Eigenheimfinanzierung lanciert. «Wir tragen damit den sich verändernden Marktbedingungen Rechnung», sagt eine UBS-Sprecherin dazu. Mit Key4 wolle man gezielt neue Kundensegmente angehen, insbesondere bei digital affinen Kunden, so die Sprecherin.

Eine Credit-Suisse-Sprecherin sagt, man verfolge eine langfristig ausgerichtete Hypothekarstrategie: «Wir setzen auch weiterhin auf nachhaltiges Wachstum in diesem Geschäft.» Das Hypothekarportfolio der Credit Suisse sei in der ganzen Schweiz wie auch in der Region Zentralschweiz in den letzten Jahren «konstant gewachsen». Die CS hat zudem kürzlich die Banking-App CSX lanciert, über die künftig vermehrt auch Hypotheken-Dienstleistungen angeboten werden sollen.

Dietrich glaubt, dass solche Hypothekenplattformen künftig relevanter werden und Kantonalbanken, welche die Digitalisierung vernachlässigen, unter Druck bringen könnten. Zumal Kantonalbanken verglichen mit den Grossbanken tendenziell weniger Budget für die Entwicklung solcher Plattformen hätten. Das heisst aber nicht, dass die Staatsbanken bisher untätig blieben. Vorreiterin in Sachen digitale Hypoplattformen ist die Glarner Kantonalbank. Es sei offensichtlich, dass die Glarner Kantonalbank seit der Lancierung der Online-Hypotheken-Plattform «Hypomat» im Jahr 2012 ein starkes Wachstum verzeichnet, weil sie das Volumen von ausserkantonalen Hypothekarforderungen stark steigern konnte, schreiben die Studienautoren.

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