Schifffahrtgesellschaft Hallwilersee

«Wir müssen für unser Publikum attraktiv bleiben»

«Kunde soll sich wie daheim fühlen»: Ueli Haller, Geschäftsführer der Schifffahrtgesellschaft Hallwilersee. (rahu)

Ueli Haller

«Kunde soll sich wie daheim fühlen»: Ueli Haller, Geschäftsführer der Schifffahrtgesellschaft Hallwilersee. (rahu)

Der Meisterschwander Ueli Haller, seit diesem Jahr neuer Geschäftsführer der Schifffahrtgesellschaft Hallwilersee, spricht im Samstags-Interview über seine Aufgaben.

Fritz Thut

Seit diesem Jahr ist Ueli Haller neuer Geschäftsführer der Schifffahrtgesellschaft Hallwilersee. Im Samstags-Interview verrät er, wie er zu dieser einzigartigen Aufgabe gekommen ist, welches die aktuellen beruflichen Herausforderungen sind. Und wie er seinen neuen Job mit dem Amt als Meisterschwander Gemeinderat unter einen Hut bringt.

Am Sonntag ist «Tag der Schifffahrt». Ihr Wunsch zu diesem traditionellen Anlass?
Ueli Haller: Ganz klar: Schönes Wetter.

Welche Bedeutung hat dieser Anlass für die Schifffahrt auf dem See ...
Haller: An diesem Datum feiert die alpenländische Schifffahrt (auf den Seen in Deutschland, Österreich und der Schweiz) traditionell den Saisonstart, auch wenn wir hier auf dem Hallwilersee den Betrieb schon einige Wochen früher aufnehmen.

... und was hat der Kunde davon?
Haller: Grundsätzlich gilt auf den Kursfahrten der halbe Preis und Kinder fahren gratis. Bei uns gibt es zudem seit drei Jahren auf dem Flagschiff, der MS Brestenberg, eine Weindegustation, bei der man versuchen kann, was an den Hängen am See wächst.

Wie gesagt, läuft der Fahrplanbetrieb auf dem Hallwilersee bereits. Wie sind Sie mit dem bisherigen Verlauf der Saison 2009 zufrieden?
Haller: Schon im März hatten wir zwei, drei ganz gute Sonntage. Und dann war für uns das schöne Wetter über Ostern sehr erfreulich: Alleine zwischen Karfreitag und Ostermontag hatten wir rund 4000 Passagiere. Zusammenfassend kann man sagen, dass ich einen sehr guten Start hatte. Wobei der Frühling immer gut ist: Die Leute warten auf die Sonne und wollen sie draussen geniessen.

Welches sind Ihre Ziele im ersten Jahr?
Haller: Ein unfallfreier Verlauf hat immer oberste Priorität. Ansonsten hoffe ich, dass der Geschäftsverlauf wie in den letzten Jahren positiv ausfällt und wir unser Programm reibungslos über die Bühne bringen.

Zum Anfang: Ist Ihnen der Bezug zum Hallwilersee und zu Schiffen in die Wiege gelegt worden?
Haller: Ich bin in Meisterschwanden aufgewachsen, hatte ausser dem gelegentlichen Baden keine besondere Beziehung zum See: Als Bauernbub musste man daheim viel helfen. Erst mit 15, 16 Jahren wurde mein Interesse geweckt.

Was hat Sie seinerzeit bewogen, richtig bei der Schifffahrtgesellschaft Hallwilersee einzusteigen?
Haller: Wasser und Schiffe haben später in meinem Leben immer eine Rolle gespielt. Sogar während meiner Zeit auf den Philippinen habe ich mich mit der Gründung einer Schiffslinie befasst. Bei der Schifffahrtgesellschaft schätze ich vor allem den Kontakt mit den Leuten: Das sind angenehme Begegnungen, denn 99 Prozent kommen aus Freude hierher und sind entsprechend aufgestellt.

Weshalb hat der Verwaltungsrat Sie zum neuen Geschäftsführer gewählt?

Haller: Für uns als kleine Gesellschaft ist das Verhältnis unter den Mitarbeitern enorm wichtig. Zudem bedingt unsere geringe Grösse einen Allrounder an der Spitze; einen externen Spezialisten zuzuziehen bringt nichts. Der Verwaltungsrat hat deshalb betriebsintern gesucht. Er hat mich und meine Erfahrungen gekannt. Ich bin interessiert eigene Ideen einzubringen und bin froh, dass der Verwaltungsrat mir diese Chance gegeben hat.

Nach einigen Monaten: Entspricht die neue Aufgabe Ihrer Vorstellung?
Haller: Ja. Doch bisher herrschte vor allem das Winterregime. Jetzt, wenn der Fahrplanbetrieb läuft, möchte ich hin und wieder auch selbst fahren und so in Kontakt mit dem Publikum bleiben. Ich bin nicht einer, der nur hinter dem PC sitzt, obwohl die Büroarbeit sicher gut 80 Prozent meiner Arbeit ausmacht. Es ist jedoch eine Organisationsfrage, sich Gelegenheiten zu ermöglichen, «an die Front» zu kommen.

Welches sind die grössten Herausforderungen für den SGH-Geschäftsführer?
Haller: Wir wollen konkurrenzfähig bleiben.

Konkurrenz?
Haller: Es gibt natürlich verschiedene Anbieter im Freizeitbereich, mit denen wir in Konkurrenz stehen. Nehmen Sie beispielsweise eine Familie aus Hochdorf. Sie muss sich entscheiden: Machen wir einen Ausflug auf dem Hallwilersee oder dem Vierwaldstättersee?

Und was sind Ihre Argumente?
Haller: Freundlichkeit und Zuvorkommenheit ist enorm wichtig: Wir helfen beispielsweise beim Ein- und Aussteigen. Der Kunde soll sich bei uns wie daheim fühlen.

Es gehört aber auch eine zeitgemässe Infrastruktur dazu.
Haller: Ja, wir müssen unsere Flotte laufend modernisieren. Dazu gehört nicht nur das bestellte neue Schiff. Auch bei den andern Schiffen gibt es Anpassungen, vor allem im Innenausbau. Die Ansprüche haben sich gewandelt. Die MS Brestenberg wird nächstes Jahr 20 Jahre alt. Bei ihrer Inbetriebnahme dachte noch niemand daran, dass im Innern dereinst Fischknusperli oder Fondue serviert werden. Ganz generell gesagt: Man kann nicht nur alle paar Jahre die Fahrpreise erhöhen und die Sitzbank ist immer noch gleich hart.

Werden Sie bei den andern Angeboten, etwa den Abendfahrten, eigene neue Akzente setzen?
Haller: In Sachen Kulinarik muss man stets schauen, was Leute anzieht. Gewisse Neuerungen gibt es bereits in diesem Jahr mit dem Pasta-Schiff im Sommer, dem Wild-Schiff und dem Raclette-Plausch im Herbst. Unser grosses Plus bei den Extrafahrten ist die Flexibilität: Vom belegten Brötchen bis zum 5-Gang-Menü ist alles möglich. Neu ab diesem Jahr ist bei uns der Montag Seniorentag. Alle Passagiere ab dem 64. Altersjahr bezahlen auf den Kursfahrten den halben Preis.

Sie sind gleichzeitig Gemeinderat in Meisterschwanden. Vertragen sich die beiden Aufgaben?
Haller: Wenn man das Gemeinderatsamt seriös ausübt, ist es schon eine grosse Belastung. Auf der andern Seite ist es für die SGH ein Vorteil, dass man in gewissen Bereichen weiss, wie der Hase läuft.

Werden Sie in den nächsten Jahren bei der SGH grundlegende Innovationen lancieren?
Haller: Das ist nicht zwingend nötig. Die Gesellschaft ist auf gutem Weg. Die Zahl der Schiffe bleibt sicher bei 5. Wir werden Angebote wie Abendfahrten künftig besser auswerten und unsere Schlüsse daraus ziehen. Unser Einzugsgebiet ist eher klein. Dafür kommen die Kunden wieder. Das ist für uns die grosse Herausforderung: Wir müssen für ein breites Publikum immer attraktiv bleiben.

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