Der Erfolg eines Unternehmens hat viel mit der Qualität seiner Eigentümer zu tun. Deutlich sichtbar wird dies dann, wenn es schon zu spät ist. Die aktuelle Krise des Schweizer Fondsmanagers und Vermögensverwalters GAM zeigt dies in beispielhafter Weise. Die 1983 vom Bankier Gilbert de Botton gegründete «Global Asset Management» war früher ein innovatives Unternehmen im Bereich der kollektiven Kapitalanlage. Heute steht GAM am Abgrund.

An den Start brachte de Botton seine GAM just in jener Zeit, als die Deregulierung und Globalisierung der Finanzmärkte ihren Anfang nahmen. Es war die richtige Zeit, um die bis dahin einem kleinen, exklusiven Club von Investoren vorbehaltenen Hedgefonds-Strategien einem breiteren Publikum von vermögenden Familien in Europa zugänglich zu machen. De Bottons Geschäftsmodell erwies sich schnell als voller Erfolg. Die weltweiten Investitionen in Hedgefonds explodierten von einer kleinen, einstelligen Milliardensumme im Jahr 1983 auf rund 500 Milliarden Dollar nur 16 Jahre später. Dann verkaufte de Botton seine Firma an die UBS.

Die UBS verstand es Kraft ihrer grossen Kundenbasis, den Erfolg von GAM in wenigen Jahren zu vervielfachen. Als die Bank ihren frisch eingekauften Asset Manager fünf Jahre später im Rahmen eines gross angelegten Tauschgeschäftes an die Bank Julius Bär weiterreichte, waren die verwalteten Vermögen bereits auf 71 Milliarden Franken angeschwollen. Doch grundlegend Neues war im Sortiment von GAM nicht mehr hinzugekommen. Und es war klar, dass es für GAM in der Privatbank früher oder später keinen Platz mehr gegen würde.

Als die UBS bei Julius Bär den Ausstieg vollzog, wurde GAM verselbstständigt und an die Börse gebracht. Die Auflösung der Bande zur UBS führte zu Mittelabflüssen in zweistelliger Milliardenhöhe, der vermeintliche Mehrwert, den die Grossbank als Eigentümerin von GAM geschaffen hatte, löste sich in Luft auf.

Spielball der Manager

Es wurde offensichtlich, dass UBS und Julius Bär die falschen Eigentümer für GAM gewesen waren. Doch statt die Firma endlich in starke Hände zu überführen, machte man sie an der Börse zum Spielball. Verschiedene UBS-Manager kamen an die Spitze der Bank. Mit Leistungen machte die Firma kaum Schlagzeilen, dafür mit hohen Managergehältern.

Im Sommer dieses Jahres geriet GAM in eine schwere Krise. Ein Fondsmanager namens Tim Haywood wurde wegen ungeklärter Kompetenzüberschreitungen entlassen. Die Kunden befürchteten das Schlimmste und zogen Gelder in Milliardenhöhe ab. Der Aktienkurs von GAM brach ein. Derzeit erreicht er mit sechs Franken noch etwa die Hälfte des Wertes, den er im Oktober 2009 beim Börsengang hatte. Es ist wohl mehr als bloss ein ironischer Zufall, dass Haywood in den ersten kritischen Jahren nach der Börseneinführung und der Lösung der Bande zu Julius Bär und der UBS eine zentrale Rolle spielte und für die Akquise dringend benötigter Neukunden und Neugelder zum grossen Teil selber verantwortlich war. Man muss befürchten, dass der Brite in jener Zeit mit besonderen Privilegien ausgestattet worden war, die er eigentlich gar nie hätte erhalten dürfen. Was vor einigen Monaten genau vorgefallen war, dass sich der damalige GAM-Chef Alex Friedman veranlasst sah, Haywood zu entlassen, wissen bis heute nur die Direktbeteiligten. Klar ist, dass der Entscheid für die Firma fatale Folgen hatte.

Ob GAM als eigenständige Gesellschaft noch eine Zukunft hat, ist zu bezweifeln. Friedman musste vorige Woche seinen Hut nehmen. Sein Nachfolger David Jacob hat den 900 Beschäftigten bereits einen grösseren Stellenabbau angekündigt. Die Spirale dreht sich nach unten. Die Geschichte von GAM zeigt, wie die Firma nach dem Verkauf ihres Gründers nie mehr in den Genuss eines guten Eigentümers kam. GAM ist kein Einzelfall. Ähnliche Fälle finden sich zuhauf. Leider haben sie die Gemeinsamkeit, dass die Diagnose immer erst im Nachhinein gestellt wird.