Youngtimers
Fiat-Erbe Lapo Elkann startet aus der Schweiz eine Handelsplattform für Luxuskarrossen

Hinter der kleinen börsennotierten Basler Firma Youngtimers AG stehen grosse Vermögen mit noch grösserem Glamour-Faktor.

Christian Mensch
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Lapo Elkann mit einem luxussanierten Fiat 500 bei der Eröffnung seiner Garage Italia in Mailand.

Lapo Elkann mit einem luxussanierten Fiat 500 bei der Eröffnung seiner Garage Italia in Mailand.

Alamy / www.alamy.com

Lapo Elkann hat allem abgeschworen, was ihn zum Liebling des italienischen Boulevards machte; keine ausschweifenden Partys mehr, keine Ausflüge im Drogenrausch. Der Enkel des Fiat-Gründers Agnelli will nun als Unternehmer punkten. Doch ganz in der Familientradition mit Autos.

Sein Vehikel ist die Mailänder «Garage Italia», ein Labor für italienisches Highend-Design. Sein trendigstes Produkt sind Ikonen des italienischen Autobaus, die eine Luxusausstattung und einen Elektromotor erhalten. Die Garage Italia mitsamt Beteiligung an sizilianischen Werkstätten gehört nun der Basler Beteiligungsgesellschaft Youngtimers AG.

Mit Glamour Mailand und New York

Elkann hat gleichzeitig per Kapitalerhöhung einen Anteil von 23 Prozent an der Gesellschaft erworben, die das Geschäft ausbauen und mit weiteren Aktivitäten ergänzen will. Das Zielpublikum ist eine jüngere Generation mit einem Faible für Autos und lockerer Brieftasche. Angesprochen werden soll dies nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und im asiatischen Raum. Dort finden sich auch Elsanns Geschäftspartner.

Kunst- und Autosammler Adam Lindemann.

Kunst- und Autosammler Adam Lindemann.

Patrick Mcmullan / Patrick McMullan

Einen ähnlichen Glamour-Faktor wie Elkann in Mailand geniesst Adam Lindemann in New York. Der Spross einer Familie, die sich mit Gaspipelines in die Gilde der Milliardäre eingereihte, tritt gleichermassen als Investor wie als Kunsthändler und -sammler in Erscheinung. Seine Sammelleidenschaft gilt jedoch nicht allein der Kunst der Moderne, sondern auch Automobilen. Seine aktuelle Idee ist eine globale Plattform für «collectible cars», Autos, die als Sammelstücke gehalten oder gehandelt werden. Entwickelt wird eine Onlinehandelsplattform, geplant sind auch physische Events wie Ausstellungen oder Versteigerungen.

Eine Achse nach Asien und zu einem russischen Investor

Lindemann hält mit rund drei Prozent zwar wenige Aktien der Youngtimers, figuriert jedoch als Präsident des Verwaltungsrates. Ebenfalls im Gremium sitzt Clive Ng, der einerseits einen Viertel des Kapitals vertritt, andererseits den asiatischen Raum öffnen soll. Ng ist ein Vertrauter des Milliardärs Adrien Cheng, der in Hongkong etwa das Kommerz- und Kulturzentrum K11 betreibt.

Ein weiterer Viertel der Aktien hält die Lausanner Firma, die nach mehreren Wechseln nun Good Cause Capital SA heisst. Dahinter steht das Kapital des russischen Unternehmers Sergey Skaterschikov. Dieser soll auch die neue Investorenrunde zusammengestellt haben.

Das Interesse an der Art Basel – bis James Murdoch auftauchte

Dass die Youngtimers aus Basel agiert, könnte Strategie sein. Schliesslich zielte und zielt der Messekonzern MCH Group mit der Art Basel und der mittlerweile eingestellten Automesse Grand Basel auf die gleiche Klientel, die alles sammelt, was als sammelbar und werthaltig angesehen werden könnte. Und sowohl Skaterschikov als auch Cheng hatten sich ernsthaft und um einen Kauf der Art Basel bemüht, bevor mit James Murdoch ein Grossinvestor auftauchte, der noch etwas mehr Kapital und Sozialprestige in die Waagschale legen konnte.

Die Geschichte der Youngtimers lässt allerdings vermuten, dass Basel mittlerweile eher zufällig Sitz der börsennotierten Firma ist. Diese hiess einst EL5 und agierte von Genf aus erfolglos im Energiebereich. Daraus wurde TheNative, die als Beteiligungsholding ohne erkennbaren Erfolg Digitalprojekte lancierte. Zuletzt war die Firma ohne Aktivität und von einem ehemaligen Manager mit Honorarforderungen in Zwangsliquidation gebracht worden.

Die Altlasten sind bereinigt und die Kasse wird mit 35 Millionen Franken für Akquisitionen gefüllt sein, wenn alle Investoren ihre Verpflichtungen erfüllen. An Fantasie fehlt es nicht.