Wenn Johann Schneider-Ammann zu E-Gitarren-Klängen der Rockband AC/DC die Bühne betritt, kann das eigentlich nur eines heissen: Es ist WorldWebForum. Von den Wirtschaftsveranstaltungen der Schweiz, von denen das Land nicht gerade wenige und nicht gerade unbedeutende hat, ist das WorldWebForum in Zürich mit Sicherheit die coolste. Grössen des Silicon Valley sind regelmässig mit dabei, dieses Mal ist etwa der Co-Gründer und Präsident des Animations-Studios Pixar da. Rock und Metal ist hier überall, die Konferenzräume heissen Guns N’ Roses und Metallica.

Rockmusik und Internet

Um Rockmusik geht es indes nur am Rande. Das eigentliche Thema: das Internet und dessen Möglichkeiten. Um diese zu diskutieren, schaute in diesem Jahr ein besonderer Gast vorbei: Sir Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web, wie wir es heute kennen. Der Internet-Gründer trägt braune Sportschuhe und spricht, hektisch gestikulierend, über die Notwendigkeit des offenen Internets. Das ist ihm wichtig. Und für sein Engagement erhielt er gestern, als AC/DC und Schneider-Ammanns Rede bereits fertig waren, einen Preis. Überreicht vom Wirtschaftsminister.

Vorreiterin Schweiz?

Schneider-Ammann selbst bekam, neben dem Gitarren-Solo zum Einmarsch, auch etwas. Nämlich das neu ausgearbeitete «digitale Manifest» der Schweiz. Gemeinsam mit der Standort-Initiative Digitalswitzerland haben 50 Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, etwa der Zürcher FDP-Ständerat Ruedi Noser, Massnahmen definiert, die die Schweiz im globalen Vergleich an die Spitze der digitalen Transformation heben sollen. Dazu zählt die Forderung, zwei Milliarden Franken in die Grundlagenforschung zu neuen Technologien zu stecken. Ausserdem sollen «digitalisierungsfeindliche» Regulierungen vermieden und Geschäftsmodelle erst besteuert werden, wenn sie Gewinn abwerfen.

Schneider-Ammann erklärt es so: Am Weltwirtschaftsforum in Davos war Chinas Staatspräsident Xi Jinping zu Gast. Und die Chinesen, so Schneider-Ammann, hätten ein Sprichwort: «Wenn die Winde der Veränderung wehen, bauen manche Mauern, andere bauen Windmühlen.» Die Schweiz baue Windmühlen. Digitale Windmühlen. So stehe es im Manifest. Zumindest im übertragenen Sinne.

«Der gesamte Bundesrat und ich stehen hinter euch», rief Schneider-Ammann gestern den digitalisierungsaffinen Gästen zu. Und lieh sich, für die richtige Wirkung, einen Satz von Barack Obama. Den Satz von Barack Obama. «Yes, we can.»