Wirtschaft

Wo die lukrativsten Jobs sind und wer lohnmässig unten durch muss – 9 Erkenntnisse zu den Löhnen in der Schweiz

Bei den Löhnen gibt es grosse Unterschiede zwischen Jobs, Branchen und Geschlechtern.

Bei den Löhnen gibt es grosse Unterschiede zwischen Jobs, Branchen und Geschlechtern.

Rund 6500 Franken pro Monat – das ist der Medianlohn in der Schweiz. Doch es gibt gewaltige Unterschiede zwischen Jobs, Branchen und Geschlechtern. Was sie wissen müssen über die jüngste Lohnumfrage des Bundes - in neun Erkenntnissen.

Über Geld und Löhne redet man nicht in der Schweiz. Das mag für den oder die Einzelne stimmen. Der Bund fragt jedoch regelmässig bei zehntausenden Betrieben nach, welche Löhne sie ihren Angestellten am Monatsende auf das Lohnkonto ausbezahlen. Daraus errechnet das Bundesamt für Statistik (BFS) einen detaillierten Überblick über die Löhne in der Schweiz. Diese Woche veröffentlichte das Amt die neueste sogenannte Lohnstrukturerhebung, die sich auf das Jahr 2018 bezieht.

1. Der Lohn des «Durchschnittseinwohners»

Die magische Zahl lautet: 6538. So viele Franken beträgt der monatliche Median-Bruttolohn nach der BFS-Erhebung. Dieser sogenannte Zentralwert sagt aus, dass genau die Hälfte der Arbeitnehmenden weniger und die andere Hälfte mehr verdient. Es ist das bevorzugte Mass um die Lohnentwicklung zu beschreiben, weil so besonders hohe und tiefe Löhne das Resultat nicht verzerren.

Allerdings heisst das nicht, dass die meisten Einwohner ungefähr so viel verdienen. Die Unterschiede sind nach Branche, Job oder Region teilweise enorm. Zum Beispiel: Der häufigste Lohn in der Schweiz liegt unter 6500 Franken. Die grösste Gruppe der Männer verdient zwischen 5000 und 6000 Franken (rund 20 Prozent), die grösste Gruppe der Frauen zwischen 4000 und 5000 Franken (rund 17 Prozent). Auf dem Konto ist es dann – nach Abzügen von Sozialversicherungsbeträgen – netto nochmals etwas weniger.

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2. Kurzfristig stagnieren die Löhne, langfristig sind sie gestiegen

Der Medianlohn (6538 Franken) hat sich seit der letzten Erhebung 2016 kaum verändert: Die Steigerung beträgt rund ein halbes Prozent. In diesen zwei Jahren berechnete das BFS aber eine Teuerung von 1,5 Prozent, was bedeutet, dass den Angestellten effektiv weniger im Portemonnaie blieb.

Auf längere Sicht sieht es besser aus: Im Vergleich zur Lohnerhebung von 2008 ist der Medianlohn von 6051 auf 6538 Franken gestiegen (+7,4 Prozent). In der gleichen Zeit sank die Teuerung um 0,6 Prozent. Laut BFS stiegen die Löhne der 10 Prozent der am besten und am schlechtesten Verdienenden in dieser Zeit mit jeweils über 9 Prozent am stärksten. Somit habe sich die Lohnschere kaum verändert, heisst es beim BFS. Die Mittelschicht kam auf ein Lohnwachstum von etwas über 7 Prozent.

3. Tiefere Löhne im systemrelevanten Gesundheitswesen

Ausgerechnet im Gesundheitswesen, das derzeit seine Systemrelevanz unter Beweis stellt, weist die Lohnstrukturerhebung einen tieferen Durchschnittslohn aus als vor zwei Jahren. Lag der Medianlohn 2016 für die Kategorie Gesundheits- und Sozialwesen noch bei 6430 Franken, ist er 2018 auf 6406 Franken gesunken.

In der langfristigen Sicht sieht es auch nicht besser aus: Die Löhne im Gesundheits- und Sozialwesen sind in den vergangenen zehn Jahren zwar um 5,8 Prozent gestiegen - das ist jedoch deutlich weniger als beispielsweise in der Pharmaindustrie (+14,1 Prozent) und auch im Gastgewerbe/Hotellerie (+10,3 Prozent) und Detailhandel (+8,7 Prozent).

4. Pharma, Banken/Versicherungen und IT bleiben am lukrativsten

An der Spitze der Lohn-Hitparade stehen die üblichen Verdächtigen. Die höchsten Löhne bezahlen die Banken und Versicherungen mit Grundlöhnen von fast 10'000 Franken pro Monat. Es folgen die Pharmaindustrie (9900 Franken) und die IT (9000 Franken).

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5. Restaurants, Hotels und Detailhandel am unteren Ende

Am anderen Ende der Hitparade trifft man ebenfalls keine Überraschungen an: Im Gastgewerbe und in der Hotellerie beträgt das Durchschnittsgehalt rund 4400 Franken, im Detailhandel 4900 Franken. Noch weniger wird in der Kategorie Persönliche Dienstleistungen mit rund 4150 Franken bezahlt. Darunter fallen beispielsweise Coiffeure.

Entsprechend verzeichneten diese Wirtschaftszweige auch die höchsten Anteile von Tieflohnstellen (Bruttolohn von weniger als 4359 Franken): Detailhandel (24,4 Prozent), Gastronomie (44,7 Prozent), Herstellung von Bekleidung (56 Prozent) und persönliche Dienstleistungen (57,3 Prozent).

Derzeit gar nicht und bald unter erschwerten Bedingungen möglich: Coiffeurbesuch in Coronazeiten.

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6. Frauen holen auf, aber nur sehr langsam

Der Unterschied zwischen den höheren Verdiensten von Männern und den tieferen von Frauen betrug 2018 rund 11,5 Prozent – 2018 lag der Unterschied bei 12 Prozent, zwei Jahre davor waren es 12,5 Prozent. Ein sehr gemächliches Tempo. Im privaten Sektor verdienten Frauen 14,4 Prozent, im öffentlichen Sektor 11,4 Prozent weniger als Männer.

Bei dieser Prozentzahl handelt es sich jedoch nicht um die unerklärbare Differenz zwischen den Männer- und Frauenlöhnen. Die Unterschiede liessen sich teilweise durch strukturelle Merkmale und unterschiedliche Tätigkeiten erklären, teilte das BFS mit. Besonders das Verantwortungsniveau am Arbeitsplatz oder der Wirtschaftszweig hätten einen grossen Einfluss auf die Unterschiede.

Dass es bis zur Gleichstellung vor allem in Topmanager-Positionen noch ein weiter Weg ist, zeigen aber beispielsweise diese Zahlen: Bei Stellen mit einem monatlichen Bruttolohn von weniger als 4500 Franken lag der Frauenanteil bei 58,3 Prozent. Von den Stellen mit einem Lohn von über 16'000 besetzten Frauen nur gerade 17,6 Prozent.

7. Zürich bleibt das beste Pflaster, Tessin verliert Boden

Zwischen den Regionen unterscheiden sich die Schweizer Löhne ebenfalls markant. Die höchsten Löhne werden in der Region Zürich sowie der Nordwestschweiz (AG, BL, BS) bezahlt mit Medianlöhnen von 6965 respektive 6714 Franken. Führungskräfte erhalten sogar 9221 respektive 8874 Franken. Dies erklärt sich durch den Finanzplatz in Zürich und die Pharma in Basel.

Gegen unten fällt das Tessin aus der Reihe, und zwar deutlich. Der Medianlohn beträgt dort 5363 Franken, rund 1600 Franken weniger als in Zürich und sogar 200 Franken weniger als bei der Erhebung zwei Jahre zuvor.

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In der Zentralschweiz lag der Medianlohn bei 6438 Franken. Das ist geringfügig weniger als zwei Jahre zuvor, als der Medianlohn 6451 Franken betrug. Noch etwas tiefer war der Medianlohn in der Ostschweiz mit 6118 Franken. Hier gab es eine leichte Steigerung (2016: 6098 Franken).

8. Die Boni steigen wieder

Erhalten Sie einen Bonus? Dann gehören sie zum Drittel der Arbeitnehmenden, die von einer solchen Sonderzahlung zusätzlich zum Lohn profitiert. 2018 betrug der durchschnittliche Bonus 9913 Franken. Das ist fast zehn Prozent mehr als 2016. Noch immer liegt das aber deutlich unter dem Niveau von 2008, als der durchschnittliche Bonus rund 11'700 Franken betrug.

Wiederum sind die Unterschiede gewaltig: Personen ohne Führungsverantwortung erhielten, wenn sie einen Bonus erhielten, durchschnittlich 4137 Franken. Demgegenüber stehen die oberen Kader in der Pharmaindustrie und bei den Finanzdienstleistern, die mit 80'000 respektive fast 90'000 Franken so viel Bonus erhalten wie ein Durchschnittseinwohner als Jahreslohn.

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Ebenfalls auffallend: Die Schere zwischen Männern und Frauen ist noch grösser als beim Grundlohn. Frauen erhalten über die Hälfte weniger Boni als Männer.

9. Führungskräfte aus dem Ausland verdienen mehr als Schweizer

Über alle Arbeitnehmer gesehen verdienen Ausländer in der Schweiz weniger als Schweizerinnen und Schweizer (6873 Franken für Schweizer gegenüber 5886 Franken für Ausländer). Eine Ausnahme gibt es aber: Unter den Führungskräften haben Ausländer einen Vorsprung auf Schweizer. So erhielten Grenzgängerinnen und Grenzgänger im oberen Kader 10'750 Franken, Personen mit Aufenthaltserlaubnis 12'510 Franken, Schweizer Staatsangehörige jedoch lediglich 10'138 Franken.

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