Im Englischen ist «cevian» eine Linie, die von einem Eck eines Dreiecks zur gegenüberliegenden Seite führt. Die Linie spaltet das Dreieck in zwei Teile. Ob die beiden Chefs und Gründer des schwedischen Finanzinvestors Cevian Capital daran bei der Namensgebung für ihre Gesellschaft gedacht haben, ist unklar. Doch die Parallele drängt sich jetzt geradezu auf. Denn offenbar schickt sich Cevian derzeit an, den Schweizer Traditionskonzern ABB in zwei Teile zu spalten.

Anfang Juni dieses Jahres ist Cevian bei ABB eingestiegen und hat 3,1 Prozent der Anteile übernommen. Dafür hat die Gesellschaft, die sich selbst als «aktiver Investor» bezeichnet, rund 1,5 Milliarden Euro investiert. Nur drei Wochen später stockte die Gesellschaft die Beteiligung um eine weitere Milliarde auf. Mit 5,1 Prozent ist Cevian heute der zweitgrösste Anteilseigner von ABB.

Diese Stellung will der Investor offenbar nutzen – und drängt laut Bloomberg auf die Teilung des Technologiekonzerns. Der Informationsdienst beruft sich auf eine nicht namentlich genannte Quelle, die mit den Plänen der Gesellschaft vertraut sei.

Aktie kommt nicht vom Fleck

Dass sich Cevian nach nur wenigen Wochen bemerkbar macht, verwundert kaum. Der Investor hat sich bei anderen Engagements immer wieder durch aktive Teilnahme hervorgetan - bis hin zur Entsendung eines eigenen Mannes in den Verwaltungsrat, so geschehen bei ThyssenKrupp. In der Schweiz ist Cevian neben ABB auch bei Panalpina aktiv, weitere Investments bestehen unter anderem beim deutschen Baukonzern Bilfinger und dem Autobauer Volvo.

Jetzt macht der Investor offenbar Druck auf die ABB-Führung. Der Grund lässt sich an der Kursentwicklung der ABB-Aktie ablesen. Diese bewegt sich seit nunmehr fünf Jahren im Krebsgang. In einer Spaltung sehen einige Investoren die Möglichkeit, den Konzern profitabler zu machen. Konkret könnte das so aussehen: Die schwächelnde Energiesparte wird verkauft oder an die Börse gebracht, der attraktive Automationsbereich wird alleine weiter geführt.

Auch unter Analysten hat dieses Modell Fürsprecher. Alfred Glaser von der Pariser Investmentgesellschaft Oddo Securities sieht gute Gründe für eine Aufspaltung. Der «Nordwestschweiz» sagte er: «Viele der Probleme, um die sich das Management von ABB derzeit kümmern muss, haben miteinander gar nichts zu tun.» Eine Trennung vom Energiegeschäft würde ABB gut tun, meint Glaser. «Das Unternehmen würde dadurch übersichtlicher und einfacher zu managen.» Zwar gebe es Synergien zwischen den beiden Grossbereichen Energie und Automatisierung. Doch diese könnten die Nachteile der komplizierten Konzernstruktur nicht ausgleichen.

Der Druck seitens der Investoren könnte künftig noch zunehmen. Ein Vertreter des ABB-Investors Nordea steckte gegenüber Bloomberg gleich einen Zeitrahmen ab: In den nächsten 18 bis 24 Monaten werde man sehen, ob ABB in der momentanen Struktur notwendige Margenverbesserungen und eine bessere Cash-Rendite erreichen kann. Sei das nicht der Fall, sei eine Aufspaltung der bessere Weg.

Das sehen nicht alle Beobachter so. Panagiotis Spiliopoulos, Leiter Research bei der Bank Vontobel, sagte kürzlich dieser Zeitung, er sehe eine Aufspaltung derzeit «überhaupt nicht». Und die Investmentbank JP Morgan schreibt in einer Studie: Eine Aufspaltung werde nicht notwendigerweise einen anhaltenden Mehrwert für die Aktionäre schaffen. Die US-Bank sieht die Gründe für ABBs unterdurchschnittliche Leistung seit 2010 in einer Normalisierung der Margen nach zu hohen Erträgen in der Zeit davor. In der Studie rät die Bank: «ABB sollte die integrierte Strategie weiter fahren.»

Eine baldige Teilung hält auch Alfred Glaser von Oddo Securities für unwahrscheinlich. «ABB hängt sehr an den diversifizierten Aktivitäten», sagt er. Der Konzern wolle sich nicht von seinem «historischen Erbgut» trennen.