Herr Kunz, wie zufrieden ist die Reisebürobranche aktuell mit der Saison 2017?

Walter Kunz: Das Jahr läuft für die Reisebüros bis jetzt sehr erfreulich. Laut einer aktuellen Umfrage verzeichnen zum Sommerbeginn praktisch alle unsere Mitglieder ein Buchungs- und Umsatzplus gegenüber dem Vorjahr.

Walter Kunz macht auf Mallorca Ferien. (Archiv)

  

Worauf führen Sie den Erfolg zurück?

Da gibt es sicherlich spezifische Gründe. Beispielsweise die aktuelle geopolitische Lage. Der Kunde weiss sich im Reisebüro in guten und professionellen Händen und kann darauf vertrauen, dass er bei Veränderungen der Sicherheitslage auf eine andere Destination ausweichen kann. Das ist bei Direktbuchungen bei der Fluggesellschaft und im Hotel kaum möglich oder nur verbunden mit sehr hohen Annullierungskosten.

Ferienanfang stellt Flughafen Zürich auf Bewährungsprobe

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Gegen 200'000 Menschen flogen am Samstag und Sonntag entweder ab, landeten oder machten einen Zwischenstopp in Zürich. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Flughafen sind gerüstet für den Grosseinsatz.

Sind Terrorängste ein akutes Thema in Schweizer Reisebüros oder haben sich Branche und Kunden an diese Realität und ein bestimmtes Restrisiko beim Reisen gewöhnt?

Daran gewöhnen möchten wir uns grundsätzlich nicht. Aber damit umgehen kann unsere Branche wie kaum eine andere. Wir haben in der Vergangenheit oft gezeigt, dass wir sehr flexibel und krisenerprobt sind und mit negativen, nicht vorhersehbaren Einflüssen umgehen können.

Wie gut geht die Branche mit der wachsenden Online-Konkurrenz um?

Viele Reisebüros haben über die Jahre gelernt, gut damit umzugehen und ihren eigenen Nutzen aus dem Internet zu ziehen. Wichtig ist auch, dass wir die Vorteile des direkten Kontakts mit den Kunden im Reisebüro, von denen ich soeben erzählt habe, weiter herausstreichen. 

Hat sich die Tendenz, dass man immer kurzfristiger bucht, auch in diesem Jahr weiter fortgesetzt?

Wir haben dieses Jahr sehr unterschiedliche Rückmeldungen. Während die einen Kunden frühzeitig gebucht haben, um sicher zu sein, an ihre Lieblingsdestination reisen zu können, gibt es auch wieder viele Last-Minute-Bucher. Sie reservieren ihre Ferien erst kurz vor der Abreise, um möglichst lang flexibel auf politische Ereignisse an der einen oder anderen Destination reagieren zu können.

Gibt es gegenwärtig noch viele Last-Minute-Angebote für Schnäppchenjäger?

Das ist je nach Zielort unterschiedlich. Aufgrund der sehr geringen Nachfrage für das einstige Massenziel Türkei haben sich grössere Buchungsvolumen auf andere Destinationen verlagert. Diese Profiteure berichten von sich allmählich verknappenden Kapazitäten, weshalb die Preise für kurzfristige Bucher sogar steigen können. Hingegen ist für schlechter nachgefragte Ziele, allen voran die Türkei, durchaus mit preislich sehr attraktiven Schnäppchenangeboten zu rechnen.

Welche Destinationen räumen in diesem Jahr besonders ab?

Spanien, Griechenland und Zypern sind im Sommer 2017 die beliebtesten Destinationen. Für den Herbst meldet sich auch Ägypten auf der touristischen Landkarte zurück – wenn auch noch nicht auf dem Niveau, wie es vor Jahren einmal war.

Wie hat sich das Preisniveau für Auslandferien in diesem Jahr entwickelt?

Grundsätzlich profitieren die Schweizer bei Auslandreisen, vor allem in den EU-Raum, nach wie vor vom starken Franken. Das durchschnittliche Preisniveau dürfte etwa gleich sein wie im vergangenen Jahr. Die gefragtesten Destinationen sind etwas teurer, während die weniger nachgefragten Reiseziele dafür nochmals erheblich günstiger zu haben sind.

Kürzlich wurde die Motion von FDP-Nationalrätin Christa Markwalder vom Parlament gutgeheissen. Sie verlangt, dass Reisebüros ohne Kundengeldabsicherung härter bestraft werden. Was erwarten Sie vom Bundesrat bezüglich einer griffigen Gesetzgebung?

Bis anhin wurden die Reisebüros, die sich über das bestehende Pauschalreisegesetz hinweggesetzt haben, überhaupt nicht bestraft und haben sich durch eingesparte Kosten wegen des Verzichts auf die Kundengeldabsicherung sogar einen Wettbewerbsvorteil verschafft. Es müssen daher zwingend harte Sanktionen, beispielsweise in Form von mindestens fünfstelligen Bussen, eingeführt werden.

Wie sehr setzen Sie sich als Verband dafür ein, solche «schwarzen Schafe» in der Branche zu eliminieren?

Wir werden den Vorschlag des Bundesrates erst mal abwarten, ihn genau analysieren und uns danach aktiv einbringen.

Wo verbringen Sie persönlich in diesem Jahr Ihre Sommerferien?

Ich werde auf Mallorca Sonne tanken und in einer Finca wohnen.

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