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Wilmaa bringt TV-Box: Die Schlacht ums Wohnzimmer ist voll entbrannt

Die neue Settop-Box von Wilmaa.

Die neue Settop-Box von Wilmaa.

Mit Wilmaa hat ein weiterer Player eine neue Settop-Box angekündigt. Swisscom und Amazon hatten diese Woche ebenfalls Neuheiten bekannt gegeben. Und: In den Startlöchern steht laut Branchenexperten Netflix.

Die Schlacht ums Wohnzimmer wird - wieder - über die Fernsehzugänge ausgetragen: Wilmaa, ein Schweizer Internet-Fernseh-Portalunternehmen, kündigte heute eine eigene «Wilmaa Box» an. Das Unternehmen geht laut eigenen Angaben mit mehr als 200 Sendern an den Start. 40 davon werden in HD-Qualität übertragen.

Die Box funktioniert mit allen Internet-Anbietern und unabhängig von der Leitung (Glasfaser, Kabel oder Telefonleitung). Die erforderliche minimale Download-Kapazität muss bei 10 Mbit/Sekunde liegen. Die Box hat keine Festplatte mehr, die Speicherung der Programme erfolgt über die «Wilmaa Cloud». Wilmaa liefert zum Start 12 Monate des «Premium Web TV» kostenlos mit.

Damit weitet das Unternehmen sein Angebot deutlich aus. Das zuvor bestehende «Free Web TV»-Angebot brachte lediglich 70 Sender, davon 2 in HD-Qualität. Über die Box ist zeitversetztes Fernsehen möglich, ebenso das Einspielen weiterer eigener Programme.

Swisscom: ebenfalls mit Cloud

Am Tag zuvor hatte Swisscom sein «TV 2.0» vorgestellt. Auch Swisscom setzt auf die Cloud als Speichermedium. Auch bei Swisscom kommt die neue Settop-Box ohne interne Festplatten aus und auch hier wurde die Bedienungsoberfläche neu gestaltet.

Swisscom und Wilmaa versprechen beide «intuitive Benutzerführung». Das Swisscom-Angebot basiert indes auf der eigenen Netzinfrastruktur. Die Daten werden im eigenen Rechenzentrum gespeichert und die Preise sind nach Bandbreite gestaffelt. Für das neue Fernsehvergnügen müssen Kunden auch in der Sparversion mindestens 114 Franken pro Monat Abogebühren (ohne Festnetztelefonie) rechnen. Dafür verspricht Swisscom 250 Sender, davon 80 in HD-Qualität.

Neue Standards wie 4K werden noch nicht eingeführt, wie Vertreter von Swisscom an der Präsentation des Produktes erklärten - die Standards seien eben erst beschlossen worden.

Aufgrund der TV-Rechte ist es bei Swisscom wie auch bei den anderen Anbietern nicht möglich, beispielsweise Champions-League-Fussballspiele im Ausland ohne zeitliche Verzögerung zu schauen.

Amazon: Neueinsteiger

Dass Amazon der weltweit grösste Anbieter für Datenspeicher im Internet («Cloud») ist, wissen in Europa die wenigsten. Der Online-Warenhändler hat seine Rechenzentren in den vergangenen Jahren systematisch erweitert und hat laut den Analysten von Morgan Stanley, einer US-Bank, in diesem Bereich eine gigantische Kapazität aufgebaut. Die ist fünfmal grösser als die Speicherkapazität der nächsten 14 Anbieter zusammen.

Amazon stellte diese Woche eine eigene Settop-Box für das Internet-Fernsehen unter der Bezeichnung «Fire TV» vor. Der Konzern zielt damit auf den Online-Videomarkt. Zudem lassen sich auch Filme und Serien aus dem Streaming-Angebot von Amazon sehen. Youtube, Netflix und Disney sind ebenfalls zugänglich. Die Box kostet 99 Dollar und ist laut einer Mitteilung von Amazon vorerst lediglich in den USA erhältlich. Laut ersten Testberichten arbeitet der Dienst sehr schnell, weil die Inhalte in den eigenen Rechenzentren vorgepuffert werden.

Netflix: Der Datengigant

Amazon folgt damit Google, das seinerseits kürzlich eine TV-Lösung unter der Bezeichnung «Chromecast» vorgestellt hatte. Die Box kostet lediglich ein Drittel der Amazon-Box, ist aber laut ersten Testberichten aber deutlich weniger leistungsfähig. Mit der Google-Box lassen sich ebenfalls unzählige Kanäle streamen.

Allerdings gilt in den USA Netflix als der Gorilla in der Internet-TV-Branche. Das Unternehmen, das als Video-Verleihdienst angefangen hatte, ist der grösste Online-Streaming- und Online-Verleihdienst der USA. In Spitzenzeiten kommt Netflix für fast die Hälfte des Datenverkehrs im Internet auf.

Auch deshalb ist eine Diskussion darüber in Gang gekommen, wie «neutral» das Netz sein soll, wenn die Netzbetreiber lediglich die Brosamen des gesamten Umsatzes einspielen, die Internet-TV-Dienste hingegen die Rosinenpicker sind.

Netflix ist bereits in mehreren Ländern Europas präsent. Der Start in Frankreich ist unsicher, weil das Unternehmen die französischen Quoten-Auflagen nicht erfüllt. TV-Anbieter in Frankreich müssen eine gewisse Zahl französischsprachiger Produktionen im Angebot haben - aber die meisten Internet-Dienste aus den USA beschränken sich auf die englisch- und spanischsprachigen Inhalte.

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