Nestlé

Wie Kapselkönig Nespresso in Costa Rica auf Nachhaltigkeit setzt

Die Nestlé-Tochter Nespresso setzt auf Nachhaltigkeit. Der Schweizer Konzern verbindet die eigenen Ansprüche mit den Bedürfnissen der Kaffeebauern.

Was vor 25 Jahren in Lausanne begann, ist eine unheimliche Erfolgsgeschichte. Mit zweistelligem Wachstum sorgt die Nestlé-Tochter heute dafür, dass unser Land mehr Kaffee als Schokolade und Käse exportiert. Was viele nicht wissen: Das schwarz-braune Gebräu aus den bunten Kapseln wird zum grössten Teil nachhaltig produziert. Bereits im Jahr 2003 startete Nespresso zusammen mit Rainforest Alliance das AAA-Sustainable-Quality-Programm. Ziel dieser Initiative ist es, langfristig die Produktion von Spitzenkaffee zu garantieren und dabei den Lebensunterhalt der Kaffeebauern sowie den Schutz der Umwelt zu sichern. Die internationale Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance zertifiziert dabei die Farmbetriebe, die sich dem Nachhaltigkeitsprogramm anschliessen möchten.

50'000 Bauern machen mit

Die Bauern erhalten durch das Zertifikat für ihre Kaffee-Ernte eine garantierte Prämie. Nespresso bezahlt dabei einen Bonus, der 30 bis 40 Prozent über dem üblichen Marktpreis für Kaffee und 10 bis 15 Prozent über dem Preis für vergleichbare Gourmetkaffee-Qualität liegt. Bis heute nehmen in acht verschiedenen Ländern über 50 000 Kaffeebauern am Programm von Nespresso teil.

Der Schweizer Kapselportionierer weitet sein Programm aus und möchte bis Anfang 2014 dann von 80 000 Farmern nachhaltigen Kaffee beziehen. «Nachhaltigkeit und Qualität gehen dabei Hand in Hand», sagt Karsten Ranitzsch, Head of Green Coffee bei Nespresso. In den vergangenen Jahren habe das Projekt klar gezeigt, dass bei einer nachhaltigen Bewirtschaftung nicht nur die Produktivität massiv steigt, sondern auch die Qualität zunimmt. «Als wir diese Nachhaltigkeitsinitiative vor zehn Jahren gestartet haben, ging es uns anfangs um die Qualität», sagt der Direktor von Nespresso Schweiz, Pascal Hottinger. «Wir wollten einen Weg finden, um diese Qualität auch in den kommenden Jahren zu garantieren.» Heute steht Hottinger dazu, dass man Gutes tun und damit gleichzeitig auch gutes Geld verdienen kann.

Das Nachhaltigkeitsprogramm bietet den Kaffeefarmern mannigfaltige Unterstützung, Schulungsmassnahmen und technische Hilfeleistungen. Dies, um die Nachhaltigkeit und Produktivität auf der eigenen Finca zu verbessern. So wird dem Bauer erklärt, wie er die immergrünen Kaffeesträucher anpflanzen sollte, um eben mehr Kaffee ernten zu können.

Konkret werden Kaffeepflanzen auf nachhaltigen Farmen für ein besseres Wachstum terrassenförmig angelegt. Dies, um der Erosion durch den Regen Einhalt zu gebieten. Dazu pflanzt man auf solchen nachhaltigen Fincas auch diverse grössere Bäume zwischen die Kaffeesträucher. Pflanzen wie beispielsweise Bananenbäume, welche die Kaffeestauden überragen, sorgen für Schatten und ebenfalls dafür, dass die Erde nicht vom Regen davongespült wird. Zudem wird zwischen den einzelnen Kaffeebäumen mehr Platz gelassen als bei konventionellen Farmen. Die Kaffeekirschen können sich so besser entwickeln. Auch wird beim nachhaltigen Kaffeeanbau Wert auf Unkraut gelegt, welches mit seinem Wurzelwerk den Boden zusammenhält und auch die Erde vor dem Austrocknen schützt. Regelmässig wird zudem die Erde kontrolliert, um herauszufinden, was es konkret für Dünger braucht, um die Kaffeebäume noch besser wachsen zu lassen.

Beispiel Costa Rica

Im zentralamerikanischen Land Costa Rica, in welches Nespresso kürzlich Journalisten zu einer Medienreise eingeladen hat, nehmen heute etwa 3600 Bauern am AAA-Programm teil. Don René Ceciliano ist einer von vier Söhnen, die zusammen mit ihrem Vater in den hügligen, grünen Höhen Costa Ricas in La Guaria de Corralillo eine grosse Kaffeeplantage von 8,4 Hektaren bewirtschaften. Die Cecilianos sind dort schon seit 50 Jahren als Kaffeebauern tätig. Dem AAA-Programm hat sich die Familie erst 2007 angeschlossen. «Seit damals gibt es hier auf der Finca schon viel mehr zu tun», sagt Don René. «Aber wir konnten dafür auch unsere Produktivität massiv steigern.» Eine weitere Verbesserung, die das Programm der Farm und der Familie gebracht hat, ist sauberes Wasser. «Früher haben wir extrem viele Insektizide, Pestizide und Dünger eingesetzt. Heute verwenden wir eher ökologische Produkte und wir brauchen deutlich weniger davon», so Don René.

Initiative nicht wahrgenommen

Das schweizerische Arbeiterhilfswerk Solidar Suisse forderte 2011 in einem Youtube-Video mit einem George-Clooney-Double fair gehandelten Kaffee von Nespresso. Die Nestlé-Tochter traf diese Kritik hart, da sie bis dahin einfach noch nicht auf ihr AAA-Programm aufmerksam gemacht hatte. «Wir haben unsere Initiative ja schon 2003 gestartet und wussten, dass Nachhaltigkeit der richtige Weg für die Kaffeebauern ist», so Ranitzsch. Viele Vorteile von Fair-Trade-Programmen sind auch Teil des Nespresso-Nachhaltigkeitsprogramms, wie etwa die Unterstützung von Genossenschaften, die Nähe zum Käufer oder ein Preis, der faire Arbeitsbedingungen ermöglicht.

Kenneth Waugh arbeitet für die Firma Volcafé, die vor Ort nicht nur den AAA-Kaffee verarbeitet, sondern für Nespresso die Kaffeebauern auch unterstützt und ausbildet. Laut Waugh kommt es bei der Zusammenarbeit mit den Kaffeebauern vor allem auf das gegenseitige Vertrauen an: «Die Farmer möchten kein Date, sondern eine Hochzeit.» Die meisten der Bauern würden nach der Zertifizierung deshalb sehr lange mit Nespresso zusammenarbeiten. Und dies, obwohl sie ihre Premium-Kaffeebohnen jederzeit auch anderen internationalen Unternehmen verkaufen könnten.

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