Transparenz
Wirte wollen Hygiene-Bewertung nicht transparent machen

Gäste sollen die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen in Restaurants einsehen können. Damit will der Bundesrat Transparenz für de Konsumenten schaffen.

Roman Schenkel
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Bis jetzt blieben die Ergebnisse der Lebensmittelkontrollen in Restaurants oder Kebab-Ständen für die Gäste unter Verschluss. Fällt ein Betrieb bei einer Kontrolle punkto Hygiene durch, muss er den Zustand beheben und die Busse bezahlen. Dann darf er das Lokal wieder eröffnen. Die Gäste aber haben nie davon erfahren.

Das soll sich künftig ändern. Der Bundesrat fordert im Entwurf zur Revision des Lebensmittelgesetzes mehr Transparenz für die Konsumenten. Sie sollen wissen, wenn ein Betrieb in einer Lebensmittelkontrolle hängengeblieben ist. Der Bundesrat verzichtet aber auf eine Liste im Internet, auf dem die fehlerhaften Betriebe aufgelistet werden. Neu soll es aber auf Verlangen der Gäste möglich sein, die Resultate der amtlichen Kontrollen einzusehen. Der Vorschlag der Regierung geht jetzt ins Parlament.

«Keinen Pranger»

Zufrieden mit der geforderten Transparenz ist die Stiftung Konsumentenschutz (SKS): «Grundsätzlich begrüssen wir den Entscheid des Bundesrats», sagt SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder. Schon seit Jahren setzt sich die SKS für eine transparente Information über die Kontrollen der Kantonschemiker in den Gastrobetrieben ein. Mit der Botschaft und dem Gesetzesentwurf habe der Bundesrat nun einen wichtigen und guten Schritt gemacht. Wie weit die Transparenz bei den Kontrollberichten den Bedürfnissen der Konsumenten entgegenkomme, werde sich jedoch im Verordnungsrecht weisen, welches von der Verwaltung erst ausgearbeitet wird.

Stalder hat konkrete Vorstellungen, wie die Transparenz von Restaurants aussehen könnte: «Wir wollen keinen Pranger, bei dem ein Betrieb wegen einer einzigen Beurteilung verurteilt wird.»

Bewertung in der Speisekarte

Der Konsumentenschutz schlägt deshalb ein Beurteilungssystem mit verschiedenen Kategorien vor. Pro Kategorie – beispielsweise für die Hygiene, die Lagerhaltung oder die Dokumentenführung – werden «Smileys» vergeben. Die Resultate der Kontrollen könnten im Eingangsbereich aufgehängt sein oder der Speisekarte beiliegen. «So kann sich der Gast ein differenziertes und doch verständliches Bild machen, wie ein Betrieb geführt ist», sagt Stalder. Sind mehrheitlich lachende Smileys vorhanden, kann man getrost seine Bestellung aufgeben. Ist das Gegenteil der Fall, sollte man sich besser nach einem anderen Lokal umsehen. In Dänemark ist ein solches Beurteilungssystem bereits in Kraft (siehe Bild).

«Instrument ist bereits scharf genug»

Keine Freude an der bundesrätlichen Forderung nach mehr Transparenz in den Schweizer Restaurants hat Gastrosuisse. Der Verband der Schweizer Gastronomie wehrt sich mit Händen und Füssen gegen den «Amtsschimmel». «Es ist nicht nötig, den Finger auf jede Rösti zu halten», sagte Gastrosuisse-Zentralpräsident Klaus Künzli an der Delegiertenversammlung von letzter Woche.

Wieso nicht, erklärt Gastrosuisse-Direktor Bernhard Kuster: «Das Instrumentarium ist bereits scharf genug.» Wenn ein Restaurant bei der Hygiene schlampe, werde der Betrieb im schlimmsten Fall geschlossen. «Mit Sicherheit wird er gebüsst und muss den Mangel beheben.» Vorher dürfe der fehlbare Wirt nicht wieder kochen. Deshalb: «Wenn ein Betrieb offen ist, kann man davon ausgehen, dass er sauber ist. Jeder wird regelmässig kontrolliert.»

Gast kann selbst Betrieb einschätzen

Den Vorschlag mit den Smileys findet Kuster alles andere als witzig: «Davon halte ich gar nichts.» Die Lebensmittelkontrollen würden nicht nur die Hygiene umfassen. «Bei den Kontrollen werden neben den Lebensmitteln auch die Prozesse, die Selbstkontrolle und die räumlichen Voraussetzungen geprüft», so Kuster.

Ein Wirt könne auch durchfallen, wenn die schriftliche Reinigungsanweisung für die eigentlich saubere Aufschnittmaschine fehle oder ein Bohrloch an der Wand nicht abgedeckt sei. «Mit den Smileys werden die Wirte an den Pranger gestellt. Das ist nicht notwendig.» Schliesslich könne jeder Gast mit einem Blick in die Gaststube abschätzen, ob ein Betrieb sauber geführt wird oder nicht.

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