Anklage gegen Banker

Wie aus Schweizer Schwarzgeld amerikanische Diamanten wurden

Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara macht weiter Jagd auf Schweizer Banker.

Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara macht weiter Jagd auf Schweizer Banker.

Ein Schweizer Banker und ein Anwalt sind in den USA angeklagt. Die Bank Frey hat sich gemäss der Anklageschrift für ähnlich unangreifbar gehalten, wie die Bank Wegelin. Ohnehin sind die Verflechtungen zwischen den beiden Banken eng.

Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara will mit seiner Arbeit eine klare Botschaft an die Finanzbranche aussenden: «Es gibt keine separaten Gesetze für Leute, die privilegiert sind», sagte er einst der Financial Times.

Bharara, der mit seiner Anklage das Ende der Bank Wegelin, der ältesten Schweizer Privatbank eingeläutet hatte, macht weiter Jagd auf Schweizer Banken. Am Dienstag (Ortszeit) erhob er Anklage gegen ein Mitglied der Geschäftsleitung der Bank Frey sowie einen Partner der Zürcher Anwaltskanzlei «Niederer Kraft & Frey».

Den beiden wird Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Sie hätten US-Steuerzahlern geholfen, Millionen von Dollars vor den US-Steuerbehörden zu verstecken. Besonders schwer ins Gewicht fällt, dass die Bank Frey offenbar Kunden der UBS und der Wegelin übernommen hat.

Gemäss der Anklageschrift hat die Zahl der Kunden der Bank Frey um 300 Prozent zugenommen, nach dem die UBS und die Wegelin einen Vergleich getroffen hatten. Die Bank Frey verwalte Vermögen von Amerikanern in der Höhe von 938 Millionen Franken – sie machen 44 Prozent der Kundengelder aus.

Staatsanwalt Bharara listet in seiner Anklageschaft sechs Fälle auf, die zeigen, wie die angeklagten Schweizer den Amerikanern beim Geld-Verstecken geholfen haben sollen. Demnach fühlte sich die Bank Frey, trotz dem Fall UBS, offenbar sicher, weil sie nur in der Schweiz operativ tätig ist und deshalb glaubte, sich den amerikanischen Regeln entziehen zu können.

Die Parallelen zur Bank Wegelin sind frappant – auch die älteste Privatbank der Schweiz fühlte sich lange unangreifbar. Ohnehin sind die Banden zwischen Wegelin und Frey eng. Wegelin-Teilhaber Otto Bruderer sass einst im Verwaltungsrat der Bank Frey und der aktuelle Vizepräsident des Verwaltungsrates war ebenfalls einst für die St. Galler Bank tätig.

Doch die Verflechtungen sind nicht nur personeller, sondern waren auch geschäftlicher Natur: Die Wegelin wickelte den gesamten Zahlungsverkehr und alle Buchungen für die Bank Frey ab. Und für die US-Ankläger besonders relevant: Die Bank Frey benutzte das Wegelin-Korrespondenzkonto bei der UBS in den USA für ihre Geschäfte mit den amerikanischen Kunden.

Wollte ein US-Kunde Geld von seinem Schwarzgeldkonto in der Schweiz beziehen, liess er sich von den beiden Angeklagten einen Check zu stellen, die auf das Korrespondenzkonto der Bank Wegelin gezogen waren. So zumindest schildert es die Anklageschrift.

Es ist davon auszugehen, dass die New Yorker Staatsanwaltschaft ihre Informationen zur aktuellen Anklage in wesentlichen Teilen aus dem Fall Wegelin sowie aus den rund 33000 Selbstanzeigen von US-Steuerzahlern bezogen hat.

Die Anklageschrift zeigt auch, wie ein US-Ehepaar 2011 heisse Füsse bekam und ihr Schwarzgeldkonto in der Schweiz auflöste: Das Vermögen wurde auf einen Schweizer Juwelier übertragen. Dessen Bruder in New York, ebenfalls in diesem Business tätig, lieferte Schmuckstücke an einen Juwelier in Connecticut, wo sie vom Ehepaar abgeholt wurden. Zum Beispiel ein Rubin-Ring und Diamanten. (dk)

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