Eines steht fest: Seit den Krisen von 2008 und 2010/11 hat der Basler Zahnimplantat-Spezialist einen riesigen Sprung nach vorn gemacht. Er ist finanziell grundsolide, die Aktie hat sich seit dem Tiefstpunkt mehr als verfünffacht, und entsprechend stieg der Firmenwert von 1,5 auf 8 Milliarden Franken.

Die Firma hatte in dieser Zeit viel an die Hand genommen, Geschäftsmodelle überdacht und die Kosten in den Griff bekommen. Vieles wäre ohne diese Krise wohl gar nicht angepackt worden, sagte Verwaltungsratspräsident Gilbert Achermann vor Journalisten am ITI World Symposium in Basel. Der Kongress für Zahnimplantologie wurde von 4700 Fachleuten besucht und ging am Samstag zu Ende.

Wie weggeblasen sind auch die Sorgen von Thomas Straumann, die den Grossaktionär 2011/12 noch peinigten und ihn in eine Finanzklemme führten. Immer wieder kursierten Übernahmegerüchte. Diese sind aber dürftig. Eine Übernahme ohne die Zusagen der Hauptaktionäre ist kaum denkbar.

Die Aktionäre Ruedi Maag, Thomas Straumann und ihre Ehefrauen halten 37 Prozent an der Implantat-Firma. «Warum sollte ich verkaufen? Die Firma macht Spass, und wir sind unglaublich gut aufgestellt», sagte Straumann.

Schon immer war Straumann praxis- und wissenschaftsnah. Das verschaffte der Firma grosse Wettbewerbsvorteile: Zahnärzte werden im Bereich Implantologie aus- und weitergebildet, aber das bindet sie bis zu einem gewissen Grad an die Firma. Straumann sagt wiederum, die Qualität der Zahnärzte helfe auch dem eigenen Erfolg: Es gibt dadurch weniger Ausfälle und Pannen.

Wie unabhängig ist ITI?

Bereits vor 37 Jahren wurde die Vereinigung ITI (International Team for Implantology) von Fritz Straumann aus Waldenburg und Professor André Schroeder aus Bern zum Austausch des Fachwissens ins Leben gerufen. Heute ist das ITI mit über 15 000 Mitgliedern wie weltgrösste Fachorganisation.

Immer wieder taucht die Frage auf, wie unabhängig ITI von Straumann sei. Man habe sich der wissenschaftlichen Unabhängigkeit verschrieben und dem nicht profitorientierten Denken, heisst es auf der ITI-Website. «Straumann hat keine Weisungskompetenz», ergänzt Achermann. Andererseits: ITI hat mit Straumann eine exklusive Partnerschaft.

Ein Konkurrent wie Nobel Biocare ist nicht Partner. Aber das Symposium stünde als Teilnehmern allen Fachleuten offen. Auch die Straumann-Firmen Neodent und Medentica, die den weniger teuren «Value»-Bereich abdecken, haben am Symposium beispielsweise keinen Präsentationsstand.

«Wir befinden uns in einem klassischen Oligopolmarkt: Wenige grosse, viele kleine Anbieter», sagt Achermann. Nach Straumann (23 Prozent Marktanteil) komme Danaher mit Nobel Biocare (19%), Dentsply (15 %), Zimmer Biomet (10%) und Henri Schein mit Camlog (7%). Danach folgen rund 400 kleinere Firmen, viele davon Neugründungen. Gilbert Achermann: «Die Konkurrenz ist hart.»