Wirtschaft
Wird Mineralwasser wegen der Trockenheit bald teurer?

Die anhaltende Trockenheit hat keinen Einfluss auf die Produktion von Mineralwasser. Und trotzdem könnte sich das sprudelnde Wasser in den Ladenregalen bald verteuern. Es mangelt an einem ganz bestimmten Rohstoff.

Sven Zaugg
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Keystone

Die Seit Jahresbeginn anhaltende Trockenheit in der Schweiz erreicht allmählich rekordverdächtige Ausmasse. Ein Blick in die Niederschlagsaufzeichnungen seit Beginn der systematischen Messungen 1864 zeigt, dass das Jahr 2011 zu den bislang zehn trockensten Jahren gehört. Im Oberengadin, an der Station Segl-Maria, war es bis Mitte April gar der trockenste Jahresbeginn der Geschichte. Dass die anhaltende Trockenheit Einfluss auf die Produktion und die Preisgestaltung von Mineralwasser haben könnte, scheint daher naheliegend. Doch Michel Charbonnet, Unternehmensleiter der Aproz Sources Minérales SA gibt Entwarnung: «Die Trockenheit hat keinen Einfluss auf unsere Produktion.»

Das 1947 gegründete Unternehmen der Migros-Gruppe ist Marktführer für Mineralwasser in der Schweiz. Charbonnet spricht von einem «sehr stabilen System»: Das Wasser brauche 8 bis 12 Jahre bis es durch die verschiedenen Gesteinsarten gesickert und schliesslich in der Quelle angekommen sei. «Kurzfristigen Schwankungen ausgelöst durch eine Trockenzeit sind uns unbekannt.» Bei der Förderung des «blauen Goldes» scheint das Problem also nicht zu liegen.

Trotzdem: Für den Konsumenten könnte das Mineralwasser zukünftig teurer werden - wegen der Verpackung.

Öl und Baumwolle treiben PET-Preise in die Höhe

Derzeit bewegt sich der Preis für einen Barrel Rohöl (159 Liter) bei rund 124 Dollar. Das ist viel. Grund für den rasanten Preisanstieg des Erdöls sind unter anderem die Unruhen in Libyen.

Polyethylenterephthalat (PET) Polyethylenterephthalat (PET) ist ein durch Polykondensation hergestellter thermoplastischer Kunststoff aus der Familie der Polyester. PET wird in vielen Formen verarbeitet und vielfältig eingesetzt. Zu den bekanntesten Verwendungszwecken zählt die Herstellung von Kunststoffflaschen (PET-Flasche) aller Art und die Verarbeitung zu Textilfasern. Auch zur Herstellung von Filmmaterial, wie es im Kino verwendet wird, wird PET gebraucht. Bereits seit den 1950er Jahren wird PET zur Herstellung sehr dünner Folien benutzt. PET hat einen eigenen Recycling-Code, der die Wiederverwertung von PET-Verpackungen erleichtern soll. (sza)

Polyethylenterephthalat (PET) Polyethylenterephthalat (PET) ist ein durch Polykondensation hergestellter thermoplastischer Kunststoff aus der Familie der Polyester. PET wird in vielen Formen verarbeitet und vielfältig eingesetzt. Zu den bekanntesten Verwendungszwecken zählt die Herstellung von Kunststoffflaschen (PET-Flasche) aller Art und die Verarbeitung zu Textilfasern. Auch zur Herstellung von Filmmaterial, wie es im Kino verwendet wird, wird PET gebraucht. Bereits seit den 1950er Jahren wird PET zur Herstellung sehr dünner Folien benutzt. PET hat einen eigenen Recycling-Code, der die Wiederverwertung von PET-Verpackungen erleichtern soll. (sza)

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Hinzukommen Ernteausfälle bei der Baumwolle - unter anderem hervorgerufen durch die Flutkatastrophe im zweiten Halbjahr 2010 in Pakistan oder wetterbedingte Ausfälle in China - was den Baumwollpreis immens in die Höhe treibt und damit auch die Produktion von PET-Flaschen verteuert. Grund: Aus Mangel an Baumwolle wurden vermehrt Polyesterfasern zu Textilien verarbeitet, was die Nachfrage nach den Vorprodukten wie MEG und Paraxylen, die auch zur PET-Herstellung verwendet werden, erhöhte.

Mehrkosten könnten auf die Kunden abgewälzt werden

Zusammengefasst haben der hohe Ölkurs und die grosse Nachfrage nach den Vorprodukten MEG und Paraxylen den europäischen PET-Preis im Laufe der letzten Monate immer weiter ansteigen lassen; PET kostet derzeit in Europa rund 1650 Euro pro Tonne. Zum Vergleich: Im April 2010 lag der Preis bei rund 1200 Euro pro Tonne.

Charbonnet spricht denn auch von einem «Plastikproblem», das bereits zu spüren sei. «Die Materialkosten für PET sind markant gestiegen.» Es sei aber noch nicht abzuschätzen, ob die Mehrkosten auf das Endprodukt und schliesslich auf den Kunden abgewälzt werden. Auszuschliessen sei das aber nicht. Man analysiere derzeit die Situation, erklärt Charbonnet.

Beim Grossisten Coop, der am 1. Januar die Pearlwater Mineralquelle AG übernommen hat, vertritt man der Auffassung, dass «eine der wichtigsten Ressourcen» - gemeint ist Öl - einen Einfluss auf die Preisgestaltung haben kann, «da sowohl Transportkosten wie auch PET-Preise teilweise vom Ölpreis abhängen». Andere Faktoren hätten jedoch grösseres Gewicht. Mit eine Preisanstieg sei daher nicht zu rechnen, teilt Coop schriftlich mit.

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