Medizinaltechnik

Ypsomed gibt Vollgas – auch in Solothurn

Ypsomed ist ein Familienunternehmen. Im Bild Firmengründer und Verwaltungsratspräsident Willy Michel (links) und sein Sohn, Unternehmenschef Simon Michel (rechts). (Archiv)

Ypsomed ist ein Familienunternehmen. Im Bild Firmengründer und Verwaltungsratspräsident Willy Michel (links) und sein Sohn, Unternehmenschef Simon Michel (rechts). (Archiv)

Das Medizinaltechnikunternehmen Ypsomed ist im vergangenen Geschäftsjahr erneut deutlich gewachsen. Der Hersteller von Insulinpumpen und Injektionssystemen steigerte den Umsatz um knapp 10 Prozent auf 337 Millionen Franken.

«Wir dürfen nicht jammern.» Simon Michel, CEO der Ypsomed AG mit Hauptsitz in Burgdorf, hat recht. Die Medizinaltechnikgruppe hat im Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende März) sowohl umsatz- wie ertragsmässig die eigenen Erwartungen deutlich übertroffen. Doch davon später.
Der positive Geschäftsverlauf beeinflusst auch die Beschäftigung. Und davon profitiert das Ypsomed-Werk in Solothurn stark, wie Michel an der gestrigen Medienkonferenz aufzeigte.

Im letzten Geschäftsjahr habe Ypsomed in Solothurn knapp 30 neue Stellen geschaffen. Und im laufenden Geschäftsjahr sollen weitere 60 Arbeitsplätze hinzukommen. Dannzumal werden in Solothurn 270 Mitarbeitende für Ypsomed tätig sein. Zwei Jahre zuvor waren es 180. Insgesamt wollen die Burgdorfer gruppenweit den Personalbestand um über 130 auf 1'300 Beschäftigte erhöhen.

Der Ausbau soll aufgrund der Lancierung neuer Infusions- und Injektionssysteme und der erwarteten Umsatzentwicklung weitergehen. Michel: «In den kommenden drei Jahren werden wir an den Standorten Burgdorf und Solothurn über 100 Millionen Franken investieren, bis sämtliche bestehenden Infrastrukturkapazitäten genutzt sind.»

Start in Solothurn im November

Dem Werk Solothurn kommt zugute, dass im Rahmen einer erweiterten Lohnfertigung für den Pharmakonzern Sanofi eine neue, hochautomatisierte Produktionslinie installiert wird. Darauf werden Pen-Komponenten für verschiedene Injektionssysteme gefertigt (wir berichteten). Die Anlagen sollen im kommenden November in Betrieb gehen, sagte Michel. Seit 2004 ist Ypsomed in Solothurn angesiedelt.

Einerseits werden Einwegpens gefertigt. Diese Injektionssysteme zur dosierten Abgabe von Insulin an Diabetiker werden rund um die Uhr produziert. Andererseits ist in Solothurn die Produktion von Injektionsnadeln konzentriert. Die Infrastrukturen in Burgdorf und in Solothurn böten noch bis 2019/20 genügend Platz, ergänzte Willy Michel, Firmengründer, Verwaltungsratspräsident und Vater von Simon Michel.

Ob die Standorte Solothurn und Burgdorf vom nächsten Wachstumsschub auch profitieren werden, ist offen. Nachgedacht wird über den Neubau einer Fabrikationsstätte. «Wir evaluieren auch Standorte im Ausland.» Entscheidend sei etwa die tatsächliche Gesamtbesteuerung, schreibt Willy Michel im Geschäftsbericht. Und: «Weitere Faktoren sind Beiträge von der lokalen Wirtschaftsförderung in Form von Steuerbefreiung oder Investitionssubventionen.» Damit wiederholt er bereits im Zusammenhang mit dem Standort-Entscheid für die «Sanofi-Anlage» gemachte Aussagen.

Die Lohnkosten in der Produktion seien hierzulande im Vergleich mit dem Ausland viel höher. Simon Michel erläuterte das am Beispiel der Tochterfirma Ypsotec in Grenchen. «Ein Polymechaniker im tschechischen Schwesterwerk des Präzisionsteileherstellers verdient 4,5-mal weniger als jener in Grenchen.» Trotzdem sei die Aufgabe des Grenchner Werkes kein Thema.

In der Uhrenstadt seien die anspruchsvollen Drehkompetenzen, in Tschechien die Fräskompetenzen konzentriert. In Grenchen hat sich der Mitarbeiterbestand bei 86 Personen stabilisiert. Insgesamt hat Ypsotec «in einem schwierigen Marktumfeld» ein leicht positives Betriebsergebnis erzielt.

Insgesamt erwirtschaftete Ypsomed 2015/16 ein Umsatzplus von 10 Prozent auf 337 Millionen Franken. Das Betriebsergebnis nahm um 56 Prozent auf 44 Millionen Franken zu, die Ebitmarge von 9,3 auf 13,2 Prozent. Unter dem Strich resultierte ein Reingewinn von 36 Millionen Franken, fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Für das laufende Geschäftsjahr wird ein beschleunigtes Umsatzwachstum von 12 Prozent und eine Betriebsgewinnsteigerung auf 55 Millionen Franken erwartet.

«Wir wollen Tesla sein»

Um diese und die weiteren Ziele zu erreichen, will Ypsomed auch künftig stark in Forschung und Entwicklung investieren, 9 bis 10 Prozent vom Umsatz. Der Fokus liege etwa auf intelligenten Injektionssystemen und Insulinpumpen (Überwachung und Steuerung der Medikamenteneinnahme über das Smartphone). «Wir wollen in unserem Geschäftsfeld die Rolle von Tesla im Autobau übernehmen», meinte Simon Michel. Zudem spielen auch externe Faktoren in die Hände der Burgdorfer.

Die Zahl der Diabetiker werde von heute 400 auf 600 Millionen in 20 Jahren steigen. Und die Ypsomed-Produkte können verstärkt auch für andere Medikamente dienen. «70 Prozent der neu auf den Markt kommenden Medikamente werden nicht mehr geschluckt, sondern gespritzt. Da sind wir Experten.»

Zu Klagen haben Willy und Simon Michel übrigens noch aus einem anderen Grund nichts. Die Dividende wird nämlich um zwei Drittel auf 1 Franken pro Namenaktie angehoben. Die Aktionärsgruppe «Familie Michel» hält
72,7 Prozent der Ypsomed-Titel.

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