Bilanz

«Wir sind aus dem Tunnel draussen»

In die Hände gespuckt: MAN Turbo» will ihren Standort am Escher-Wyss-Platz weiter ausbauen. Matthias Scharrer

MAN Turbo

In die Hände gespuckt: MAN Turbo» will ihren Standort am Escher-Wyss-Platz weiter ausbauen. Matthias Scharrer

Der Zürcher Stadtrat brachte gestern gute Neuigkeiten aus der Wirtschaft: Das Gröbste sei überstanden, sagten Martin Vollenwyder und Corine Mauch.

Philippe Klein

Stadtrat Martin Vollenwyder ist bekannt für seinen Optimismus. Bereits im Oktober 2008, als die Wirtschaftskrise den Finanzplatz Zürich mit voller Wucht traf, sagte der Zürcher Finanzvorstand: «Jetzt nur nicht schwarz malen - dank geäufnetem Eigenkapital kann Zürich drei schlechte Jahre überstehen.»

Gestern nun verkündete Vollenwyder an einer Medienkonferenz: «Wir sind aus dem Tunnel draussen.» Es gebe viele positive Zeichen, dass wir die Krise hinter uns haben. Und Stadtpräsidentin Corine Mauch, erst seit vergangenem Frühling im Amt, doppelte nach: «Der Stadtrat hat aus der Krise der 90er-Jahre gelernt und richtig gehandelt.» Zwar sei der kommunale Handlungsspielraum in einer globalen Rezession naturgemäss begrenzt, aber dennoch könne die Stadt als Investorin, Arbeitgeberin und Sozialdienstleister die Folgen der Wirtschaftskrise dämpfen (siehe Kasten).

Finanzvorstand Vollenwyder, einst selber als Bankdirektor tätig, zog gestern eine erste Bilanz zur Finanzkrise. Das Bankgeheimnis sei gefallen, «Swiss Banking» sehe heute anderes aus als noch vor wenigen Jahren. Gerade deswegen sei aber Qualität und Innovation gefragt. Sein Eindruck von Firmenbesuchen und Gesprächen mit Bankern sei, dass die Branche gestärkt aus der Krise herausfindet.

Bestes Beispiel sei die Credit Suisse, die im dritten Quartal 2009 bereits wieder einen Reingewinn von 2,4 Mrd. Franken erwirtschaften konnte und damit selbst ihn als Optimisten überrascht habe. Vollenwyder: «Die CS wird schon nächstes Jahr wieder Gewinnsteuern bezahlen - bei der UBS dürfte es im Folgejahr so weit sein.» Im Allgemeinen gingen er und seine Spezialisten davon aus, dass die Finanzbranche im Jahr 2012 wieder 75 Prozent ihres Umsatzes der vergangenen Jahre erwirtschaften werde.

Keine Abkehr vom Finanzplatz

Mit Blick auf die USA oder europäische Länder müsse man der Schweizer Finanzbranche zugutehalten, so Vollenwyder, dass hierzulande nur eine einzige Bank habe Staatshilfe in Anspruch nehmen müssen. Auch sei zu keiner Zeit eine Abkehr der Weltwirtschaft vom Finanzplatz Zürich zu befürchten gewesen. Soeben habe ihm die UBS beispielsweise versichert, dass sie wie geplant die neuen Räumlichkeiten Europa Allee bei der Sihlpost beziehen werde.

Es habe in Zürich zwar eine Entlassungswelle gegeben, doch diese Arbeitskräfte seien vom Markt erstaunlich gut aufgenommen worden. Die Arbeitslosigkeit von Ende September 2009 betrage in der Stadt Zürich 4,2 Prozent. Das liege erstens deutlich unter den hohen Werten von 1997 (7 Prozent) oder 2004 (6 Prozent) und zweitens im Gegensatz zu früheren Krisenjahren nicht mehr klar höher als der kantonale Durchschnitt (4 Prozent). Nun, gegen Ende der Rezession, rechne er nochmals mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und - verzögert - auch mit einem Anstieg der Sozialhilfeausgaben.

Besonders zuversichtlich stimmt den Finanzvorstand, dass auch die Industrie wieder in der Limmatstadt Fuss fasst. So plane MAN Turbo beispielsweise bereits den dritten Ausbauschritt innert weniger Jahre. Zwar werde Zürich in den nächsten Jahren finanziell nicht aus der Abhängigkeit des Finanzplatzes herausfinden, die Stadt unternehme aber alles, um sowohl die Industrie als auch den Forschungsplatz zu stärken.

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