Energie

Wird Raiffeisen zum Stromverkäufer?

Trotz niedriger Strompreise prüft die Raiffeisen den Einstieg ins Geschäft mit der Energie.

Trotz niedriger Strompreise prüft die Raiffeisen den Einstieg ins Geschäft mit der Energie.

Raiffeisen liebäugelt mit einem neuen Geschäftszweig: Sie prüft den Einstieg in den Energiemarkt. Konkret geht es um Schweizer Wasserkraftstrom, den sie an Bankkunden vermitteln möchte.

Es könnten schon bald Leasing-Kunden bei Elektroautos den Ökostrom für die Dauer des Leasingvertrags miteinkaufen, wie es aus dem Umfeld der Raiffeisen-Bank heisst. Ähnliche Modelle seien für Hypothekarkunden angedacht. Sie sollen ihren Wasserstrom über die Dauer der Rückzahlung mitfinanzieren und mittels installierten Speicherbatterien dann finanziell von der Rückspeisung ins Stromnetz profitieren.

Partner für diese Zukunftspläne ist die Walliser Genossenschaft E-can, die vor wenigen Wochen über ein Crowdfunding ein neues Wasserkraftprojekt gestartet hat. «Raiffeisen unterstützt dieses innovative und genossenschaftliche Projekt für erneuerbare Energien. Die Möglichkeit, nachhaltigen Strom günstig und transparent zu Marktpreisen zu beziehen, könnte auch Firmen und Haushalten spannende Perspektiven eröffnen», sagt Max Wirz, Nachhaltigkeitsexperte bei Raiffeisen.

Wasserstrom fürs Auto

Besonders das Öko-Leasing für Elektroautos ist interessant. Die E-Mobilität steht vor einem Dilemma: Bis in zwanzig Jahren, so schätzen Experten, sollen fast 60 Prozent der Neuwagen auf Schweizer Strassen Elektroautos sein. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der steigende Strombedarf aus den E-Zapfsäulen nicht nur aus erneuerbaren Quellen stammen wird. Mögliche Engpässe im Zuge der Energiewende sind schwer abschätzbar.

E-Mobilität, da sind sich Forscher einig, leistet nur ihren Beitrag zur Energiewende, wenn sie Strom aus lokalen, dezentralen und erneuerbaren Quellen bezieht und damit weniger CO2 ausstösst. Wer einen Tesla fährt und sich nicht autark versorgt, etwa mit Solarstrom auf dem eigenen Dach, der ist mit dem generell CO2-armen Strommix in der Schweiz nicht schlecht – aber nur bedingt ökologisch unterwegs. Läuft es nach Plan, kommt hier bald Raiffeisen ins Spiel. Mehr Angaben will die Bank zurzeit aber nicht machen.

Fest steht: Damit die Strompakete der Zukunft ausgearbeitet werden können, muss E-can bis März erst die geplanten 40 Gigawattstunden über das Crowdfunding einholen. Das entspricht dem Stromverbrauch von rund 10 000 Haushalten im Jahr. Die Finanzierung läuft seit Ende Oktober, aktuell seien bereits 21 Prozent der Zielgrösse über die Plattform gezeichnet worden, sagt Matthias Sulzer. Der Empa-Forscher für Energie und Gebäudetechnik hat E-can mitgegründet. Auch Raiffeisen nimmt am Crowdfunding teil. Klappt das Projekt, will die Bank 500'000 Kilowattstunden im Jahr beziehen. In einem ersten Schritt sollen acht Filialen im Wallis und Aargau damit betrieben werden.

Realtime-Strom

In einem nächsten Schritt könnte Raiffeisen die Strom-Dienstleistungen lancieren. Das E-Auto-Leasing-Paket ist für Firmen mit Fuhrparks interessant. Sie könnten mit einer eigenen E-Tankstelle betrieben werden, die Strom von E-can bezieht. «Mit einem aggregierten Produktionsbedarf können Strombezieher so als Firmen oder in Genossenschaftsstrukturen direkt Einfluss auf ein Kraftwerk nehmen», sagt Forscher Sulzer. E-can stelle sicher, dass mit einer zeitlichen Verzögerung von 15 Minuten die Menge an Wasserstrom in einem vom Kunden gewählten Wasserkraftwerk produziert werde, die er verbraucht. Kein anderes Strommodell garantiere das. Das Kraftwerk produziert den Kundenstrom wie in einem liberalisierten Strommarkt und speist ihn ein.

Dieser Strom fliesst nicht direkt in die E-Tankstelle künftiger Kunden, sondern dahin, wo er im Netz gebraucht wird. Das ist technisch nicht anders möglich. Der Firmenkunde mit seinem Fuhrpark zahlt damit weiterhin an das Elektrizitätswerk, an das er angeschlossen ist. Gleichzeitig erhält er die Erträge des verkauften Wasserkraftstroms von E-can und kann seine Energiekosten, je nach Strommarktpreis, decken.

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