Die Deutsche Bank sucht den Weg aus der Krise. Seit drei Jahren müht sich der frühere UBS-Finanzchef John Cryan am Finanzkoloss aus Frankfurt ab. Er macht das einigermassen erfolglos. Nach drei Verlustjahren kann sich der Aktienkurs noch knapp im zweistelligen Bereich halten. Gestern tauchte der Titel nochmals um knapp 3 Prozent. Die Verluste seit Anfang Jahr belaufen sich auf 30 Prozent. Die Marktkapitalisierung der einst stolzen Bank mit rund 100'000 Beschäftigten beträgt damit noch 22 Milliarden Euro. Sie bringt also nur noch knapp doppelt so viel auf die Waage wie die x-mal kleinere Privatbank Julius Bär.

Je tiefer die Deutsche Bank fällt, desto stärker kommt Konzernchef Cryan unter Druck. Er, der einst als Sanierer zur Bank gestossen ist, soll beim Präsiden- ten der Bank, Aufsichtsratschef Paul Achleitner, inzwischen bereits in Ungnade gefallen sein. Dies jedenfalls berichteten mehrere deutsche Medien über Ostern. Achleitner soll sich auch bereits nach einem Nachfolger umgesehen haben. Dabei soll er wie beim aktuellen Amts- inhaber in Zürich fündig geworden sein. Jürg Zeltner, der während Jahren das Vermögensverwaltungsgeschäft der UBS leitete, soll sich weit oben auf der Wunschliste befinden. Laut «Spiegel» sollen die beiden bereits Gespräche geführt haben.

Die grösste Schwäche

Es gibt allerdings nicht gerade viel, das für eine Wahl Zeltners sprechen würde, der über einen bekannten Branchen-Headhunter gepusht wird. Seine grösste Schwäche: Der 1967 geborene Banker hat nie als Investmentbanker gearbeitet. Zudem fehlt die nötige Erfahrung in der Steuerung einer komplexen Grossbankbilanz. Beides wäre von Vorteil, wenn man die Deutsche Bank operativ leiten will.

Jedoch liegen Manager mit entsprechender Berufserfahrung nicht wie Sand am Meer herum. Zudem ist es für einen Outsider viel einfacher, das Investmentbanking zurechtzustutzen, siehe Tidjane Thiam bei der Credit Suisse. Für Zeltner spricht, dass er Deutschland bereits gut kennt, so war er zwischen 2005 und 2008 Chef der UBS Deutschland in Frankfurt. Als Aktivposten zählt aber vor allem seine Erfahrung im internationalen Vermögensverwaltungsgeschäft. Bei der UBS leitete er die wichtige und mit viel Prestige behaftete Abteilung Wealth Management.

Die Truppe mit 15'000 Beschäftigen verwaltet insgesamt Vermögen in der Höhe von 1200 Milliarden Franken und generierte 2017 einen Vorsteuergewinn von über vier Milliarden Franken. Und die drei Buchstaben UBS strahlen trotz Beinahe-Pleite im Jahr 2008 weiterhin eine sehr grosse Anziehungskraft bei den Reichen und Superreichen dieser Welt aus. Für Zeltner spricht, dass auch die Deutsche Bank genau in diesem Segment ausbauen will. Die Wahl Zeltners käme somit einem Befreiungsschlag gleich. Ebenfalls als Cryan-Nachfolger wird auch UBS-Präsident Axel Weber genannt. Doch dieser wäre aufgrund fehlender operativer Erfahrung so gut wie gar nicht geeignet.

Beleg für europäisches Scheitern

Würde der Schweizer tatsächlich für Cryan nachrücken, dann wäre dies ein weiterer Beleg für das klägliche Scheitern der europäischen Grossbanken im globalen Investmentbanking, das künftig noch stärker von den US-Wall-Street-Banken dominiert sein wird. Mit Zeltner würde die Deutsche Bank damit dem Kurs der Schweizer Grossbanken folgen, die das Investmentbanking in den letzten Jahren zurückgebaut und die Vermögensverwaltung in den Vordergrund gestellt haben. Aus gutem Grund: Über einen längeren Zeitraum betrachtet, haben UBS und Credit Suisse im Investmentbanking nie wirklich Geld verdient.