Männer, die bei Regen ihr Geschirr auf den Balkon stellen, um es abzuwaschen; Männer, die beim Tanzen nur mit dem Fuss wippen und für ihr Styling drei Sekunden brauchen. Sie sind cool – und bestellen ihre Kleider bei Zalando.

So vermittelt es die Fernsehwerbung des Online-Versandhändlers. Der Werbespot flimmert seit einigen Tagen über die Bildschirme.

Fehlen Zalando die Männer? «Nein», sagt Dominik Rief, Verantwortlicher für den Schweizer Markt. «Sicher gibt es für Frauen viel mehr Angebote, weil sie modeaffiner sind, wir sehen aber bei den männlichen Kunden zunehmend Interesse.»

(Quelle: youtube/zalando)

Zalando-Werbespot «Shoppen wie ein Mann»

Ein Bericht des Fernsehsenders RTL prangerte Mitte April die Arbeitsbedingungen im Logistikzentrum im ostdeutschen Erfurt an. Auf der eigenen Website und via Facebook reagierte das Unternehmen innerhalb von 24 Stunden auf die Vorwürfe in der RTL-Reportage und gelobte Besserung. «Die Situation ist auch für uns schwierig. Wir prüfen die Kritik intensiv, sprechen mit den Mitarbeitern und leiten bei Bedarf Verbesserungen ab», sagt Zalando-Sprecherin Kristin Dolgner. Anfang Mai verhängte das Landesgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen zentrale Teile der Berichterstattung, die sich als Falschaussagen herausstellten. Laut dem deutschen Wirtschaftsmagazin «Bilanz» will Zalando noch in diesem Spätsommer an die Börse gehen. Beim Börsengang soll auch die Credit Suisse involviert sein. Für den geplanten Gang aufs Börsenparkett ist die US-Technologiebörse Nasdaq im Gespräch. Im ersten Quartal 2014 steigerte Zalando seinen Umsatz um 35 Prozent auf 501 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahresquartal. Die Gewinnschwelle werde das Unternehmen aber auch 2014 wahrscheinlich nicht erreichen, wie Rubin Ritter, Mitglied des Zalando-Vorstands, sagte. (gal)

Marketingprofessor an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, Cary Steinmann, hält nicht viel von den neuen Werbespots. «Ich sehe darin nur, wie das Klischee des trendigen Mittdreissigers nochmals klischiert wird», sagt er. «Ich befürchte, mit den Werbespots schiesst Zalando ein Eigentor.»

Steinmann erklärt: «Männer funktionieren eigentlich ganz einfach. Wenn ihnen etwas Vorteile bringt, sind sie dabei.» Beim Online-Shopping will der Mann Zeit und Geld sparen. «Das fehlt den Spots».

Der 27-jährige Rief kontert: «Wichtig ist, dass die Spots Emotionen auslösen und man sich an Zalando erinnert.» Man wolle aber mit der neuen Werbung, die überraschend ohne den Zalando-Schrei auskommt, vor allem die mobilen Kunden aus der Reserve locken. «Gerade Männer wollen unkompliziert einkaufen. Wir sehen zudem einen steigenden Anteil an Kunden, die via Smartphone und Tablet shoppen, wenn sie unterwegs sind.»

(Quelle: youtube/zalando)

Zalando-Werbespot «Shoppen wie ein Mann»

Männer müssen sich erst ans Online-Kleidershopping gewöhnen. «Mit dem Zalando-Paket zur Post zu laufen, ist für Männer sicher noch ungewohnt», vermutet Felix Kaiser, E-Commerce-Berater bei der Agentur Namics.

«Männer kaufen zwar zunehmend gerne online Kleider ein. Dies geschieht allerdings auf einem absolut geringeren Niveau im Vergleich zu den Online-Einkäufen von Frauen», sagt Kaiser.

Eine Faustregel: «In Versandkatalogen macht Männerbekleidung – wenn überhaupt angeboten – um die 10 bis 20 Prozent der Seiten aus. Entsprechend verhält sich auch der Umsatz mit Männermode.

Überträgt man diese Zahlen auf den Onlinehandel, so dürften die Relationen ähnlich sein», sagt Patrick Kessler, Präsident des Verbandes des Schweizerischen Versandhandels. Im regulären Textilmarkt stemmen Männer 28 Prozent des Umsatzes.

Männer mögens funktional

Ein bisschen stimmen die Klischees eben doch: «Männer kommen mit weniger Kleidern aus als die Frauen», sagt Kessler.

Zudem gebe es immer noch die ältere Generation Männer, die shoppen lässt – und zwar von der Frau. «Die jüngeren Generationen dagegen shoppen eher online.»

Anders als Frauen, brauchen die Männer kein emotionales Shoppingerlebnis. «Bei ihnen kommen funktionale Konzepte besser an, weil sie sehr gezielt und schnell einkaufen wollen», so Kessler.

Zalando holt sich Platz drei

Männer hin oder her: Im Gegensatz zu den Deutschen gilt das Shoppen in der Schweiz immer noch als Freizeitbeschäftigung. «Aus meiner Erfahrung, sind Schweizer Konsumenten gerne mal samstags in der Zürcher Bahnhofstrasse zum Shopping unterwegs», sagt Kaiser.

«Wer dieses Shoppingerlebnis in die virtuelle Welt überträgt, kann bei seinen Kunden punkten», sagt er. Das scheint dem Unternehmen zu gelingen. Laut einer aktuellen Studie des E-Commerce-Centers Köln (ECC) gehörte Zalando 2013 bei den Schweizer Online-Kunden zu den beliebtesten Web-Shops. Der mit seinem Schrei bekannt gewordene Onlinehändler belegt Platz drei – knapp hinter Digitec und Nespresso.