Personalie

Wird der Schweizer Tobias Guldimann Präsident der Commerzbank?

Wird Tobias Guldimann Präsident der Commerzbank?

Wird Tobias Guldimann Präsident der Commerzbank?

Der Ex-Credit-Suisse-Risikochef Tobias Guldimann wird als Präsident der krisengeschüttelten Bank gehandelt.

Bei der Commerzbank ist Feuer im Dach – und wie. Etwas mehr als ein Jahr nach Abbruch der Fusionsgespräche mit der Deutschen Bank blicken die Gelben einer trostlosen Zukunft entgegen. Die Hälfte der bundesweit 1000 Filialen sollen bis Ende 2023 geschlossen und 10 000 der aktuell knapp 33 000 Stellen gestrichen werden, weiss die «Frankfurter Börsen-Zeitung» aus zuverlässiger Quelle.

Mehr noch: Mit dem Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann und dem Konzernlenker (Vorstandschef) Martin Zielke haben die beiden höchsten Verantwortungsträger in der zweitgrössten Bank Deutschlands zeitgleich ihren Abschied angekündigt. Im Hintergrund wirbelt der Staat, der es verpasst hatte, seinen in der ­Finanzkrise erworbenen Anteil von derzeit noch 15 Prozent ganz zu verkaufen.

Mittendrin steht der 58-jährige Zürcher Tobias Guldimann. Er ist seit 2017 Mitglied im Commerzbank-Aufsichtsrat und wie man hört, ist er dort der einzige interne Kandidat, der für den Präsidentenposten in Frage kommt.

Guldimann sass zwischen 2004 und 2013 als Risikochef in der Geschäftsleitung der Credit Suisse. Doch der Mann ist in Frankfurt wie auch in der Schweiz ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Ganz im Gegensatz zu seinem Bruder Tim Guldimann, der als Botschafter in Berlin (2010 bis 2015) und nachfolgend als SP-Nationalrat mit Wohnsitz in der deutschen Hauptstadt (2015 bis 2018) viel Präsenz in heimischen Medien genoss.

Als Finma-Direktor im Gespräch

Dabei wäre 2008 beinahe auch der Banker-Guldimann gross ­herausgekommen. Der seinerzeitige Credit-Suisse-Präsident Walter Kielholz soll damals höchst persönlich versucht haben, seinen Risk Manager auf den Posten als Direktor und operativen Chef der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) zu hieven. Doch der Bundesrat entschied sich dann doch für den Versicherungsmann Patrick Raaflaub, der den Banken in der Finanzkrise und in den Jahren danach tüchtig einheizen sollte.

Tatsächlich erhielten die hiesigen Banken im Sommer 2008 deftige Post von den Behörden. Verdoppelung des Eigenkapitals lautete die einstweilige Forderung (die später noch weit höher ging), als sich die horrenden Verluste der UBS im US-Hypothekengeschäft nicht mehr kaschieren liessen. Der seinerzeit für die Finanzstabilität zuständige Nationalbank-Direktor Philipp Hildebrand sprach mit Blick auf die aufgeblähten Bilanzsummen der beiden Grossbanken von einem «nicht mehr vertretbaren Risiko» für das Land.

Die Credit Suisse, zum damaligen Zeitpunkt finanziell noch deutlich bessergestellt als ihr Lokalrivale, fühlte sich in Sippenhaft genommen, was Risikochef Guldimann auf einer Branchenkonferenz im Sommer 2008 zur spitzen Bemerkung motivierte: «Wir orientieren uns an Basel III und nicht an Hildebrand I.» Doch bald darauf wurde auch der Credit Suisse klar, dass ein spezifisch auf die Schweizer Banken zugeschnittenes «Too big to fail»-Gesetz mit weit schärferen Kapitalanforderungen dringend nötig war.

Guldimann blieb bis 2013 Risikochef in der Grossbank. «Vom reinen theoretischen Wissen her ist er bestimmt besser beschlagen als alle anderen im Commerzbank-Board», sagt ein ehemaliger Weggefährte über Guldimanns Qualifikation. «Doch ich weiss nicht, wie viel er vom Geschäft versteht, um es zu führen», sagt der Intimus mit unverhohlener Skepsis.

Hohes Ansehen oder Himmelfahrtskommando?

Was Guldimann erreichen kann, ist schwer einzuschätzen. Der Posten des Commerzbank-Präsidenten ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits verschafft es seinem Inhaber einen bedeutenden Status in einem immer noch bedeutenden Kreditinstitut. Anderseits könnte der Job mit Blick auf die nötigen Restrukturierungen in einem komplexen und schwer kalkulierbaren politischen Umfeld zu einem Himmelfahrtskommando verkommen.

Guldimann ist offenbar nicht der einzige Kandidat für den Job. Berlin soll auch eine Nominierung des 53-jährigen Jörg Asmussen erwägen, der lange Jahre als Staatssekretär tätig gewesen war und die Bank aus der Zeit der Finanzkrise kennt. Heute Mittwoch sollen in Frankfurt die Würfel fallen. Ob sich Guldimann für die Wahl tatsächlich zur Verfügung stellt, ist nicht klar. Er war für eine Anfrage nicht zu erreichen.

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Autor

Daniel Zulauf

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