Freihandel schafft Wohlstand – diese Formel überzeugt in den alten Industrieländern immer weniger Bürger. Auf dem Vormarsch sind Politiker mit protektionistischen Wirtschaftsprogrammen. Diese Aussicht kann Jörg Wolle nicht gefallen. Während 26 Jahren jagte der Deutsche durch Asien, um westlichen Firmen den Zugang zu den vielversprechenden Märkten im Fernen Osten zu öffnen. DKSH, wie die Firma aus den alteingesessenen Zürcher Handelsunternehmen Diethelm-Keller und Sieber-Hegner seit ihrer Fusion vor 15 Jahren heisst, ist eine Erfolgsgeschichte, die eng mit der Globalisierung verknüpft ist.

Der Eintritt Chinas in die Weltwirtschaft fällt mit der Gründung von DKSH zusammen. Das beispiellose Tempo, mit dem das Reich der Mitte seit 2002 gewachsen ist, hat dem Schweizer Handelshaus einen Expansionsschub ermöglicht. Doch es blieb nicht bei der Öffnung Chinas. Zahlreiche Länder Südostasiens haben sich über die Freihandelszone Asean ebenfalls der wirtschaftlichen Öffnung verschrieben und sich ähnlich spektakulär entwickelt.

Umsatz verdreifacht

In den Ländern, wo DKSH tätig war, waren in der ersten Dekade nach dem Millienniumswechsel Wachsumsraten von sieben bis zehn Prozent die Norm. In diesem Stil ging es auch mit DKSH voran, wie Wolle gestern auf seiner letzten Bilanzmedienkonferenz als CEO erklärte. Der Umsatz habe sich in den 15 Jahren seit der Fusion auf 10,5 Milliarden Franken verdreifacht und der Betriebsgewinn ist mit 293 Millionen Franken sogar fünfmal so hoch wie damals. Nicht weniger als 15 000 Arbeitsplätze seien in jenen Jahren entstanden, resümierte Wolle, der über die ganze Wachstumsphase auf dem Führersitz sass.

Nun wird Wolle Verwaltungsratspräsident und überlässt die operative Arbeit seinem designierten Nachfolger Stefan Butz. Und Wolle ist «sicher», dass DKSH unter der Führung von Butz die gestern vorgelegten Rekordzahlen im laufenden Jahr erneut übertreffen wird. Die Vorgabe ist gesetzt und sie ist beileibe nicht bescheiden. Im zurückliegenden Jahr hat DKSH zwar die Verkäufe um 4,5 Prozent gesteigert und den Betriebsgewinn sogar um 8,4 Prozent erhöht. Der Reingewinn von 213 Millionen Franken ist ebenfalls solide und lässt die Ausschüttung einer höheren ordentlichen Dividende von fast 100 Millionen Franken (1.50 Franken je Aktie) zu. Darüber hinaus sollen die Aktionäre sogar noch in den Genuss einer Sonderdividende von 3 Franken je Aktie oder gegen 200 Millionen Franken gelangen. Mit dieser letzteren Ausschüttung lässt DKSH ihre Eigentümer an der in den goldenen Jahren der Globalisierung erwirtschafteten Unternehmenssubstanz partizipieren.

Offen ist, wie es weitergeht. Bei DKSH glaubt man, dass sich das Unternehmen zum Teil «von der Branchenkonjunktur abgekoppelt» hat. Doch das in schwierigen Bedingungen erzielte Rekordergebnis ist wohl noch kein Beleg dafür. Der Aktienkurs ist gestern zwar um fast 9 Prozent auf über 80 Franken gestiegen und der Börsenwert des Konzerns ist mit 5,3 Milliarden Franken 60 Prozent höher als beim Börseengang vor fünf Jahren. Doch seit dem Höhepunkt vor vier Jahren verläuft der Kurs seitwärts. Die neuen handelspolitischen Verhältnisse sind kein Versprechen für die Zukunft.