Der weltweit grösste Zementkonzern Lafarge-Holcim streicht in Holderbank AG bis Ende nächsten Jahres 130 Arbeitsplätze. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, beschränke sich der Abbau auf sogenannte Konzernfunktionen, die etwa für technischen Unterstützung und Prozessoptimierung zuständig sind.

Die Schweizer Traditionsfirma Holcim fusionierte im Sommer letzten Jahres mit der französischen Konkurrentin Lafarge. Den Abbau von weltweit 250 Jobs, wovon jene 130 auf die Schweiz entfallen, begründet der Konzern mit der Anpassung der Unternehmensorganisation im Nachgang des Zusammenschlusses. Die Konzernstruktur soll vereinfacht, die technische Unterstützung für die einzelnen Ländergesellschaften angepasst werden. Im Fokus sollen künftig die Themen Strategie, Governance und Transformation stehen, heisst es in einer Unternehmensmitteilung.

Produktion nicht betroffen

Die Produktionsstandorte bleiben laut Konzernangaben von den angekündigten Massnahmen verschont. Auch das Forschungs- und Entwicklungszentrum in L’Isle d’Abeau soll bestehen bleiben – hier fallen jedoch auch 80 Stellen weg.

Für den Standort Holderbank ist es der zweite Stellenabbau binnen kurzer Zeit. Mitte letzten Jahres hatte Holcim angekündigt, 120 Stellen im Aargau und in Zürich abzubauen. Nach der Abbaurunde vor einem Jahr habe man jedoch wieder aufgestockt und Mitarbeiter von anderen Standorten in den Aargau versetzt, erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Ob das auch dieses Mal geschieht, bleibt offen.

Gleiches gilt für die Art und Weise des Abbaus: Kündigungen werde es sicherlich geben, heisst es seitens Lafarge-Holcim. Wie viele sei indes noch unklar.

Für Holderbank ist die Ankündigung von gestern in jedem Fall bedauerlich, denn der Standort hat schon einige negative Entwicklungen mitgemacht.

Im Sommer 2008, es ist noch nicht einmal zehn Jahre her, hing in Holderbank der Himmel noch voller Geigen: Der Holcim-Konzern, der bis 2001 den Namen des Dorfes getragen hatte, kündigte den Bau eines Kompetenzzentrums für Forschung, Entwicklung und Ausbildung an. 50 Millionen Franken hätten verbaut, 250 Stellen geschaffen werden sollen.

Neun Monate später der erste Dämpfer: Die Realisierung des geplanten Zentrums wurde vertagt, die Pläne später stillschweigend ganz schubladisiert. Holcim war in die Finanzklemme geraten, die schliesslich 2015 zur Fusion führte. Holcim hatte 2009 in Holderbank rund 550 Angestellte. Gegenwärtig sind es noch etwa 400 – sogar einige mehr als bei der Ankündigung der Fusion. Aber jetzt kommt der Hammer: Nach dem Abbau werden es nur noch 270 sein.

Eine Katastrophe für das Dorf Holderbank (1150 Einwohner)? Gemeindeammann Herbert Anderegg warnt vor einer Dramatisierung: Nur die wenigsten Holcim-Angestellten wohnen in Holderbank. Und die Auswirkungen des Abbaus auf die Steuereinnahmen kann er noch nicht abschätzen. Klar ist aber: Als die Fabrik noch «Zementi» hiess und in Holderbank nicht nur forschte und verwaltete, sondern auch produzierte (bis 1978) ging es der Gemeinde deutlich besser.

Schmidheiny grösster Aktionär

Die Portlandcement-Fabrik Holderbank ist 1912 von Adolf Gygi gegründet worden. Schon ein Jahr später fusionierte sie mit der Rheintalischen Cementfabrik des Industriellen Ernst Schmidheiny (starb 1935 bei einem Flugzeugabsturz). Heute ist sein Enkel Thomas Schmidheiny der grösste Aktionär des fusionierten Zementriesen Lafarge-Holcim.