SBB-Präsidentin
«Wir wollen die Preise stabilisieren oder sogar senken»

Monika Ribar ist seit wenigen Monaten Verwaltungsratspräsidentin der SBB und hat schon grosse Pläne.

Tommaso Manzin
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Monika Ribar, Präsidentin des Verwaltungsrats, will eine konkurrenzfähige SBB.STEFAN BOHRER

Monika Ribar, Präsidentin des Verwaltungsrats, will eine konkurrenzfähige SBB.STEFAN BOHRER

Stefan Bohrer

Was macht Sie zur Bahnexpertin?

Monika Ribar Was mir bei meiner Aufgabe sicher hilft, ist meine langjährige
unternehmerische Erfahrung im Bereich Transport. Als Logistikunternehmung hat man mit allen möglichen Transportarten des Güterverkehrs zu tun. Die Verbindungen vom Güter- zum Personenverkehr sind sehr eng. Zudem habe ich Erfahrung in der Führung grosser, komplexer Unternehmen, etwa, was das Organisatorische betrifft. Ich bringe auch viel Erfahrung
als Verwaltungsrätin mit.

Wo haben die SBB Sie bisher am meisten überrascht und was wollen Sie bei den SBB noch verändern?

Ich bin schon seit zwei Jahren im VR der SBB und seit rund drei Monaten deren Präsidentin. Das Geschäft der SBB zeichnet sich gerade dadurch aus, dass kurzfristig wenig veränderbar ist. Es handelt sich bei den SBB um ein langfristig angelegtes System und entsprechend wäre es illusorisch, nach so kurzer Zeit einen Abdruck hinterlassen zu wollen, und wohl auch wenig zielführend. Es ist mir wichtiger, meine Erfahrungen und mein Know-how so intensiv wie möglich in strategischen Fragestellungen einzubringen.

Was ist dann Ihr strategisches Ziel?

Die Konkurrenzfähigkeit der SBB zu erhalten und auszubauen. Und mit Konkurrenz meine ich vor allem die Konkurrenz mit dem Strassenverkehr, der sich ebenfalls rasant entwickelt.

Wo setzen Sie an, damit die Bahn am Markt ankommt?

Eine der Weichen, die wir für die Zukunft stellen, ist die Digitalisierung. Wenn wir diese innovativ nutzen, können wir auch unser Preis-Leistungs-Verhältnis verbessern. Die Gesamtkosten der Bahn steigen nämlich, während andere Verkehrsträger günstiger und die öffentlichen Mittel knapper werden. Vor diesem Hintergrund müssen wir die begrenzten Mittel, die uns zur Verfügung stehen, richtig einsetzen.

Wie wollen Sie der Re-Individualisierung des Verkehrs durch Fahrdienste wie Uber entgegenwirken?

Durch digitale Dienstleistungen und Informationen für den Kunden. Schon heute stellen wir unseren Kunden Apps zur Verfügung, die ermöglichen, ein möglichst günstiges Billett zu kaufen, den Fahrplan zu konsultieren oder sich im HB Zürich zu orientieren. Die SBB sind das Rückgrat der Mobilität in der Schweiz, aber der Kunde schaut sich immer mehr die gesamte Mobilitätskette an. Das müssen wir im Sinne des Kunden berücksichtigen. Wir sind daher offen für Partnerschaften, wie das Beispiel von Mobility jetzt schon zeigt. Neue Technologien werden eine wichtige Rolle für uns spielen, um effizienter und einfacher zu werden.

Die Infrastruktur in der Schweiz ist schon so dicht, wo kann da Technologie noch helfen?

Der technische Fortschritt arbeitet auch für uns. Nur ein Beispiel: Die Züge werden mit neuen Technologien immer enger aufeinander fahren können und dennoch sicher sein. Heute müssen die Abstände aus technischen Gründen grösser sein, mehr ist nicht drin. Wir werden in den nächsten 20 bis 30 Jahren das Bahnnetz noch optimaler nutzen können, dank automatisierter Bahnproduktion. Das heisst aber nicht, dass wir weniger in unsere Mitarbeiter investieren, auch die Ausbildung unserer Mitarbeitenden ist Teil des Ziels, die Konkurrenzfähigkeit zu bewahren und zu verbessern.

SBB-Kunden kennen nur steigende SBB-Preise.

Wir müssen die Gesamtsystemkosten herunterbringen. Es ist wichtig, dass der Bahnverkehr finanzierbar bleibt, für die Kunden, aber auch für Bund und Kantone. Mit den vorhandenen Mitteln optimal arbeiten, heisst nicht nur, Kosten zu optimieren, sondern auch Investitionen am richtigen Ort zu tätigen. Dort investieren, wo es Sinn macht. Nur so können die SBB weiterhin ein Top-Produkt für unsere Kunden bereitstellen, das bezahlbar ist.

Wie geht es mit den Fahrpreisen weiter?

Wir befinden uns ja derzeit mitten in einer Preisrunde. Gemäss dem Volksentscheid zur Finanzierung und zum Ausbau der Bahninfrastruktur (Fabi) ist eine finanzielle Beteiligung durch die Nutzer geregelt. Aber nochmals: Das Bahngeschäft ist ein langfristiges Geschäft. Und es ist unser langfristiges Ziel, die Preise zu stabilisieren oder sogar zu senken.

Wie stark belastet Sie der Sika-Streit? Was würden Sie tun, falls eine Klage gegen Sie vom Gericht gestützt würde?

Ich bin überzeugt, dass wir als Sika-Verwaltungsrat unsere Verantwortung zu hundert Prozent wahrgenommen haben. In dem Moment, in dem wir mit dieser Übernahmesituation konfrontiert wurden, haben wir gemacht, was die Aufgabe eines Verwaltungsrats ist.

Strasse und Schiene stossen an Grenzen

Mit dem Wachstum von Wirtschaft und Bevölkerung nimmt der Verkehr weiter zu. Das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) rechnet damit, dass 2040 im öffentlichen Verkehr über 50 Prozent mehr Personenkilometer gefahren werden. Das geht aus den Verkehrsperspektiven 2040 hervor, die das ARE am Dienstag in Bern gemeinsam mit Vertretern des Bundesamts für Strassen (Astra) und des Bundesamts für Verkehr (BAV) der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Mit voraussichtlich über 100 Milliarden
Personenkilometer bleibt der motorisierte Individualverkehr der mit Abstand wichtigste Verkehrsträger. Obwohl das Strassennetz in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werde, gebe es weiterhin Engpässe, sagte Astra-Vizedirektor Jean-Bernard
Duchoud. Die Ausbauten sind bereits in Planung. Mit dem Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF), über den das Parlament derzeit berät, wäre auch die Finanzierung langfristig gesichert. (SDA)

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