Dicht gedrängt stehen in den vier Hangars der Firma Amac Aerospace die Flugzeuge, von kleineren Privat- und Firmenjets bis zu den ganz grossen: beispielsweise eine fabrikneue Boeing 747-800, zwei Boeing 777 und ein Airbus 340-600. Und es sind nicht einfach Passagierflugzeuge. Es sind Privatmaschinen von schwerreichen Scheichs oder Regierungsflugzeuge.

Sie werden hier auf dem Euro-Airport Basel mit jedem erdenklichen Luxus versehen. Mit Esszimmern, Salons, Betten, Badezimmern mit Duschen, grossen Bildschirmen und allen elektronischen Schikanen.

«Wir bauen alles ein, was gemäss den Bestimmungen möglich ist, sagt Amac-Verkaufsmanager Eric Hoegen bei einem Augenschein in den Hangars und Werkstätten der bemerkenswerten Firma. «Also: Ein Cheminée mit offenem Feuer und ein Schwimmbad, das geht nicht», sagt er. Auch müssen die Materialien brandsicher sein und dürfen beim Abbrennen keine giftigen Gase produzieren.

In den Amac-Werkstätten am Südwestende des Flughafens sind zahlreiche Spezialisten beschäftigt: Schreiner, Sattler, Elektroniker, Installateure. Und natürlich Ingenieure. Verarbeitet werden nur beste Materialien. Viele Wandabdeckungen und Möbel sind lederüberzogen oder mit Edelhölzern furniert. Gleichzeitig sind sie je nach den Anschlüssen für Atemluft und elektronisches Zubehör ausstaffiert.

Firmenvideo: Amac Aerospace Switzerland im Portrait

Firmenvideo: Amac Aerospace Switzerland im Portrait

Besonders komplex ist die Verkabelung eines solchen Luxus-Grossflugzeuges. Bis zu 60 Meter lange «Kabelbäume» werden ausserhalb des Flugzeuges zusammengestellt und danach eingebaut. Insgesamt kann ein solcher Ausbau 50 bis 100 Millionen Franken kosten – gerade nochmal so viel, wie das Flugzeug ohne Ausbau kostet.

Mit Spürhunden durchs Flugzeug

Bereits in der Planungsphase eines neuen Auftrags ist die Amac-Arbeitsgruppe für die Zertifizierung dabei. Man will schliesslich bei der Schlussabnahme durch die Behörden keine vermeidbaren Überraschungen erleben. Zum Schluss gehen Spezialisten mit Spürhunden durch das Flugzeug – es wird kein Risiko in irgendwelche Richtung eingegangen. Zur Reduktion von Risiken gehöre die Strategie der Firma, möglichst viel selbst, also «inhouse», zu produzieren.

Wer wissen will, wer sich solchen beinahe unvorstellbaren Luxus leisten kann, bekommt keine Antwort. «Diskretion in diesem Geschäft ist unabdingbar», sagt Hoegen. Manchmal heisst es einfach: «Es ist eine Person aus dem Nahen Osten.» Auf der Länderliste der Kundschaft sind unter anderem die Arabischen Emirate, Qatar, Oman, Saudi-Arabien, China, Russland, Kasachstan, Swasiland, Gabun, Äquatorial-Guinea, Mali, Nigeria. Es sind nicht nur Kunden aus reichen Ländern, die hier Flugzeuge ausbauen lassen.

Neben dem Flugzeug-Innenausbau, der rund 65 Prozent des Amac-Geschäfts ausmacht, wartet die Firma auch Flugzeuge und hat diesbezüglich Zulassungen für die verschiedensten gängigen Flugzeugtypen. Der Jahresumsatz beträgt insgesamt 250 Millionen Franken, in Basel arbeiten rund 630 Angestellte, weltweit 750. Die vor acht Jahren vom Avioniker Kadri Muhiddin gegründete Firma hat ein rasantes Wachstum hinter sich. Im vergangenen Jahr wurde der vierte Hangar in Betrieb genommen. «Wir hatten nicht einmal Zeit für eine Eröffnungsfeier», sagt Junior-Chef und Gründersohn Waleed Muhiddin.

Das Geschäft läuft gut, obwohl derzeit die grossen Hersteller wie Airbus und Boeing keinen einzigen Firmen- oder Privatjet verkaufen können. Das sei vor ein paar Jahren noch anders gewesen. Doch jetzt kommen die ersten Flugzeuge, die vor zehn, fünfzehn Jahren ausgebaut wurden, in Revision. Das sind Aufträge, die etwa gleich lange dauern wie ein neuer Innenausbau, nämlich bis zu zwei Jahre.

Zufrieden mit Standort Basel

Basel ist für Amac aus mehreren Gründen ein idealer Standort. Der Euro-Airport ist zu einem Cluster von Flugzeugtechnik geworden – gleich nebenan sind auch Jet Aviation und die Firma Air Service Basel tätig. Das sind zwar teilweise Konkurrenten, aber es macht den Ort als Arbeitgeber attraktiver. Gleichwohl stösst Amac auf dem Areal an Grenzen. Einen fünften Hangar von der Grösse der anderen wird es nicht geben, weil in Pistennähe die Bauhöhe beschränkt ist.

Mit dem Euro-Airport hat die Firma einen 35-Jahre-Vertrag. Mit Frankreich hat Amac einen separaten Steuerdeal. Von den Steuerstreitigkeiten zwischen Frankreich und der Schweiz ist Amac deshalb nicht betroffen.