Konjunktur

Wirtschaftsboom: Nun sinkt auch die «richtige» Arbeitslosenquote

Die Stellensuche wird einfacher. (Symbolbild)

Die Stellensuche wird einfacher. (Symbolbild)

Lange blieb die Arbeitslosigkeit in der Schweiz hartnäckig hoch. Obschon gerade Hochkonjunktur ist: die Wirtschaft wird dieses Jahr um knapp 3 Prozent wachsen. Doch nun scheint der Boom endlich am Arbeitsmarkt angekommen zu sein.

Im dritten Quartal 2018 ist die Arbeitslosenquote gemäss dem Internationalen Arbeitsamt (ILO) auf 4,4 Prozent abgesunken. Zum Vorjahr ist das ein Rückgang um 0,6 Prozentpunkte. Zuvor hatte die Entwicklung der Arbeitslosenquote lange negativ überrascht. Trotz der kräftig wachsenden Wirtschaft erhöhte sich die Arbeitslosenquote laut ILO im zweiten Quartal auf 4,6 Prozent. Im Vorjahresquartal lag sie bei 4,4 Prozent.

"Wir waren etwas negativ überrascht von diesen Zahlen", sagte Michael Siegenthaler damals, Arbeitsmarktexperte bei der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF).

Damit ist nun auch die „richtige“ Schweizer Arbeitslosenquote gesunken. In der Schweiz wird nämlich vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) die so genannte "registrierte Arbeitslosigkeit" herausgegeben. Diese Statistik erfasst nur jene Arbeitnehmer, die bei den regionalen Arbeitsvermittlungszentren gemeldet sind.

Diese Arbeitslosenquote nach Seco hat schon 2017 den Höhepunkt in diesem Konjunkturzyklus überschritten. 2018 sank sie nochmals deutlich ab. Oftmals wurde von der tiefsten Arbeitslosigkeit seit zehn Jahren gesprochen.

Langzeitarbeitslosigkeit unterschätzt  

Doch die Arbeitslosenquote nach Seco ist verzerrt, wie unter anderem der Arbeitgeberverband einmal in einer Analyse festhielt. "Sie unterschätzt unter anderem die Langzeitarbeitslosigkeit und auch die Jugendarbeitslosigkeit", wie Simon Wey schrieb, Ökonom beim Arbeitgeberverband.

Mehr als die Hälfte aller arbeitslosen Personen in der Schweiz sei nicht bei einem RAV gemeldet und somit in der registrierten Arbeitslosenquote nicht erfasst. Mit anderen Worten: die Arbeitslosenquote nach Seco erfasst die tatsächliche Arbeitslosigkeit gerade mal zur Hälfte.

Unglückliche Bezeichnung

Ein genaueres Bild über die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz gibt die Arbeitslosenquote, die vom Bundesamt für Statistik erhoben wird nach den Vorgaben des Internationalen Arbeitsamts (ILO). Diese Arbeitslosenquote wird "Erwerbslosenquote" bezeichnet.

Diese etwas unglückliche Bezeichnung erweckt den falschen Eindruck erweckt, es handle sich um etwas anderes als eine Statistik zur Arbeitslosigkeit. Entsprechend findet sie vergleichsweise wenig öffentliche Beachtung.

Dabei ist die Erwerbslosenquote der Arbeitslosenquote nach Seco "in fast allen Belangen überlegen", sagt Wey vom Arbeitgeberverband. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich empfiehlt darum schon seit Längerem, die Erwerbslosenquote umzubenennen in «Arbeitslosenquote gemäss ILO». 

Dennoch liefert die registrierte Arbeitslosenquote nach Seco wertvolle Daten über den Trend am Arbeitsmarkt. So wird diese Statistik jeden Monat ausgewiesen und nicht wie die Erwerbslosenquote nur quartalsweise.

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