Bauernlohn

«Wir arbeiten mehr und haben weniger»

Milchmarkt: Er macht den Solothurner Bauern das Leben schwer. (Bild: Daniel Winkler)

Milchbauern

Milchmarkt: Er macht den Solothurner Bauern das Leben schwer. (Bild: Daniel Winkler)

Weil die Solothurner Bauern vor allem auf die Milchwirtschaft setzen, sind sie von der gegenwärtigen Preiserosion mehr betroffen als andere Landwirte.

Andreas Toggweiler

«Ich kann das Gerede von der Landwirtschaft, die sich flexibel anpassen muss, nicht mehr hören», empört sich Hansueli Zurlinden (43), Bio-Bauer aus Holderbank. «Tatsache ist, wir arbeiten jedes Jahr mehr und bekommen immer weniger.» Auf seinem 18,5 ha grossen Hof produziert Zurlinden mit 18 Kühen Biomilch. Seit 15 Jahren schon. Auf dem Hof arbeitet sein Vater (74) mit, seine Frau und nach Kräften auch die Kinder.

Die gegenwärtige Milchschwemme macht Zurlindens zu schaffen. Denn die Preise sind im Keller, auch für Biomilch. «Die Kosten nehmen aber Jahr für Jahr zu: Versicherung, Strom, das Bio-Futter für die Kühe, alles», sagt Zurlinden. Auch die Auflagen für Bio-Produkte oder die Tierhaltung würden «praktisch jedes Jahr ändern». Lange könne man so nicht mehr existieren.

«Die Stimmung ist sehr schlecht»

Für die Milchschwemme, seien wenige Produzenten verantwortlich, welche unsolidarisch seien und so die ganze Landwirtschaft schädigten. «Wenn man bedenkt, welche Arbeit in einem Liter Milch steckt, ist diese einfach zu billig - generell die Nahrungsmittel», so Zurlinden weiter. Es dürfe nicht sein, dass sich die Grossverteiler auf dem Buckel der Lieferanten Rabattschlachten liefern. «Die Stimmung unter den Bauern ist sehr schlecht», fasst Zurlinden zusammen.

Peter Brügger, Sekretär des solothurnischen Bauernverbands, stimmt dieser Einschätzung im Grundsatz zu. Dass die Einkommen der Solothurner Bauern überdurchschnittlich stark zurückgehen, hänge mit der grossen Bedeutung der Milchwirtschaft in der Region zusammen.

Der Umsatz mit tierischen Erzeugnissen sei mit neu 131 Mio. Fr. (146 Mio. Fr. im Vorjahr) stark zurückgegangen, aber noch immer vergleichsweise hoch. Mit Schweinezucht werde hingegen im ganzen Kanton nur ein Umsatz von 21 Mio. Fr. erzielt.

Zwar nehme der Nebenerwerb mit Beizli, Hofverkauf oder Tourismus noch leicht zu, erklärt Brügger. «Doch das sind alles Nischenangebote, die jetzt allmählich ausgereizt sind.»

«Zu klein, zu wenig spezialisiert»

Die am Montag veröffentlichten Zahlen des Bundesamtes für Statistik schätzen das Arbeitsentgelt pro Vollzeitarbeitsstelle für Solothurner Bauern auf 27 000 Fr, was der schweizweit zweittiefste Wert ist. Dies deutet auf eine sehr geringe Wertschöpfung in der Solothurner Landwirtschaft hin.

Nur der Kanton Jura liegt gleich tief, Uri noch tiefer. Während für Brügger dieser Wert «fast unerklärlich tief» liegt, (der Schweizer Durchschnitt liegt wie vermeldet bei 49 000 Fr.) wundert sich Rudolf Haudenschild, Chefredaktor, der Fachzeitschrift «Schweizer Bauer» nicht. «Die Solothurner Landwirtschaft hat noch immer zu viele kleine Betriebe die zu wenig spezialisiert sind.»

Mengensteuerung ist dringend

Für Brügger ist klar: «Die 5 Prozent der Bauern, die zuviel melken, diktieren am Ende den Markt.» Die Branche müsse deshalb dringend eine Lösung suchen, um die Milchmenge zu steuern, ohne allerdings in die alte Kontigentswirtschaft zurückzufallen. Denkbar sei eine Segmentierung des Marktes mit unterschiedlichen Preisen je nach Verwendungszweck der Milch. Die Politik könnte dann eine mehrheitlich akzeptierte Regelung als allgemeinverbindlich erklären.

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