Ein Gerücht jagt das nächste. Glaubt man ihnen, stünde Novartis bald vor einem grossen Deal. Sogar von einer Fusion mit Roche war kürzlich unter Börsenhändlern die Rede. Zumindest dieses Gerücht darf als ziemlich realitätsfern verbucht werden. Der zu erwartende Widerstand der Roche-Erbenfamilien, strategische Differenzen und kartellrechtliche Probleme – Stichwort Krebsmedikamente – sind nur einige der Gründe, die gegen ein solches Vorhaben sprechen.

Eine andere Spekulation dreht sich um das Gemeinschaftsunternehmen, das sich im Besitz von Novartis sowie dem britischen Pharmakonzern GSK befindet und rezeptfreie Medikamente vertreibt. Novartis besitzt 36,5 Prozent an der Firma. Nun soll GSK dem Basler Konzern diesen Anteil abkaufen, wie die britische Zeitung «The Sunday Times» am Wochenende berichtete. Die Aktionäre von GSK würden auf diesen Schritt vorbereitet. Die Zeitung nennt eine Summe von umgerechnet 10,3 Milliarden Franken, die Novartis erhalten würde.

Übernahme im grossen Stil?

Das Gerücht steht jedoch auf wackeligen Beinen. Laut der Vereinbarung zwischen den beiden Pharmakonzernen ist es an Novartis und nicht an GSK, den Verkauf der Beteiligung auszulösen. Die Basler besitzen eine Option, ihren Anteil ab März 2018 ganz oder in Tranchen an GSK zu veräussern. Ein Verkauf steht also gleich aus zwei Gründen nicht unmittelbar bevor. Novartis wollte sich auf Anfrage nicht zu dieser Spekulation äussern.

Und schliesslich hält sich seit einiger Zeit das Gerücht, Novartis könnte den britisch-schwedischen Konkurrenten Astrazeneca kaufen. Dieser wäre jedoch nicht ganz billig zu haben, wird doch die Firma an der Börse derzeit mit umgerechnet über 85 Milliarden Franken bewertet.

Zukäufe wären teuer

Auch wenn die einzelnen Gerüchte nicht sehr gehaltvoll erscheinen mögen, verfestigt sich an der Börse offenbar der Eindruck, Novartis stehe unter Zugzwang, einen Zukauf zu tätigen. Dafür gebe es mehrere Auslöser, sagt Stefan Schneider, Analyst der Bank Vontobel. So sei es nicht ganz klar, ob es dem Pharmakonzern gelinge, die Umsatzeinbusse aufgrund auslaufender Patente mit neuen Medikamenten zu ersetzen. In der Vergangenheit habe Novartis solche Lücken mit Übernahmen geschlossen, etwa mit dem Kauf des Augenmittelherstellers Alcon.

Genau diese Firma könnte Novartis nun bald verkaufen. Der Pharmakonzern prüft, ob er die schwächelnde Sparte behalten oder in irgendeiner Form abstossen will. Ein Entscheid soll gegen Ende Jahr fallen. Mit dem Verkaufserlös hätte das Unternehmen frisches Geld für Zukäufe. Schneider ist deshalb über die diversen Spekulationen an der Börse nicht überrascht. Er gibt aber zu bedenken, dass viele mögliche Zukaufs- und Übernahmeziele sehr teuer sind. Novartis habe sein Heil daher in jüngster Zeit vor allem in kleineren Deals gesucht, die meist weniger als eine Milliarde Dollar kosteten. Schneider ist daher skeptisch, dass Novartis noch dieses Jahr eine grosse Übernahme tätigen wird.