Accessoires

Wie Ferrari, Bentley und Co. mit Teddybären gutes Geld verdienen

Das Geschäft mit dem «Zubehör» treibt manchmal seltsame Blüten – auch am Genfer Autosalon. Uhren von Skoda, Flip-Flops von Mini oder ein Teddy von fast jedem beliebigem Autohersteller finden sich hier.

Es gab einmal eine Zeit, da war Ferrari organisiert wie eine Hinterhof-Werkstatt – nämlich: gar nicht. Wer auch immer wollte, der konnte T-Shirts drucken mit dem Markenlogo oder seinen Nachtclub nach Enzo Ferrari benennen oder teure Modellautos von den schönen Ferrari-Klassikern bauen.

Doch irgendwann in den 80er-Jahren kamen die Italiener drauf, dass ihnen damit ganz viel Geld entgeht – und sie schickten ihre Anwälte aus. Die verboten in der Folge allen alles – heute werden vielleicht im dunkelsten chinesischen Hinterland noch heimlich Pullover mit dem Ferrari-Emblem gestrickt und über düstere Kanäle verschachert, doch ansonsten hat der italienische Sportwagen-Hersteller das Geschäft mit dem sogenannten Merchandising komplett in seiner Hand.

Zahlen nennt Maranello keine. Aber seriöse Quellen gehen davon aus, dass ein zweistelliger Prozentsatz des jeweils fetten Gewinns, den Ferrari jährlich einfährt, mit T-Shirts, Daunenjacken, Modellautos, Kaffeetassen etc. eingefahren wird.

Für den Verkauf all dieser Artikel haben die Italiener auf der ganzen Welt – natürlich nur an allerbester Lage – eigene Shops eingerichtet. Der Verkauf macht selbstverständlich viel Freude, T-Shirts, die in der Herstellung quasi nichts kosten, werden für einen dreistelligen Frankenbetrag losgeschlagen, die Marge ist fantastisch. Richtig viel Geld erhält Ferrari auch von all jenen Herstellern, die offiziell Produkte mit dem Ferrari-Logo verkaufen, etwa Uhren oder Modellautos.

Mittlerweile machen alle mit

Ferrari war zusammen mit Rolls-Royce einer der ersten Auto-Hersteller, die das Merchandising-Geschäft nicht nur selber übernahmen, sondern bis ins letzte Detail professionalisierten. Heute hat jede Auto-Marke eine ganze Reihe von Produkten im Angebot, die eigentlich gar nichts mit dem Kerngeschäft zu tun haben, aber halt viel Ertrag bringen. Sogar Billigmarken wie Dacia beteiligen sich an diesem Spiel. Es gibt Uhren von Skoda und Flip-Flops von Mini, Hyundai hat Jacken und Bentley teure Taschen, Porsche verkauft auch Manschettenknöpfe und Lamborghini sogar Hanteln, die vibrieren.

Dass es bei Peugeot neben Autos auch Pfeffermühlen und Fahrräder zu kaufen gibt, das hat immerhin einen guten Grund, denn diese Produkte gibt es bei der französischen Marke schon seit mehr als 200 Jahren.

Auch auf dem Genfer Salon gibt es jede Menge an Accessoires nicht nur zu sehen, sondern auch zu kaufen. Insbesondere die Luxus-Marken lassen sich auf ihren Ständen nicht lumpen. Bentley zum Beispiel hat in Genf einen Shop eingerichtet, der durchaus auf die Zürcher Bahnhofstrasse passen würde.

Wer soll das alles kaufen?

In diesem Shop kann man – selbstverständlich unter fachkundiger Anleitung – Bentley-Breitling-Uhren für fünfstellige Beträge erstehen, auch nicht wirklich günstige Ledertaschen für die Beifahrerin oder Daunenjacken, die mit dem dezenten Bentley-Logo dann über 1000 Franken kosten. Und dann gibt es da auch Teddybären, mit und ohne Markenlogo-Hut, die einen mit Bentley-Hemdchen, andere mit Bentley-Halsband.

Erstaunlich ist, dass quasi alle Hersteller Teddybären anbieten, auch Ferrari (hat ein Pferd im Emblem), auch Porsche (hat ebenfalls ein Pferd im Emblem), sogar Peugeot (hat einen Löwen im Emblem). Und man fragt sich dann manchmal schon, wer das alles kaufen soll – wer sich freut über den Bentley-Bären, der deutlich über 100 Franken kostet? Und was genau macht man mit dem Peugeot-Hund aus Plüsch? Für eine Pfeffermühle hat man ja noch Verwendung, auch eine gute Jacke, von welchem Hersteller auch immer, kann gerade der Cabrio-Fahrer gebrauchen, doch braucht der Mercedes-Fahrer unter seinem Wohlstandsbauch wirklich einen Gurt mit Stern?

Auch in Genf will niemand über Zahlen sprechen, doch allein schon die Anzahl Quadratmeter, die manch ein Hersteller für den Verkauf von Merchandising-Artikeln zur Verfügung stellt, lässt darauf schliessen, dass das Geschäft während der Besuchertage zum Brummen kommt. Porsche hat hinter seinem Stand einen Sattelschlepper stehen, der nur mit Shirts und Jacken und Fahrerschühlein und besagten putzigen Bärchen gefüllt ist. Das Geschäft mit dem Zubehör brummt.

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