Das Medienhaus Tamedia sei deshalb gezwungen, "Inhalte zu erstellen, die geschätzt werden, die den Nutzern etwas wert sind", sagte Kall. "Wir leben von Werbeumsätzen und von Vertriebseinnahmen."

Die Rubrikeninserate würden weitgehend aus den Tageszeitungen verschwinden, die Zahl der Stelleninserate sei eingebrochen. Bei der kommerziellen Werbung gebe es für die Anzeigenkunden ein zunehmend grösseres Angebot an Medien und technischen Möglichkeiten, die Werbebotschaft zu verbreiten, sagte Kall.

Bedrohung durch Smartphones

Eine Bedrohung für die Medienhäuser seien die Smartphones: Auf den kleineren Bildschirmen betrügen die Werbeerträge pro Nutzer lediglich zehn Prozent dessen, was bei stationären Computern eingenommen werden könne. Das sei ein Problem, worauf reagiert werden müsse.

Noch habe Tamedia kein Geschäftsmodell. "Die Werbeeinträge reichen nicht aus, darum versuchen wir es nun mit der Bezahlschranke im Internet", sagte Kall. Diese gelte aber nur für das Onlineportal des "Tages-Anzeigers".

Die neuen Handys bieten laut Kall aber auch Chancen. "Sie erhöhen die Zahl der Kontakte mit unseren Kunden stark." Nun müsse ein Weg gefunden werden, um dies rentabel zu gestalten. Das gelinge vielleicht nicht von heute auf morgen, aber es werde gelingen, sagte der Tamedia-Chef.

Zehn Jahre Konzernchef

Martin Kall tritt per Anfang 2013 als Konzernchef ab, bleibt Tamedia aber als Verwaltungsrat erhalten. Unter ihm wuchs das Medienunternehmen in den vergangenen zehn Jahren. Er übernahm mehrere Zeitungen und entliess Dutzende Journalisten.

Kall übergibt die Leitung des Zürcher Medienhauses an seinen Stellvertreter Christoph Tonini. Dieser arbeitet seit 2003 bei Tamedia und ist dort heute für das gesamte digitale Geschäft verantwortlich.