Wirtschaftskrieg
Wie lang hält Putin das aus? ...und 6 weitere Fragen zu den Russland-Sanktionen

Noch ist unklar, was die Sanktionen gegen Russland konkret bedeuten, welche Auswirkungen sie haben auch für unsere Wirtschaft. Die «Nordwestschweiz» befragte Janwillem C. Ackeret, Chefökonom bei der Bank Julius Bär.

Marc Fischer
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Mit neuen Sanktionen sendet der Westen ein Signal an Putin

Mit neuen Sanktionen sendet der Westen ein Signal an Putin

Keystone

Wie stark werden die Sanktionen Russland wirtschaftlich schwächen?

Janwillem C. Ackeret: Derzeit ist noch nicht absehbar, wie stark sich Russlands Wirtschaftswachstum im Gefolge der Sanktionen des Westens abschwächen dürfte. Diese Sanktionen zielen jetzt nicht nur auf Einzelpersonen im Machtzirkel um Putin, sondern auch auf die russischen Finanz-, Rüstungs- und Energiesektoren. Russlands Wirtschaft stand schon vor den neuesten Sanktionen am Rande einer Rezession und diese ist jetzt umso wahrscheinlicher geworden. Der Rubel hat schon reagiert und wertet sich seit Ende Juni weiter ab, trotz der überraschenden Zinserhöhung der russischen Zentralbank, am vergangenen Freitag, um 50 Basispunkte, auf 8%.

Lässt sich Putin dadurch beeindrucken?

Putin ist, so scheint es mir, ein gewiefter Taktiker und Machtmensch, der sich letztlich nur der Macht beugt. Sanktionen sind keineswegs immer erfolgswirksam, das sehen wir beim Iran. Wenn Russlands Wirtschaft ins Trudeln gerät, dann könnte Putin sogar sturer werden gegenüber dem Westen, falls es ihm gelingt, die Russen mit Patriotismus gegen den Westen und seinen verbündeten West-Ukrainern (russische Sichtweise) hinter sich zu scharen. Jüngste Äusserungen von Aussenminister Lavrov deuten darauf hin. Sollte Putin aber dies nicht gelingen und intern in Russland d.h. im Militär-Industriellen-Komplex, bei Oligarchen, bzw. im Machtzirkel massive Opposition erwachsen, dann wird er bestimmt fürs eigene politische Überleben zu Zugeständnissen bereit sein.

Muss das Den-Haag-Urteil gegen Yukos mit der 50-Mrd-USD-Busse als Teil der Sanktionen gesehen werden?

Das Haager Urteil sehe ich losgelöst von diesem Ukraine-Konflikt: Das war ein Prozess geschädigter Yukos-Investoren und kommt m.E. zufällig, aber im Sinne der obigen Sanktionen hilfreich, mit dem Ukraine-Konflikt zusammen.

Wie lange kann Russland das Sanktionsregime aushalten?

Sicher einige Zeit, aber mit entsprechendem Schaden für alle Beteiligten (auch bei den Sanktionsinitianten, wo Geschäftsvolumina verloren gehen). Man darf Russlands Zähigkeit nicht unterschätzen. Die soll auch fürs Regime gelten, das ja erhebliche Repressionsmittel hat.

Welche Rolle spielen da die Währungsreserven, die heute 467 Mrd USD betragen (Quelle: IMF) und abzüglich der Yukos-Busse von 50 Mrd USD noch 417 USD?

Die Währungsreserven wurden vielfach zur Stützung des Rubels verwendet. Wenn dies weniger oder nicht mehr geschieht, dann haben die Russen einen entsprechend längeren Atem.

Wie stark wird durch die Sanktionen die europäische Wirtschaft geschwächt?

Wenn einmal, wo noch möglich, die bestehenden Lieferkontrakte erfüllt sind, dann fallen jeweilige Neuaufträge weg und die entsprechend exponierten Unternehmen müssen sich Alternativen suchen. Am stärksten wird in Europa die Eurozone betroffen sein, allen voran Deutschland, das aber diese Verluste noch am besten wegstecken kann. Aber auch der Finanzplatz London wird leiden. Der europäische Aufschwung wird aber auch ohne Russland weitergehen, nur in einigen Bereichen etwas langsamer.

Welche Rolle kann in der Zuspitzung des Konflikts die vor kurzem aus der Taufe gehobenen BRIC-Weltbank spielen, zum Beispiel als Kreditgeber der letzten Instanz?

Die neue BRIC-Bank ist ein Propaganda-Konstrukt und wird nur beschränkt den Russen zur Verfügung stehen können. Dass dies so sein soll, werden die Chinesen wollen; denn ihnen kommt eine Schwächung Russlands, aber auch indirekt des Westens, entgegen.

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