Nationalbank

«Wir haben diese 1040 Tonnen, und dabei bleibt es im Moment»

Nationalbank-Präsident Thomas Jordan: «Wir haben weder Pläne, Gold zu verkaufen noch Gold zu kaufen».

Nationalbank-Präsident Thomas Jordan: «Wir haben weder Pläne, Gold zu verkaufen noch Gold zu kaufen».

Nach dem Milliardenverlust plant die Schweizer Nationalbank weder Kauf noch Verkauf von Gold. «Wir haben diese 1040 Tonnen, und dabei bleibt es im Moment», sagte SNB-Präsident Thomas Jordan.

Der Absturz des Goldpreises reisst die Schweizerische Nationalbank (SNB) tief ins Minus. Für 2013 verbucht sie einen Verlust von rund 9 Mrd. Franken. Erstmals seit Gründung der SNB im Jahr 1907 erhalten die Kantone keine Ausschüttung und die Aktionäre keine Dividende.

Auch die Eidgenossenschaft, die seit 1991 jedes Jahr von einer Gewinnbeteiligung profitierte, geht leer aus. Der für 2013 provisorisch errechnete Jahresverlust verunmögliche Gewinnausschüttungen, teilte die SNB am Montag mit.

Der drastische Rückgang des Goldpreises habe der SNB «einen ganz dicken Strich durch die Rechnung gemacht», sagte SNB-Präsident Thomas Jordan in einem Interview mit der Sendung «Eco» von Fernsehen SRF.

Die Notenbank muss auf ihrem unveränderten Goldbestand im vergangenen Jahr einen Bewertungsverlust von rund 15 Mrd. Fr. verbuchen. Per Ende 2012 war der Wert mit 50,7 Mrd. Fr. angegeben worden.

Nun, da der Goldpreis tief ist, will die SNB aber nichts an ihrer Strategie ändern. «Wir haben weder Pläne, Gold zu verkaufen noch Gold zu kaufen», so Jordan. Und weiter: «Wir haben diese 1040 Tonnen, und dabei bleibt es im Moment».

Ob die Nationalbank bald wieder Geld ausschütten wird, lässt der SNB-Präsident offen. «Diese Entwicklungen zeigen, dass auch Gold ein Aktivum mit grossen Risiken ist», sagte er der «Tagesschau». Dementsprechend könne er nicht prognostizieren, wann die SNB wieder Gewinne ausschütten werden.

Goldpreis im Keller

Seit dem Verkauf von 250 Tonnen in den Jahren 2004 bis 2008 verfügt die SNB über 1040 Tonnen Gold. Sie ist nicht im Goldhandel aktiv und hat sich nicht etwa verspekuliert, bekommt aber den Ausstieg zahlreicher Anleger aus dem Edelmetall zu spüren.

Während der Goldpreis 2013 um über ein Viertel eingebrochen ist, erklommen einige Aktienmärkte immer neue Rekordstände. Der Fall des Goldpreises ist umso tiefer, weil während der Finanzkrise auf der Suche nach Sicherheit Höchstwerte erreicht worden waren.

Gewinne aus Fremdwährungen und StabFund

Der Jahresverlust der SNB wäre noch deutlich grösser ausgefallen, hätten der Verkauf des UBS-Rettungsfonds StabFund nicht über 3 Mrd. Fr. und die Fremdwährungspositionen rund 3 Mrd. Fr. an Gewinnen eingebracht.

Nach dem definitiven Rückkauf durch die UBS im Herbst fällt der StabFund als Ertragsquelle künftig weg. Und eine neuerliche Franken-Aufwertung hätte rasch drastische Folgen, belaufen sich die Devisenreserven der SNB umgerechnet doch auf rund 440 Mrd. Franken. Damit steht ein Vielfaches des Goldbestandes auf dem Spiel, auch wenn die Notenbanker 2011 mit dem Euro-Mindestkurs von 1,20 Fr. selber einen Strich gezogen haben.

Um das Polster an Währungsreserven zu vergrössern, stellt die SNB für 2013 weitere 3 Mrd. Fr. zurück. Damit resultiert "ein ausschüttbares Jahresergebnis von rund minus 12 Mrd. Franken", wie die SNB erläuterte. Dieser Verlust kann von der vorhandenen Ausschüttungsreserve von 5,3 Mrd. Fr. nicht aufgewogen werden.

Bund und Kantone waren gewarnt

Wegen Einbussen auf Fremdwährungspositionen hatte die SNB 2010 einen Rekordverlust von 19,2 Mrd. Fr. erlitten. Trotzdem wurden damals 2,5 Mrd. Fr. an Bund und Kantone ausgeschüttet, während die Rückstellungen für Währungsreserven gekürzt wurden.

Der damalige SNB-Präsident Philipp Hildebrand warnte aber: "Ab 2012 werden die Ausschüttungen deutlich tiefer als die üblichen 2,5 Milliarden Franken sein oder sogar ganz ausfallen."

Bereits für 2011 wurde der Zielwert für die Ausschüttung an Bund und Kantone von 2,5 Mrd. auf 1,0 Mrd. Fr. gesenkt. Diese Vereinbarung gilt bis 2015. Eine Zahlung erfolgt aber nur, wenn die Ausschüttungsreserve dadurch nicht negativ wird. Die Regeln seien klar und die SNB halte sich daran, sagte Jordan am Montag. Die SNB habe mehrfach auf das Risiko eines Ausfalls hingewiesen.

Damit musste spätestens im Herbst gerechnet werden, auch wenn das Ergebnis der SNB stark schwankungsanfällig ist, weil es von der Entwicklung der Gold-, Devisen- und Kapitalmärkte abhängt. Denn für Januar bis September wies die SNB bereits einen Verlust von 6,425 Mrd. Fr. aus.

Die Wende ist nicht eingetreten, der Goldpreis hat weiter an Boden verloren. So vergrösserte sich der Bewertungsverlust der SNB auf dem Edelmetall im Schlussquartal um weitere rund 4,3 Mrd. Franken.
Ausschüttung auch für 2014 fraglich

Nach Verrechnung des Jahresverlusts dürfte die Ausschüttungsreserve bei Minus 6,7 Mrd. Fr. zu liegen kommen. Das heisst: Damit für 2014 wieder eine Ausschüttung von 1 Mrd. Fr. erfolgen kann, müsste die SNB im laufenden Jahr einen Gewinn von mindestens 7,7 Mrd. Fr. erzielen. (sda)

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1